Leonberg Der Nikolaus bringt zwei neue Wohngebiete

Von Arnold Einholz 

Mit einem symbolischen Spatenstich sind die Erschließungsarbeiten für das Baugebiet „Krähwinkel-Nord“ begonnen worden. In der kommenden Woche fällt dann der Startschuss für das große Neubaugebiet „Ezach III“ im Eltinger Westen.

Im Schneetreiben schwingen Gemeinderäte, Oberbürgermeister und der Tiefbauamtsleiter den Spaten im Baugebiet „Krähwinkel“. Foto: factum/Granville
Im Schneetreiben schwingen Gemeinderäte, Oberbürgermeister und der Tiefbauamtsleiter den Spaten im Baugebiet „Krähwinkel“. Foto: factum/Granville

Leonberg - Viele Möglichkeiten für eine bauliche Erweiterung der Stadt hat Leonberg außer im Ezach nicht mehr. Mit einem offiziellen Spatenstich hat nun nach fast genau elf Jahren seit der ersten Idee die Erschließung für das Baugebiet „Krähwinkel Nord“ begonnen. Neun neue Grundstücke und sechs, auf denen bereits Häuser stehen, werden ans Straßennetz angebunden. Die 600 bis 900 Quadratmeter großen Areale, die seither irgendwie erreichbar und an die Kanalisation angeschlossen waren, erhalten bis Juni 2013 reguläre Versorgungsleitungen. Und am kommenden Dienstag folgt das Baugebiet Ezach III. Damit erschließt die Stadt im großen Stil neues Bauland, auch um Abwanderern ins Umland und jungen Familien eine attraktive Alternative zu bieten.

Es war ein kühner Bebauungsplan, der im November 2011 vorgelegt wurde – drei „Adlerhorste“ sollten im Gebiet „Krähwinkel“ geschaffen werden. Durch tiefe Täler getrennt, ragen drei Hangvorsprünge in die Landschaft, wie Adlerhorste eben. Von 1999 an verlief die Autobahn nicht mehr vor der Tür der Häuser am Südhang des Engelbergs. Die bis dahin dem Lärm ausgesetzten östlichen Hänge der alten Autobahntrasse mit den riesigen Grundstücken waren plötzlich Gold wert, weil sie nun in fast paradiesischer Stille liegen.

So einfach ließ sich das Gebiet aber nicht veredeln. „Planen und bauen im Bestand hat seine Tücken“, musste der OB Bernhard Schuler feststellen. Aber auch neue Baugebiete auf den Weg zu bringen, ist nicht immer leicht – dafür gibt es genug Beispiele. Etwa gleich um die Ecke des Krähwinkels in den Kirschgärten. Trotz Protesten aus der Bürgerschaft wurden 2006 die Kirschgärten an die ING Real Estate in Frankfurt als Investor und Bauträger verkauft – sieben „Stadthausvillen“ mit insgesamt 30 Wohnungenen sollten entstehen. Doch die Interessenten blieben aus. Dann stieg vor zwei Jahren die Firma „Wilma Wohnen“ ein und baut jetzt fleißig.

Auch in Höfingen im Gebiet „Goldäcker“, wo die letzten Kettenhäuser entstehen, gab es Zoff. Lange wehrte sich der Ortschaftsrat dagegen, denn die Lokalpolitiker wollten die Fläche für eine Erweiterung der örtlichen Schule vorhalten. So reibungslos wie im Neubaugebiet „Ob dem Mühlweg“ in Gebersheim werden Bebauungspläne nur selten umgesetzt. Auch im jüngst erschlossenen Areal „Hinter Erlen“ in Warmbronn gab es Proteste von Anwohnern.

Die Bebauung in dem Krähwinkel- Areal östlich der alten Autobahn ist ziemlich wild, zumal sich hier nach dem Zweiten Weltkrieg viele Stuttgarter, deren Haus durch Bombenangriffe zerstört worden war, eine neue Bleibe bauten. Dieses Gebiet systematisch zu planen und zu erschließen, daran dachte damals niemand. Lange Jahre störte es keinen, dass die Zufahrten oft schlechter als Feldwege waren. Hauptsache man erreichte sein Haus und Grundstück.

Doch mit der Aufwertung des Gebietes, wurden Begehrlichkeiten wach. Es drohte eine noch ungeordnetere Entwicklung. Ohne einen Bebauungsplan hätte ein Bauantrag genügt, um auf jedem Grundstück unabänderliche Tatsachen zu schaffen. Vorsichtshalber verhängte der Gemeinderat eine Veränderungssperre. „Bei der Bürgerbeteiligung wurde schnell deutlich, dass viele Anwohner das Konzept der drei Adlerhorste nicht mittragen“, sagte Schuler. Denn mit richtigen Straßen und einer geordneten Abwasserentsorgung kommen auf die Anrainer Erschließungskosten zu, Daraufhin wurde der Bebauungsplan mit den drei „Adlerhorsten“ zu den Akten gelegt und das gesamte Gebiet in die drei Bebauungspläne Krähwinkel Nord, Süd und Mitte gesplittet.

Trotzdem zogen einige Grundstückseigentümer vor den Kadi. In einem Fall war sogar der Petitionsausschuss des Landtags vor Ort, dem damals der Grünen-Landtagsabgeordnete und heutige Stuttgarter Verwaltungsbürgermeister Werner Wölfle vorstand. Der Beschwerdeführer wollte ein zweites Baufenster auf seinem Grundstück an anderer Stelle haben, als im Plan vorgesehen. Doch die Pläne hielten allen Anfechtungen stand, alle Rechtsverfahren wurden zu Gunsten der Stadt entschieden.

„Nun ist Krähwinkel-Nord auf den Weg gebracht und das auch dank des Gemeinderates, der durchgehalten und vor allem die Linie gehalten hat“, sagte Schuler erfreut. Der Bebauungsplan „Krähwinkel Süd“ werde voraussichtlich 2013 an den Start gehen. Wann „Krähwinkel Mitte“ folgen werde, stehe noch in der Sternen, musste der Oberbürgermeister bekennen.




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