Leonberg Auf der Jagd nach dem bösen Giftmischer

Von Jana Stäbener 

Im Ferienprogramm drehen Kinder und Jugendliche einen Krimi. Sogar auf den Engelbergturm geht es hoch.

Film ab: Am Engelbergturm sind die Kinder dem Giftmischer aus der Spur. Foto: factum/Bach
Film ab: Am Engelbergturm sind die Kinder dem Giftmischer aus der Spur. Foto: factum/Bach

Leonberg - Lachend zeigt Luis auf den Bösewicht des Krimis, den Andreas Harr mit zwölf jungen Nachwuchsschauspielern und zwei jungen Helferinnen von der Stadt dreht. „Einen Gangster mit Sandalen hab’ ich ja noch nie gesehen!“ Tatsächlich ist es ein ungewöhnlicher Anblick: ein kleiner Junge mit angeklebtem Vollbart und einem unechten Zigarillo im Mundwinkel. Nicht zu vergessen die blauen Sandalen, die zeigen, dass es sich hier wohl doch nur um einen kleinen Schauspieler handelt.

Es ist 11 Uhr vormittags und die Truppe bespricht das Drehbuch. Gleich geht es ab in den Engelbergturm, um dort die Erpresser-Szene zu drehen. Ganze fünf Tage lang haben sich die 15 Beteiligten jeden Morgen getroffen, um den fast eine Stunde langen Film zu produzieren. Das Drehbuch selbst stammt aus der Feder von Andreas Harr, der schon im Alter von 13 Jahren mit seiner damaligen Super-8-Kamera Krimis gemacht hat. Heute ist er freiberuflicher Kameramann und Cutter. Er leitet schon seit zwei Jahren den Sommerferien-Filmdreh für Kinder von neun bis 13 Jahren.

Wird der Bösewicht überwältigt?

Die Geschichte handelt von der Universitätsstadt Leonberg, in der ein Giftmischer sein Unwesen treibt. Er hat den Plan, ganz Leonberg mit seinem gestohlenen Gift auszulöschen, wenn die Stadt ihm keine 140 00 Euro zahlt. Vereitelt wird der Plan nur mit Hilfe der beiden Kinderbanden, die den Bösewicht überwältigen.

„Die Kinder machen es echt super“, lobt Elena Manghard, die bei der Stadt eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten macht. „Ich könnte mir das nicht merken“, meint Alina Weinberger. Sie macht ihr Praxissemester im Studiengang „Public Management“ bei der Stadt.

Jedes Kind hat meist zwei oder drei Rollen. „Das ist voll gut, weil man dann mehr reden kann“, meint die zehnjährige Helen. „Ich habe schon oft im Theater in der Schule mitgespielt und will später mal Schauspielerin werden“, erzählt sie. Auch der zwölfjährige Marcel hat schon Schauspielerfahrung in der Schule gesammelt.

Im Engelbergturm geht es für alle die 123 Stufen hinauf. Ganz schön anstrengend, denken sich die jungen Schauspieltalente. Vor allem, weil eine Szene oft wiederholt werden muss. „Alle noch mal runter und dann mit Taschenlampe hoch!“, ruft der Filmexperte Andreas Harr durch den Turm. Die Kinder nehmen es gelassen und gehen ohne Widerspruch auch ein drittes Mal die Stufen hinauf.

„Der Tag startet bei uns immer damit, dass wir uns das gestrige Filmmaterial anschauen“, erklärt Andreas Harr. „So sieht man schön, was man schon geschafft hat. “

Gedreht wird jeden Tag an einem anderen Ort: im Stadtpark, an der Schule, im Pomeranzengarten oder auf dem Engelberg. „Wir hatten sogar einen Greenscreen (eine spezielle Filmtechnik) für die Nachrichten-Szene und das Chemielabor“.

„Auf der Warteliste standen noch Kinder, denen wir leider keinen Platz anbieten konnten“, berichtet Andreas Harr. „Aber wie wär’s nächstes Jahr mit zwei Filmen: einem Krimi und einer Liebesromanze?“, fragt er scherzhaft. „Gut, dann bin ich eben der Romeo“, sagt Marcel schulterzuckend, und alle müssen lachen.