Leonberg Auf der Bühne gibt es keine schlechte Laune

Seit 21 Jahren ziehen Christof und Vladislava Altmann mit ihren Kindertheater- und Kabarettprogrammen durch die Lande. Sie sind im Wortsinn ein eingespieltes Team.

Christof und Vladislava Altmann sind im wahrsten Sinne des Wortes ein eingespieltes Team.   Foto:Beate Armbruster/z Foto: Beate Armbruster/z
Christof und Vladislava Altmann sind im wahrsten Sinne des Wortes ein eingespieltes Team. Foto:Beate Armbruster/z

Leonberg - Wer mit Christof und Vladislava Altmann über ihre Bühnenarbeit spricht, fühlt sich unversehens in ein spritziges Theaterstück voller Humor, aber auch Tiefgang versetzt. Die beiden sind ein im wahren Wortsinn ein eingespieltes Team. Als solches kennt man sie auch in der Region. Treten sie heute in einem Gerlinger Kindergarten mit ihrem Programm „Heute feiern wir ein Fest“ auf, kann es morgen schon „Der Löwe lacht“ im Feuerwehrhaus Rutesheim oder das Erwachsenenprogramm „Das Jahr des Gärtners“ in Gebersheim sein. Nicht selten hat das Paar zwei oder gar drei Auftritte an einem Tag – es sind rund 250 im Jahr.

Seit 21 Jahren stehen Christof und Vladislava Altmann gemeinsam auf der Bühne – und geraten beim Erzählen über ihre Arbeit immer noch ins Schwärmen. Christof Altmann ist 1953 in Stuttgart geboren und hat seine Kindheit in Wendlingen, Korntal und Leonberg verbracht. In Mössingen war er viele Jahre lang Sozialarbeiter und hat als solcher schon Kinderlieder komponiert und getextet. Altmann hat als Kind Blockflöte und Klavier gespielt und sich später etliche weitere Instrumente, wie etwa die Mundharmonika, die Gitarre oder das Akkordeon selbst beigebracht.

Schleichender Ausstieg aus dem Brotberuf Sozialarbeiter

Sein Ausstieg aus dem erlernten Brotberuf kam schleichend. Seit 1987 war er mit einem Puppentheater unterwegs, seit 1989 nebenberuflich mit eigenen Kindertheater-Programmen. Mit 40, erzählt er, sei er wie jeder ordentliche Schwabe gescheit geworden, weswegen er ein Jahr später geheiratet und die Sozialarbeit an den Nagel gehängt hat. Vladislava Cajkovska, gebürtige Tschechin und wie ihr Mann Sozialarbeiterin, wurde seine Frau und Bühnenpartnerin. „Ich wollte mich schon lange selbstständig machen und hatte mir immer gewünscht, das mit einer Frau zu machen“, erinnert sich Altmann. Die beiden starteten durch. Als langjährige Chorsängerin hatte Vladislava Altmann mit der ersten gemeinsamen Tonaufnahme 1994 für die Kassette „Bei uns, da ist der Zirkus los“ keinerlei Pro­bleme beim Singen. Allerdings verstand sie noch nicht wirklich, was sie da sang. Das hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten gründlich geändert – nur weil man ihre Herkunft kennt, meint man einen Rest slawischer Intonation zu vernehmen.

Die beiden machen naturgemäß vieles gemeinsam. Doch hat jeder nicht nur seine eigenen Hobbys – er spielt noch in einer Band, sie macht Yoga – sondern auch die eigenen Aufgaben bei der Theaterarbeit. Altmann: „Jeder weiß, was zu tun ist, wenn wir an den Auftrittsort kommen. Wir sehen mit einem Blick, wo die Probleme sind und ob es schwierig wird, beispielsweise weil man den Raum nicht gut verdunkeln kann.“ Aber beide bleiben immer entspannt.

Das Paar entwickelt seine Stücke gemeinsam. Wie das funktioniert, erklärt Christof Altmann: „Ich muss schreiben, dann liest sie das Stück, zerreißt es in der Luft, und ich schreibe es um.“ Auch die Lieder schreibt er, während sie für fast alle Kulissen, Kostüme und Requisiten sorgt. Für die Illustrationen der Plakate und CD-Cover ist Christof Altmanns Schwägerin, für deren grafische Gestaltung und das Layout sein Bruder zuständig. Natürlich sei es manchmal auch sehr anstrengend, so eng zusammenzuarbeiten, erzählen die beiden, zumal das Theaterspielen und die Organisation drumherum einfach sehr viel Arbeit bedeute. „Man ist auch nicht immer gut drauf, kommt vielleicht mit schlechter Laune irgendwo an und muss spielen“, sagt er, und sie ergänzt: „Aber dann ist die Bühne auch eine Rettung, denn man muss sich natürlich zusammenreißen. Und wenn die ersten Kinder oder Erwachsenen lachen, ist die schlechte Laune sowieso weg.“

Beide sind sich einig: Die Bühne hält sie jung

Überhaupt, sind beide überzeugt, halte die Bühne sie auch jung, und sei ein Zwischending zwischen endorphinsattem Sport und konzentrierter Meditation. Womöglich funktioniert diese Beziehung ja auch deswegen so gut, weil die beiden Bühnenprofis die Talente des anderen so sehr schätzen. „Du warst schon immer eine tolle Schauspielerin, hattest eine unglaubliche Präsenz“, schwärmt er davon, dass sie von Anfang an vom Chinesen mit ganz wenigen Zutaten, vor allem aber ihrem Mienenspiel, im Nu zum Pinguin oder zur Teichnixe werden konnte. „Und seine Stärke ist die Pädagogik ohne Zeigefinger“, sagt sie, „und dass er vom einfachen Schwaben vom Lande bis zu hochgebildeten Leuten alle mit seinem Texten beglücken kann.“

Was beide Mimen auszeichnet, das ist wohl ihre unglaubliche Vielseitigkeit. „Ich bin schon ein echter schwäbischer Schaffer“, gesteht er, „ich singe nur vom Nichtstun.“ Und wenn er theoretisch mal nichts tut, weil die beiden Töchter mit ihren Schulferien den Eltern glücklicherweise auch mal Pausen aufzwingen, dann tut er in der Mühle in Tschechien oft doch wieder etwas: Holz aufschichten, herumwurschteln, organisieren – oder in der Scheune mit seiner Frau an neuen Stücken feilen.

Info Am Donnerstag, 11. August, kommen Christof und Vladi Altmann ins Strohländle am Engelbergturm. Von 18 bis 19 Uhr steht das Kindertheater „Eine Reise um die Welt“ auf dem Programm, ab 19.30 Uhr zeigt Christof Altmann sein musikalisches Talent mit seinem kosmopolitisch-schwäbischen musikalischen Kabarettprogramm „Trio zu viert“.




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