Leonberg Am Steuer wird das Handy zur tödlichen Gefahr

Von Paula Düster 

Präventionsoffensive: Wie verheerend auch nur ein kurzer Blick auf das Smartphone im Straßenverkehr sein kann, erklärt Polizist Frank Hinner Jugendlichen im Beruflichen Schulzentrum. Und das zeigt Wirkung.

Auch ein nur kurzer Blick aufs mobile Telefon während des Autofahrens kann fatale Folgen haben Foto: dpa
Auch ein nur kurzer Blick aufs mobile Telefon während des Autofahrens kann fatale Folgen haben Foto: dpa

Leonberg - Ein kurzer Piepton, eine neue Nachricht auf dem Handy und eine Sekunde der Unaufmerksamkeit. Das ist genau die Zeit, in der ein Auto mit Tempo 50 rund 14 Meter Weg zurücklegt. Und das, ohne dass der Fahrer auf die Straße achtet. Es kann alles schneller gehen, als man denkt“, sagt Frank Hinner vom Polizeipräsidium Ludwigsburg bei den Verkehrspräventionstagen am Beruflichen Schulzentrum Leonberg. Seit 24 Jahren ist er für die Unfallvorbeugung zuständig und klärt in Berufsschulen und Gymnasien im Kreis Böblingen über die Gefahren im Straßenverkehr auf. Vor allem zeigt er Jugendlichen, die ihren Führerschein schon haben oder gerade Fahrstunden nehmen, welch schlimme Konsequenzen auch eine kurze Ablenkung beim Autofahren nach sich ziehen kann.

Bei wie vielen Unfällen mit teilweise tödlichem Ausgang der Verursacher tatsächlich das Handy benutzt hat, ist unklar. Frank Hinner spricht von einer hohen Dunkelziffer. Die Kampagne des Innenministeriums für Verkehrsprävention heißt „No Game. Sicher fahren – sicher leben“ und wurde für junge, noch unerfahrene Fahrer gestartet, um sie für das Thema Gefahren im Straßenverkehr zu sensibilisieren.

Smartphone am besten in den Kofferraum

„Früher führten meist Unerfahrenheit, nicht angepasste Geschwindigkeit und Ablenkung durch Mitfahrer zu teilweise schweren Unfällen“, erklärt Frank Hinner. Mittlerweile sei ein weiterer ausschlaggebender Faktor dazugekommen: das Smartphone. Ein kurzer Blick auf das mobile Telefon in der Hand, um zu sehen, wer gerade geschrieben oder ein neues Bild gepostet hat, reicht, um den Fahrer vom Straßengeschehen abzulenken. „Häufig wird unterschätzt, was dieser Blick auf das Handy bedeutet“, mahnt der Polizist Hinner. Zum Moment der Ablenkung müsse man noch die Zeit dazurechnen, die man braucht, um sich anschließend wieder auf den Verkehr zu konzentrieren, um zu reagieren und notfalls auch zu bremsen. Der Experte empfiehlt daher, das Telefon nicht nur auf lautlos zu stellen, sondern es in der Tasche – oder noch besser im Kofferraum – zu lassen. Und wer dringend eine Nachricht lesen möchte, sollte dafür anhalten. „In gewisser Weise ist das Handy am Steuer nichts anderes als Alkohol am Steuer“, zieht Frank Hinner einen Vergleich. Beides könne schließlich zu schweren Unfällen führen.

Den 16 Schülerinnen zwischen 16 und 20 Jahren, die die zweijährige Berufsfachschule Fachrichtung Gesundheit und Pflege besuchen, leuchtet diese Gefahr auch ein. Eine von ihnen hat seit einem Jahr den Führerschein. „Einmal habe ich beim Fahren schon auf mein Handy geschaut“, gibt die 18-Jährige zu. Das habe sie auf jeden Fall vom Verkehr abgelenkt. Nach dem Vortrag von Frank Hinner sind die Mädchen sich in einer Sache einig: Das Handy werden sie während des Autofahrens nicht benutzen. „Wenn ein Beifahrer dabei ist, würden wir ihm das Smartphone für die Fahrt anvertrauen“, sagen sie unisono.

Ein solches Unglück begleitet einen das ganze Leben

Frank Hinner hofft, dass die Jugendlichen sich den Inhalt seines Präventionsvortrages auch auf lange Sicht zu Herzen nehmen. „Es ist mir wichtig, einen guten Draht zu den jungen Menschen herzustellen, um dann mit ihnen ein offenes Gespräch führen zu können“, sagt er. Häufig wird dem polizeilichen Präventionsbeauftragten zufolge aber nur vor Unfällen gewarnt. Niemand kenne dagegen die Fortsetzung auf tragische Unglücksfälle. „Kaum einer macht sich Gedanken darüber, wie das Leben nach einem Unfall mit möglicherweise tödlichem Ausgang aussieht“, merkt Hinner an. Sein Ziel sei es, den Jugendlichen mit auf den Weg zu geben, dass ein Verkehrsunglück nicht mehr rückgängig zu machen ist und dass die Folgen die Verantwortlichen in der Regel ein Leben lang belasten. „Davor versuche ich die Jugendlichen zu bewahren“, sagt er.