Leonberg Der steile Aufstieg zum Ja-Wort

Von Dietmar Winter 

Premiere: Auf dem unbeheizten Engelbergturm findet zum ersten Mal eine Trauung statt. Mit Wärmflaschen und Fleecedecken ist es für die Hochzeitsgäste dennoch auszuhalten.

Ohne Schleppe lässt sich der Engelbergturm leicht erklimmen. Foto: factum/Granville
Ohne Schleppe lässt sich der Engelbergturm leicht erklimmen. Foto: factum/Granville

Leonberg - Tina und Marco Weissohn sind die Ersten, die sich im Leonberger Engelbergturm das Ja-Wort gaben. Die beiden Münchener sind extra aus der bayrischen Metropole angereist, um im 35 Meter hohen Aussichtsturm getraut zu werden. Seit das Leonberger Wahrzeichen aus Brandschutzgründen saniert wurde, ist er auch für diesen besonderen Zweck freigegeben.

Jürgen Beck vom Leonberger Ordnungsamt war überrascht, als ihn die Anfrage für den Januar erreichte: „Ich hätte gewettet, dass die erste Hochzeit im Engelbergturm erst im Sommer 2017 sein wird“, gibt der Standesbeamte zu, denn der Turm sei nicht beheizbar. „Wir haben uns einfach in diesen Turm verliebt und wollten nicht länger warten“, schwärmt die Braut, deren Eltern in Leonberg wohnen. Damit die zwölf Hochzeitsgäste nicht frieren mussten, hat das Paar Wärmflaschen und Fleecedecken hinaufgeschafft. Weil sich aber die Sonne von ihrer besten Seite zeigt, ist nicht nur die Aussicht auf die schneebedeckte Umgebung hervorragend, sondern auch die Temperatur in der Aussichtsplattform zu ertragen.

Auch Mobiliar ist Mangelware im Turm

Aber im Engelbergturm fehlt nicht nur die Heizung, auch Stühle und Tische gibt es hier keine. „Er ist faktisch leer. Ein Stuhllager würde eine Brandlast bedeuten“, erklärt Jürgen Beck. So musste das Paar eine Firma zur Bestuhlung des ehemaligen Wasserturms beauftragen. Und eine hervorstehende Stahlkonstruktion inmitten der höchsten Stelle Leonbergs hatte Tina Weissohn kurzerhand durch eine runde Holzplatte vom Baumarkt zum Trautisch umfunktioniert.

Für die beiden aktiven Marathonläufer sind die 123 Stufen hinauf zur Aussichtsplattform keine wirkliche Herausforderung. Die zwölf Gäste gehen daher gerne voraus, um vor der standesamtlichen Zeremonie noch einmal richtig durchatmen zu können.

Ein besonderer Ort für einen besonderen Tag

Doch all dieser zusätzliche Aufwand ist für das Brautpaar und seine Liebe zum Engelbergturm kein Hindernis. „Immer wenn wir hier einige Tage zu Besuch sind, joggen wir morgens am Turm vorbei“, sagt der 33-jährige Bräutigam und grinst dabei. Die Idee, sich auf dem Leonberger Wahrzeichen das Ja-Wort zu geben, hatte zuerst seine frisch Angetraute. „Wir wollten einen besonderen Ort für diesen besonderen Moment haben. Als ich davon erfuhr, wusste ich: Hier will ich heiraten“, bemerkt die 29-Jährige strahlend. Sie ist in Stuttgart-Vaihingen aufgewachsen und später mit ihren Eltern nach Leonberg gezogen. „Ich war sofort von ihrem Vorschlag begeistert“, erinnert sich der Bräutigam. Er stammt aus Frankfurt und ist in Karlsruhe aufgewachsen. „Wenn wir nun unsere Verwandten in Karlsruhe oder Leonberg besuchen kommen, werden wir schon von Weitem durch den Turm an unseren Hochzeitstag erinnert“, freut sich das junge Ehepaar.




Veranstaltungen