Leonberg „Das Rückgrat konnte mir die SS nicht brechen“

Von Holger Viereck 

Samuel Pisar, ein Überlebender des KZ Leonberg, ist in New York im Alter von 86 Jahren verstorben. Dort hat er gelebt und als erfolgreicher Anwalt gearbeitet. Für seine n Verdienste hat er zahlreiche Ehrungen erhalten.

Samuel Pisar als junger Mann. Foto: privat
Samuel Pisar als junger Mann. Foto: privat

Leonberg - Samuel Pisar, ehemaliger Häftling des KZ Leonberg, ein bekannter Anwalt und Berater, ist an seinem Wohnort New York verstorben. Seine Tochter Leah Pisar-Haas erklärte der New York Times, dass ihr Vater sich eine Lungenentzündung nach einem Schlaganfall zugezogen hatte.

Samuel Pisar war ein einflussreicher und berühmter Jurist. Er lebte seit vielen Jahren in Paris und in New York und betrieb hier Anwaltskanzleien. Pisar wurde am 18. März 1929 in Bialystok (Polen) als zweites Kind einer jüdischen Familie geboren und erreichte ein Alter von 86 Jahren.

Noch im Frühjahr hat er Reden gehalten

Noch im Frühjahr 2015 hat er zum 70 Jahrestag der Befreiung von Auschwitz Reden gehalten, unter anderem im Europäischen Parlament. Er galt als einer der jüngsten Holocaust-Überlebenden – er war in den Lagern Majdanek, Blizyn, Auschwitz, Sachsenhausen, Oranienburg, Leonberg und Dachau eingesperrt. Pisar wurde nach seiner Flucht von einem Todesmarsch (1945) in der Nähe des KZs Dachau von seiner in Paris lebenden Tante auf einer Liste von Überlebenden entdeckt.

Er studierte nach seiner Auswanderung nach Australien Jura in Melbourne, später auch in Paris und in Harvard in den USA. Er erlangte zwei Doktortitel und wurde Berater von Präsident John F. Kennedy. Nach Kennedys Ermordung beriet er Filmstars wie Elisabeth Taylor oder Yul Brunner. Er beriet zudem große Konzerne und arbeitete für das Olympische Komitee.

Pisar schrieb 1979 eine Autobiografie (Of blood and hope), die in mehr als 20 Sprachen übersetzt wurde. Über die Monate in Leonberg sagte er: „Wir arbeiteten in 12-Stunden-Schichten. Es war furchtbar laut und anstrengend. Aber, das Rückgrat konnte mir die SS zum Glück nicht brechen. . . Wenn wir nach Bombenangriffen nach Überlebenden suchen mussten, dann haben wir zunächst nach Essbarem geschaut. Wir wurden bei all der schweren Arbeit sehr schlecht ernährt – ich hatte immer Hunger.“ In den vergangenen Jahren ist Samuel Pisar vor allem wegen Konzerten von Leonard Bernstein (Symphonie Nr. 3) und dem von ihm verfassten Kaddisch-Text darin in die Schlagzeilen der Weltpresse gelangt. In der Symphonie, die mit mehreren Chören und einem großen Orchester in der ganzen Welt aufgeführt wurde, stand ein „zorniger Dialog“ Pisars mit Gott im Zentrum. Pisar hatte diesen Text auf Bitten von Leonard Bernstein nach dessen Tod verfasst und trug ihn bei allen Konzerten in englischer Sprache selbst vor.

Für seine Verdienste zahlreiche Ehrungen erhalten

Wegen seiner Verdienste wurde Pisar zum Grand Officier, Commander und Chevalier der französischen, polnischen und australischen Ehrenlegionen sowie Offizier des französischen Ehrenordens der Literatur und Künste ernannt. Seit 2012 war er zudem Botschafter der UNESCO und Special Envoy für Holocaust Education.




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