Leonberg A 8: Freie Bahn für die vierte Spur

Von Arnold Einholz 

Ein durchgehender Streifen zwischen dem Kreuz Stuttgart und dem Dreieck Leonberg soll die Staus auf der Autobahn reduzieren. In der Stadt vermisst man den Lärmschutz, die Kritiker erwägen gar eine Klage gegen die Genehmigung.

Auf der rechten Spur  soll ein   Verflechtungsstreifen   gegen Staus  helfen. Foto: factum/Archiv
Auf der rechten Spur soll ein Verflechtungsstreifen gegen Staus helfen. Foto: factum/Archiv

Leonberg - Ein sogenannter Verflechtungsstreifen wird die Autobahn 8 zwischen der Anschlussstelle Leonberg/Ost und dem Autobahnkreuz Stuttgart verbreitern. Das Regierungspräsidium Stuttgart hat am Donnerstag den Plan genehmigt. Diese zusätzliche Fahrbahn soll die Einfädelspur am Stuttgarter Kreuz, auf der Fahrzeuge von der A 81 aus Richtung Singen kommen, und die Abbiegespur am Dreieck Leonberg zur A 81 Richtung Heilbronn verbinden. Auto- und Lastwagenfahrer, die auf dieser Süd-Nord-Verbindung unterwegs sind, müssten somit nicht mehr die Fahrspur wechseln.

Gemeinderat kritisiert Pläne: Lärmschutz fehlt

Im Leonberger Gemeinderat sieht man diesen neuen Streifen allerdings mit kritischen Augen. Quer durch alle Fraktionen befürchtet man, damit einen vierspurigen Ausbau der Autobahn durch die Hintertür zu bekommen, aber ohne Verpflichtung, auch etwas für den Lärmschutz zu tun. Die Kritiker der Arbeitsgemeinschaft AVGL, die sich mit den Renninger Bürgerinitiativen zusammen getan haben, sind ebenfalls sauer. „Das Verfahren ist rechtswidrig, wie schon beim Lückenschluss“, schimpft Fred-Holger Günter, ehemaliger Bosch-Manager. Man habe sich bereits rechtlich beraten lassen und erwäge gar eine Klage vor dem Verwaltungsgericht.

Dessen ungeachtet läuft das Verfahren. „Der Verflechtungsstreifen ist ein wichtiger Baustein, um den Stau in der Region Stuttgart zu reduzieren“, sagte der Regierungspräsident Johannes Schmalzl. „Mit dem Baurecht ist ein wichtiger Schritt getan, dieses anfällige Teilstück der A 8 so zu ertüchtigen, dass die alltäglichen Staus dort hoffentlich bald der Vergangenheit angehören“, sagt der Regierungspräsident.

Begonnen wird mit dem Bau am Ende des Einfädelungsstreifens am Kreuz Stuttgart von der A 81 kommend auf die A 8 Richtung Karlsruhe. Das Bauende im südlichen Bereich der Friedensbrücke ist rund 1000 Meter vor dem Streifen, über den die Fahrer die Anschlussstelle Leonberg-Ost ansteuern. Die Baulänge beträgt 4,4 Kilometer. Mit den Arbeiten wird 2015 begonnen, wenn auch die neue Brücke entsteht, die die Brücke „Rotes Steigle“ ersetzt. Die Bauzeit beträgt voraussichtlich drei Jahre, die Kosten liegen bei etwa 13,2 Millionen Euro.

Ein Bestandteil der Pläne ist es außerdem, die Entwässerung der Autobahn in diesem Bereich teilweise neu zu ordnen sowie den Parkplatz Sommerhofen auszubauen. Laut Schmalzl ist ein wichtiger Punkt bei der Planung, die Eingriffe in die Natur und die Landschaft so weit wie möglich zu minimieren oder sogar vollständig zu kompensieren.

Doch was den Leonberger Gemeinderäten noch mehr als der Schutz von Wald und Tieren am Herzen liegt, ist der Schutz seiner Bürger vor Lärm und Schadstoffen. Denn die Ausbaupläne sehen bislang keinen zusätzlichen Lärmschutz vor. Begründung: die nächstgelegenen Häuser und Wohnungen lägen zu weit weg, behauptet das Regierungspräsidium.

Auf seiner Sitzung im Mai hat sich der Leonberger Gemeinderat deshalb gemeinsam darauf verständigt, in die geforderte Stellungnahme zu diesem Vorhaben eine weitere Ergänzung aufzunehmen: Die Räte fordern schallreduzierende Begleitmaßnahmen vom Kreuz Stuttgart bis zum Westanschluss Leonberg. Die Begründung: in der Siedlung im Mahdental klagten die Anwohner schon lange über den Lärm, ebenso in der Gerlinger Waldsiedlung. Dieser neue Streifen sei keine bloße Instandhaltungsmaßnahme, sondern ein Eingriff in die Funktionstüchtigkeit der Straße. Deshalb müssten niedrigere Grenzwerte angesetzt werden.

Weitere Informationen

Leonberg - Fast 150 000 Autos befahren täglich das Autobahnstück zwischen dem Dreieck Leonberg und dem Kreuz Stuttgart. In zehn Jahren allerdings könnten es laut Prognose des Regierungspräsidiums sogar 170 000 Autos und Laster sein.

Um den Verkehr hier flüssig zu halten, wurde die Autobahn immer wieder ausgebaut und umgestaltet. So wurde der Mittelstreifen verschmälert, um eine weitere Fahrspur zu gewinnen und auch die Friedensbrücke wurde verbreitert. Mit dem neuen Streifen will man die Verkehre von A 8 und A 81 besser entflechten.