Leonberg Der Seehaus-Chef geht stiften

Von Ulrike Otto 

Der Leiter des Seehauses, Tobias Merckle, hat die Stiftung Hoffnungsträger gegründet. Diese will soziale Projekte in aller Welt unterstützen.

Vom Seehaus aus werden künftig soziale Projekte in aller Welt unterstützt. Foto: dpa
Vom Seehaus aus werden künftig soziale Projekte in aller Welt unterstützt. Foto: dpa

Leonberg - Jeder kennt den Ausdruck ,stiften gehen’. Im Zusammenhang mit einer Vollzugseinrichtung ist er vielleicht etwas ungünstig“, sagte Regierungspräsident Johannes Schmalzl am Freitagnachmittag im Seehaus und erntete Gelächter. „Die Stiftung Hoffnungsträger ist jedoch etwas sehr Positives“, ergänzte der Chef des Regierungspräsidiums Stuttgart und überreichte Tobias Merckle die Stiftungsurkunde. Der Leiter des Strafvollzugs in offenen Formen im Seehaus will mit Hoffnungsträger künftig weltweit soziale Projekte unterstützen.

Merckle engagiert sich seit Längerem in der Organisation Prison Fellowship International, die weltweit Projekte in Gefängnissen und für straffällig gewordene Menschen betreut. „Die Idee ist über Jahre hinweg gewachsen durch die Zusammenarbeit mit Prison Fellowship. Aber ich sehe auch anderswo die Nöte“, nannte der Seehaus-Leiter seine Beweggründe. „Ich sehe auch, wie unsere Jungs hier aufgewachsen sind. Deshalb ist Prävention wichtig, dass es erst gar nicht so weit kommt, das jemand straffällig wird“, ergänzte Merckle. So bemüht sich eines der ersten Projekte, die von der Stiftung künftig unterstützt werden, um einen sozialen Brennpunkt in Stadtallendorf in Hessen. Dort soll eine Kirche, die als Gotteshaus aufgegeben wird, zum sozialen Mittelpunkt im Problemstadtteil werden. „Mein Opa hat immer gesagt, man muss in die Dunkelkammer gehen. Nur dort wird aus einem Negativ ein Positiv“, sagte Thorsten Riewesell, der das Projekt vorstellte.

Kleine Lichter finden, wo sonst nur Schatten herrscht – so ließe sich das Ziel der Stiftung überschreiben. „Unsere Zielgruppe sind vor allem Menschen, die schwierige Ausgangsvoraussetzungen haben, die Hoffnung an falschen Orten gesucht und sich in Kriminalität oder Süchte geflüchtet haben, Menschen, die zu Opfern oder Tätern geworden sind und Menschen aus Regionen, in denen Armut und Gewalt an der Tagesordnung sind“, erläuterte Merckle. Diese Menschen erhielten Hilfe zur Selbsthilfe. Etwa bei einem Versöhnungsprojekt in Kolumbien, wo ehemalige Guerilla-Kämpfer Dörfer wieder aufbauen, aus denen die Bevölkerung grausam vertrieben worden war. Oder in Form von Mikrokrediten für entlassene Straftäter in Asien oder Afrika, die – sozial geächtet – weder eine Anstellung finden noch einen Kredit bekommen. Oder wie bei einem Doppelmörder aus Indien, der geläutert aus dem Gefängnis kam und sich mit seiner Frau um die Kinder anderer Gefängnisinsassen kümmert.

„Viele dieser Menschen haben schon etwas auf dem Kerbholz, doch jeder hat das Potenzial, ein Hoffnungsträger zu sein“, sagte der Seehaus-Chef, der auch vorsitzender Stiftungsrat ist. „Jeder Hoffnungsträger ist es wert, entdeckt zu werden“, ergänzte der Stiftungsvorstand Marcus Witzke. Die Initiative sieht sich selbst auch als Multiplikatorenstiftung, die andere anregen will, in Projekte zu investieren. „Wir haben einige Netzwerke, da wissen wir, dass die Hilfe ankommt“, sagte Tobias Merckle. So arbeitet die Stiftung etwa bei den Mikrokrediten mit der Organisation World Vision zusammen. Die ersten Spender waren auch schon gefunden. Die Commerzbank überreichte einen Schenk über 2000 Euro, die Beck Management Center GmbH spendete 1000 Euro.




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