Leonberg Als kein Tropfen aus dem Hahn mehr kam

Von Ulrike Otto 

Der Zweckverband der Bodensee-Wasserversorgung tagt in der Stadthalle.

60 Meter tief aus dem Bodensee kommt das Trinkwasser, das hier im Quellbecken von Sipplingen aufgefangen  und dann weiter an die Haushalte verteilt wird. Foto: dpa
60 Meter tief aus dem Bodensee kommt das Trinkwasser, das hier im Quellbecken von Sipplingen aufgefangen und dann weiter an die Haushalte verteilt wird. Foto: dpa

Leonberg - Die älteren Leonberger erinnern sich vielleicht noch an die Zeit, da hin und wieder das Trinkwasser abgestellt werden musste, weil es keines mehr gab oder weil es sonst nicht mehr für die nächsten Tage gereicht hätte.

„Wir sind hier nicht gerade mit großem Trinkwasservorkommen gesegnet“, sagt Oberbürgermeister Bernhard Schuler und begrüßt damit die Mitglieder bei der Verbandsversammlung der Bodensee-Wasserversorgung am Dienstag in der Leonberger Stadthalle. „Wir“, das könnten an diesem Tag fast alle der vertretenen Kommunen sein. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist die Lösung des Trinkwasser-Problems dringlich, der Bodensee ein geeignetes Reservoir. „Leonberg ist eines der 13 Gründungsmitglieder des Zweckverbandes. Das erste Wasser aus dem Bodensee kam hier 1958 aus den Hähnen“, berichtet Schuler.

Damals hatte Leonberg noch keine 20 000 Einwohner. „Ohne die Wasserversorgung wäre das Wachstum der Stadt nicht möglich gewesen“, meint der OB. Das treffe aber auf die gesamte so starke Region Stuttgart zu. Genügend Lebenselixier gibt es nun, die Kämpfe sind heutzutage andere.

Trinkwasserqualität soll gehalten werden

Vor allem um die Qualität und die Versorgungssicherheit. So stellt der scheidende technische Geschäftsführer, Marcel Meggeneder, Pläne für ein neues Messlabor vor, in dem die Zusammensetzung des Wassers unter die Lupe genommen wird.

„2015 haben wir rund 90 000 Proben untersucht“, zählt er in seinem Betriebsbericht auf. Doch der Verband investiert auch kräftig in die Infrastruktur, so wird etwa der Hochbehälter in Wimsheim erneuert. In Betrieb gegangen ist bereits die neue Leitstelle und Signalwarte in Stuttgart.

Ein Thema für die Zukunft seien etwa Spurenstoffe, also Nanopartikel, die über Medikamente, Kosmetika oder anderes ins Wasser gelangen und schwer wieder herausgefiltert werden können, berichtet Meggeneder. Auch die große Menge an Dünger und Jauche, die in der Landwirtschaft verwendet wird, macht den Wasserwirtschaftern Sorgen.

Diese Kämpfe wird in Zukunft Christoph Jeromin ausfechten müssen. Die Versammlung wählt den Abteilungsleiter und Prokurist der Stadtwerke Bamberg zum neuen technischen Geschäftsführer. Als derzeitiger Vorsitzender des Verbandes lässt sich Bernhard Schuler diese Gelegenheit nicht entgehen: „Für einen Umzug kann ich Ihnen Leonberg wärmstens ans Herz legen“, sagt der Oberbürgermeister.

Info: Die Bodensee-Wasserversorgung

Zweckverband:
Bereits 1949 sah der Württemberg-Badische Städteverband die Notwendigkeit, das Wassermangel-Problem in Teilen des Landes zu lösen. Eine Studienkommission schlug 1953 vor, Trinkwasser aus dem Bodensee zu gewinnen. 1954 wurde der Zweckverband gegründet. Gründungsmitglieder waren Stuttgart, Leonberg, Kornwestheim, Böblingen, Sindelfingen, Reutlingen, Tübingen, Hechingen, Villingen, Schwenningen, Rottweil, Ebingen und Tailfingen.Das Wasser wird am Überlinger See in etwa 60 Metern Tiefe aus dem Bodensee entnommen.

Heute
: Derzeit sind 183 Kommunen und Verbände Mitglied. Neu aufgenommen wurden gestern Dielheim (Rhein-Neckar-Kreis) und Niefern-Öschelbronn (Enzkreis). Versorgt werden 320 Städte und Gemeinde mit insgesamt etwa vier Millionen Einwohnern. 2015 wurden 130 Millionen Kubikmeter Wasser abgegeben, das sind rund 356 Millionen Liter am Tag. Pro Kopf entspricht das etwa 89 Litern am Tag.




Veranstaltungen

Unsere Empfehlung für Sie