Benefiz-Rallye zum Nordkap Roadtrip mit der Ziege auf dem Beifahrersitz

Von Henning Maak 

Sarah und Daniel Mann starten bei einer 16-tägigen Benefiz-Rallye durch acht Länder bis zum Nordkap.

Sarah und Daniel Mann sind für den Baltic Sea Circle startklar. Foto: factum/Weise
Sarah und Daniel Mann sind für den Baltic Sea Circle startklar. Foto: factum/Weise

Leonberg - Von der Mitte Juni beginnenden Fußball-Weltmeisterschaft in Russland werden Sarah und Daniel Mann nicht viel mitkriegen. Doch das nehmen die beiden Eltinger in Kauf. Denn das Ehepaar erfüllt sich mit dem Start beim so- genannten Baltic Sea Circle einen lang gehegten Traum: Mit einem 20 Jahre alten VW T 4 Multivan starten sie zusammen mit 253 anderen Teams am 16. Juni am Hamburger Fischmarkt, um in 16 Tagen knapp 8000 Kilometer bis zum Nordkap und zurück durch acht Länder zu fahren – ohne Autobahnen zu benutzen und nur mit Karten zur Orientierung. Und das alles auch noch für einen guten Zweck. „Das ist der Roadtrip, den man nur einmal in seinem Leben macht – meistens mit 19 oder 20 Jahren“, sagt die 28-jährige Sarah Mann.

Die Teamassistentin einer Versicherung war ebenso wie ihr Mann Feuer und Flamme, als ein befreundetes Ehepaar vorschlug, bei dieser Benefiz-Rallye mitzumachen. Sarah Mann unterbricht dafür sogar die Bachelorarbeit ihres Wirtschaftspsychologiestudiums, das sie neben ihrem Job macht. „Ein Stück weit ist die Rallye ja auch Urlaub für den Kopf“, erklärt sie. Hinzu kommt, dass beide Freude am Herumschrauben an Autos haben, und Daniel Mann als Entwicklungsingenieur beim Daimler-Konzern beruflich mit Autos zu tun hat.

Autobahnen und Navis sind verboten

Sieger beim Baltic Sea Circle wird nicht die Mannschaft, die die Strecke am schnellsten zurücklegt, sondern diejenige, die die meisten Aufgaben löst. Diese bekommen die Teams erst unmittelbar vor dem Start mit dem sogenannten Roadbook. „Eine Aufgabe, die vorab als Beispiel bekannt wurde, lautet, mindestens zehn Meter mit einer Ziege auf dem Beifahrersitz zu fahren und das zu filmen oder zu fotografieren“, erzählt Sarah Mann schmunzelnd. Humor brauchen die Teams auf jeden Fall. Auch ein guter Orientierungssinn ist von Vorteil, denn Navigationsgeräte sind während der Rallye ebenso verboten wie die Autobahnen.

Damit die Wohltätigkeitsveranstaltung, die vom Hamburger Reiseunternehmen „Superlative Adventure Club“ organisiert wird, auch noch einem guten Zweck dient, müssen die Teilnehmer zum einen 850 Euro Startgebühr bezahlen, von denen 50 Prozent an ein vom Veranstalter bestimmtes Projekt geht. Zudem müssen alle Teams mindestens weitere 750 Euro an Spenden für ein von ihnen ausgewähltes Projekt auftreiben. Die beiden Eltinger haben sogar mehr als 1000 Euro generiert, die sie den Klinikclowns im Stuttgarter Olgäle zukommen lassen wollen. „Insgesamt sind dank der Charity Rallye von allen 254 Teams 350 000 Euro aufgetrieben worden“, freut sich Sarah Mann.

Die Generalprobe hat fast perfekt geklappt

Die Generalprobe hat ihr 20 Jahre alter VW T 4 mit einer Fahrt nach Berlin an einem langen Wochenende im Mai fast perfekt gemeistert. „Kurz vor Ludwigsburg hat er kein Gas mehr angenommen, doch nachdem wir den Zahnriemen getauscht haben, läuft er wieder“, sagt Daniel Mann.

Die Strecke führt „Dynamo Keilriemen“ – diesen Teamnamen haben sich Manns gegeben – von Hamburg über Dänemark und Schweden zum Nordkap, einem bekannten Touristenziel in Norwegen, mit einem Globus als Wahrzeichen. Zurück wollen die beiden Eltinger über Finnland, die drei baltischen Staaten und Polen fahren. Sarah Mann möchte unbedingt im finnischen Rovaniemi Halt machen, wo der Sage nach der Weihnachtsmann herkommt. Daniel Mann hat einen besonderen Bezug zur lettischen Hauptstadt Tallinn: „Ich habe in der Schule ein Referat über Tallinn gehalten.“ Um Russland machen die beiden einen Bogen wegen der langen Wartezeiten an der Grenze – wie fast die Hälfte der Teams.

Die Eltinger planen mit einem Budget von rund 8000 Euro. „Wir packen das Auto so voll wie möglich, vor allem mit Lebensmitteln“, sagt Daniel Mann. Die Kleidung wird eher sommerlich sein, auch wenn es am Nordkap nur zehn Grad warm sein kann. Und ganz wollen die beiden Fußballfans die WM trotz der Rallye nicht abschreiben: „Wir werden in Hotels, Kneipen und auch bei Kollegen, die einen Fernseher im Auto haben, gucken“, sagen sie.