Beim „Blood Feast“-Konzert haben schwedische Bands der brachialen Sparte in der Beatbaracke gespielt.

Leonberg: Marius Venturini (mv)

Der Hauskater der Leonberger Beatbaracke hat viele Namen. „Tupac“ und „Tigger“ sind nur zwei davon. Bezeichnen wir ihn der Einfachheit halber einfach als Kater. Kater steht offenkundig nicht auf Death Metal aus Schweden. Vielleicht sind brachiale Gitarrenklänge einfach nichts für Katzenohren. So ist von dem Vierbeiner während der achten Ausgabe der „Blood Feast“-Konzertreihe wenig bis gar nichts zu sehen. Sein Körbchen: leer.

 

Dabei weiß Kater gar nicht, was er da verpasst. Als mit Subconscious der lokale Anheizer gegen 20.30 Uhr die Baracken-Bühne entert, ist ein Großteil des Publikums schon da. Rund 60 Leute werden es am Ende sein. Und fast alle überzeugen sich von den technischen Fähigkeiten des Quartetts aus dem Großraum Stuttgart. Subconscious klingen wie eine Mischung aus Cynic und Death in deren Spätphase.

Subconscious haben ein Heimspiel

Es ist zwar traurige Gewissheit, dass Death-Mastermind Chuck Schuldiner bereits im Jahr 2001 an Krebs gestorben ist – allerdings könnte meinen, er habe zuvor seine prägnante Kreisch-Stimme an den Frontmann Jörn Langenfeld vererbt. Kurz gesagt: Subconscious haben in der Beatbaracke praktisch ein Heimspiel und machen ihre Sache richtig gut. Nur headzubangen traut sich bei so vielen Takt- und Tempowechseln noch niemand so richtig.

Mit Deathbreed folgt die erste Band des Schweden-Dreiers, der seit dem 12. April gemeinsam durch Europa tourt. Angesagt ist – natürlich – Death Metal mit tiefem Gebrüll jenseits von Gut und Böse. Dabei agiert die Combo aus Sundswall keineswegs so stumpf wie etwa die Amis von Six Feet Under. „Amerikanisch“ klingen sie allemal, nur eben eher wie die technisch beschlagenen Knüppler von Dying Fetus und Konsorten. Sänger Samuel Englund probt die großen Posen, hält sich – passend zu den Texten um Tod und Verzweiflung – immer wieder in vermeintlich suizidaler Absicht eine aus seinen Fingern geformte Pistole an die Schläfe. Sehenswert sind auch die beiden Gitarristen: Ihr Gesichtsausdruck verrät, dass das wirklich anstrengend ist, was sie tun. Warum einer von ihnen jedoch nach dem zweiten Song seine Schuhe auszieht und auf Socken weiterspielt, bleibt sein Geheimnis. Vielleicht hat sich Kater ja davon abschrecken lassen. Katzen sollen ja ausgesprochen empfindliche Nasen haben. Übrigens scheint der Vierbeiner noch nicht mal ein großer Mäusefänger zu sein. Im Konzertsaal jedenfalls entdeckt der aufmerksame Besucher auf den Sitzrängen eine Falle für die kleinen Nager.

Weiter geht’s mit Soreption. Der Zuschauerzuspruch ist gut, auch mit dem Headbangen klappt es jetzt. Vielleicht schütteln einige der Anwesenden aber auch einfach nur aus Angst ihre Mähnen. Sänger Fredrik Söderberg ist nämlich eine wirklich bedrohliche Erscheinung. Ultraschneller Doublebass ist meistens Trumpf beim bärtigen Hünen und seinen Mannen, unterbrochen von ein, zwei dann doch äußerst melodischen Soli. Kater fehlt auch hier – aus Furcht, von Söderberg nebenher verspeist zu werden?

Kinder der Pilzwolke

Diabolical lassen schließlich nichts anbrennen und überraschen sogar mit einer kleinen Videoshow während ihrer Songs. Sie klingen nun tatsächlich zumindest im Ansatz „schwedisch“. Es darf auch mal gegroovt werden, die Riffs driften hier und da in langsame Asphyx-Gefilde ab. Das macht Spaß, zumal Frontmann „Widda“ Widgren mit teils deutschen Ansagen punktet. Die Band nutzt die Gelegenheit, um ihr bald erscheinendes Album „Neogenesis“ vorzustellen. Dieses Werk sollte keinen Fan von Bands wie Necrophobic oder Grave enttäuschen. Den regulären Set beendet der Fünfer mit dem superben „Children of the Mushroom Cloud“, einem Song, wie er in Zeiten eines durchdrehenden nordkoreanischen Diktators aktueller kaum sein könnte. Im Death Metal verpackte Sozialkritik hin oder her – Kater bleibt auch hier dem Gebotenen fern.

Alle schönen Dinge müssen einmal enden: Eine viertel Stunde vor 1 Uhr ist Zapfenstreich. Doch das nächste Blood Feast ist schon geplant. Am 25. Mai spielt mit Deadborn, Lifeless und Revel in Flesh die Speerspitze des derzeitigen Death Metal-Undergrounds in der Leonberger Beatbaracke. Als Anheizer sind die Tübinger von Agrace mit am Start.