Leonberg Der schönste renovierte Pool der Welt

Von Ulrike Otto 

Das Büro „4a Architekten“ gewinnt einen Branchenpreis für das sanierte Hallenbad.

Für knapp elf Millionen Euro wurde das Sportzentrum samt Hallenbad saniert, seit Januar 2014 ist es offen. Nun gab es einen Architektenpreis für das Projekt. Foto: factum/Granville
Für knapp elf Millionen Euro wurde das Sportzentrum samt Hallenbad saniert, seit Januar 2014 ist es offen. Nun gab es einen Architektenpreis für das Projekt. Foto: factum/Granville

Leonberg - Was ist nicht in Leonberg über die Frage gestritten worden, ob das Hallenbad samt Sportzentrum abgerissen und neu gebaut oder doch saniert werden soll. Der Gemeinderat war gespalten, am Ende entschieden die Bürger: Das Bad wurde saniert. Wer hätte da gedacht, dass das Betonbauwerk aus den 70er Jahren mit der beige-braunen Decke einmal einen Preis als schönstes renoviertes Hallenbad der Welt bekommt?

So geschehen kürzlich am Rande der international besuchten Branchenmesse „Pool Visions“ in Lyon (Frankreich). Aus gut einem Dutzend Bewerber hat die Fachjury das Projekt des Stuttgarter Büros „4a Architekten“ ausgewählt und mit dem ersten Platz in einer der fünf Hauptkategorien bedacht. Der „Pool Vision Award“ wird jedes Jahr vom französischen Unternehmen Piscine Global und der Archi Europe Group vergeben, unter anderem auch in den Kategorien schönstes öffentliches Bad, schönstes privates Bad, innovativster Pool und schönstes Tourismus- und Freizeitbad.

Lob für das Spiel mit Licht und Farbe

„Diese Auszeichnung bestätigt, dass wir eine gelungene Sanierung durchgeführt haben, die sich sehen lassen kann“, freut sich der Leonberger Oberbürgermeister Bernhard Schuler. „Für uns ist solch ein Preis eine sehr gute Rückmeldung, dass wir es richtig gemacht haben“, sagt Martin Reimer, einer der Geschäftsführer von­ „4a Architekten“ und Projektleiter der elf Millionen Euro teuren Sanierung.

Eine offizielle Begründung der Jury steht noch aus, dennoch habe er Gesprächen am Rande der Messe entnommen, was den Juroren gefallen hat: „Es ging dabei einerseits um das Spiel von alten Materialien mit neuen Farben, etwa bei der Deckengestaltung, aber auch um das Zusammenspiel von Licht und der Glasfassade“, berichtet Reimer. Denn statt braun-beige-grau dominiert nun blau-grün-gelb.

Die 70er-Jahre-Optik war nicht mehr zeitgemäß

Den Architekten mussten dabei gleich mehrere Dinge gelingen: So sollte die Sporthalle und das Hallenbad, die aus den 70er Jahren stammen, auf den aktuellen Stand der Technik gebracht sowie energetisch saniert werden. Und das möglichst so, dass das in die Jahre gekommene Bad für die Leonberger wieder attraktiv ist und sie sich dort wohl fühlen.

Dies hat geklappt, findet auch der OB. Die schon immer vorhandene, qualitativ hochwertige Architektur des Gebäudes sei durch die Sanierung in neuem Glanz erstrahlt. „Es ist zudem gelungen, die Wohlfühlqualität im Hallenbad deutlich zu unterstreichen und mit dem neu entstandenen Kassenbereich die Kundenfreundlichkeit zu erhöhen“, sagt Schuler.

Info: Das Leonberger Hallenbad

Finanzierung
Das Hallenbad samt Sportzentrum und Sauna wurde am 24. Mai 1974 eröffnet. Um die geschätzten 20 Millionen Mark Kosten aufzubringen, entschloss sich die Stadt 1972, Teile des Golfplatzes zu verkaufen, nachdem der Golfclub nach Mönsheim umgezogen war. Das Gelände ging für 16,4 Millionen Mark an einen Bauträger. Der ging allerdings in Konkurs und die Stadt kaufte es sehr günstig zurück. Der Gemeinderat gelobte, es nie mehr zu bebauen. Diese „Nie“ hielt bis 2006, als das heute besiedelte Gelände wieder verkauft wurde.

Sanierung
Im Jahr 2011 wurde das Hallenbad wegen technischer Mängel geschlossen. Am 25. März 2012 votierte die Mehrheit der Leonberger in einem Bürgerentscheid für die Sanierung des Sportzentrums mit Hallenbad und gegen einen Neubau. Für den Neubau hatten 18 gegen 17 Gemeinderäte gestimmt – gegen den Willen der Verwaltung.

Bürgerbegehren
In großen Teilen der Bürgerschaft stieß dieses Votum auf Missfallen und schnell war die Zahl von 2500 Unterschriften erreicht, um ein Bürgerbegehren einzuleiten. Fast 32 Prozent der 34 116 abstimmungsberechtigten Leonberger wollten das technisch marode Sportzen­trum samt Hallenbad sanieren. Das notwendige Quorum von 25 Prozent, das genügt hätte, um den Abrissbeschluss des Gemeinderates einzukassieren, war dabei mehr als erfüllt worden. Die Wahlbeteiligung lag bei fast 40 Prozent. Von denen, die zur Abstimmung gegangen sind, haben rund 80 Prozent für die Sanierung gestimmt. Diese dauerte dann bis Anfang 2014 und kostete die Stadt Leonberg fast zwölf Millionen Euro.




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