Leonberg Azubis dürfen ein bisschen Oberbürgermeister spielen

Von Arnold Einholz 

Das Leonberger Ferienprogramm bietet viele Möglichkeiten, zum Beispiel Klettern.

Eine Kletterhalle ist nur eine Attraktion des Ferienprogrammes. Foto: FACTUM-WEISE
Eine Kletterhalle ist nur eine Attraktion des Ferienprogrammes. Foto: FACTUM-WEISE

Leonberg - Flink wie Katzen schwingen sich die Zwölfjährigen unter den Augen von Kursleiterin Martina Esch die Kletterwand in der Georgiihalle hinauf. Auf der anderen Seite des Foyers ertönt der Befehl „Hashime! (anfangen)“ von Kerstin Schnepf. Sie kommt von der Judogemeinschaft Leonberg/Eltingen, zeigt den Siebenjährigen Haltegriffe und wie man sich daraus wieder befreit.

Die 20 Schüler in der Georgiihalle gehören zu den mehr als 800 Kindern, die sich für das Ferienprogramm eingeschrieben haben. „Die Kurse erfreuen sich konstanter Beliebtheit und liegen mit 1146 Anmeldungen ähnlich hoch wie die vergangenen Jahre“, hat gestern der Oberbürgermeister Bernhard Schuler zufrieden festgestellt. Die Stadtranderholung hingegen, und insbesondere die zweite Etappe gegen Ferienende, sei hingegen nicht mehr so gefragt wie früher, so Schuler. Bei einem Rundgang bei mehreren Kursen hat er sich selbst ein Bild von dem Angebot gemacht.

„Einige Kinder finden so viel Gefallen an den Kursen, dass sie sich für zwei oder mehr angemeldet haben“, sagte Ines Waldherr vom städtischen Amt für Kultur, Erwachsenenbildung, Sport und Stadtmarketing. Gemeinsam mit den Auszubildenden Katharina Grad, Veronika Nidinez, Ruslan Mammadov und Nicolai Meisenbacher hat sie das Programm zusammengestellt und begleitet sie dabei auch. „Für unsere Auszubildenden sind die Ferienkurse seit Jahren eine Chance, ein Projekt von der Vorbereitung bis zur Begleitung der Kurse selbstständig zu organisieren“, sagt Schuler, „das ist so wie ein bisschen Oberbürgermeister spielen und ständig auf Veränderungen reagieren.“ Denn der Tag laufe nie so, wie er am Vortag geplant gewesen sei. Ines Waldherr stimmt zu: „Mal ist ein Kind am falschen Ort, dann fällt eines vom Pferd, zwei Kursleiter fallen aus und einer vergisst es zu melden.“ Und das am dritten Tag von sechs Wochen – da heißt es, schnell zu reagieren und auf ein breites Netzwerkt von verlässlichen Personen zurückzugreifen. Das ist der oft stressige Alltag hinter den Kulissen des Ferienkursprogramms.

Der Großteil der Kinder ist im Grundschulalter zwischen sieben und zehn Jahren. Die 96 Kursleiter haben sich viel einfallen lassen, um die Angebote kurzweilig zu gestalten. Neben Halbtageskursen finden auch 46 Ganztageskurse statt. „Diese erfahren immer größeren Zuspruch, denn viele Eltern schätzen es, wenn ihre Kinder kompetent in den Sommerferien betreut werden“, weiß Schuler aus Erfahrung.

Szenenwechsel: Hoch konzentriert geht es im Atelier des Kalligrafen Michael Kern in der Rilkestraße zu. Hier sind Teenager am Werk und üben sich im Comic-Zeichnen. Bernhard Schuler gibt zu, selbst kein Schönschreiber zu sein. Daher ist er fasziniert, wie schnell ihm Kern beibringt, ein Porträt von Micky Maus zu malen. Und zufrieden hören alle das Urteil eines 15-Jährigen über die Ferienkurse: „Es ist alles viel besser, als ich es mir vorgestellt habe.“