Leonberg Der Traum vom eigenen Buch wird wahr

Von Henning Maak 

Klaus Nowotzin, Schulleiter am Albert-Schweitzer-Gymnasium, schreibt während seiner Auszeit auf einer friesischen Insel vor 15 Jahren einen autobiografischen Roman.

Klaus Nowotzin hat ein Buch geschrieben. Foto: Maak
Klaus Nowotzin hat ein Buch geschrieben. Foto: Maak

Leonberg - Klaus Nowotzin geht mit seiner beruflichen Eitelkeit ganz offen um: „Jeder Germanist träumt davon, einmal ein Buch zu schreiben, das nicht unter die Rubrik Fachliteratur fällt“, gibt der Schulleiter des Albert-Schweitzer-Gymnasiums unumwunden zu. Bei ihm liegt der Kreativprozess gut 15 Jahre zurück. Doch erst, nachdem er sein Amt als stellvertretender Vorsitzender des baden-württembergischen Philologenverbandes aufgegeben hat, fand er die Zeit, seinen autobiografischen Roman „Insel der Auszeit“ zu überarbeiten und im Eigenverlag zu veröffentlichen. „Er ist ein bisschen abgehangen wie ein guter Schinken“, sagt der 62-Jährige verschmitzt lächelnd.

Ein Fall für Mona Lisa im ZDF

Klaus Nowotzin ist in der Schullandschaft des Altkreises ein wohl bekanntes Gesicht. Nach Stationen in Heilbronn, Öhringen, Schwäbisch Gmünd, Ellwangen und Markgröningen war er von 2003 an sechs Jahre lang Abteilungsleiter am Gymnasium Rutesheim, seit 2009 ist er Schulleiter am Albert-Schweitzer-Gymnasium in Leonberg. Doch nur ein kleiner Kreis weiß, dass der 62-Jährige sich zwischen 1999 und 2003 eine vierjährige Auszeit genommen hat und mit seiner Frau und seinen zwei Kindern auf einer friesischen Insel gelebt hat.

Der Grund dafür war seine Frau, die eine eigene Kinderarztpraxis in Stuttgart betrieben hatte und nach der Geburt der Tochter in Elternzeit gegangen war. Klaus Nowotzin weiß es noch ganz genau: „Wir lagen damals im Grünen, und meine Frau ist auf eine Anzeige im Ärzteblatt gestoßen, in der eine Stelle in einer Mutter-Kind-Kurklinik ausgeschrieben war“, erinnert er sich. Gereizt habe sie vor allem die Aussicht, das Haus mit einem interdisziplinären Team leiten zu können, das habe sie als Einzelkämpferin in der Praxis oft vermisst.

Im Winter 1999 zog die Familie auf die Insel. Während die Frau in der Klinik arbeitete, kümmerte sich Klaus Nowotzin um Haushalt und Kinder. „Vormittags habe ich aufgeräumt, geputzt und gekocht und am Nachmittag die Kinder bespaßt, wenn sie aus der Kita nach Hause kamen“, erzählt er. Nebenbei fand er die Zeit zum Schreiben. Hilfreich dabei war, dass Nowotzin „schon immer ein Frühaufsteher war“, wie er sagt. Nebenbei musste Klaus Nowotzin noch einen Kampf in Sachen Gleichberechtigung ausfechten. „Die Kultusverwaltung wollte mir Elternzeit nur bis zum dritten Geburtstag meines Sohnes gewähren und drohte an, mich ansonsten eine Besoldungsstufe tiefer einzustufen“, berichtet Nowotzin. Dagegen klagte er vor Gericht in zwei Instanzen erfolgreich. „Wir wollten, dass während der ersten zehn Jahre im Leben unserer Kinder immer mindestens ein Elternteil zu Hause ist.“ Sein Fall brachte ihm sogar den Besuch eines ZDF-Fernsehteams der Sendung Mona Lisa ein. „Vor 15 Jahren haben nur zwei Prozent der Väter die Möglichkeit von Elternzeit wahrgenommen“, erläutert der Pädagoge. Auch den Bau des Familienheimes in Flacht organisierte die Familie von der Insel aus.

Seine Erlebnisse in den knapp viereinhalb Jahren hat Nowotzin in seinem Buch verarbeitet. „Ich nenne die Orte nicht und habe die Namen erfunden. Aber alles, was der Protagonist Hermann in dem Buch erlebt, ist tatsächlich passiert“, erklärt der Schulleiter sein Werk. Schon der Umzug mit fünf Schiffscontainern ist abenteuerlich, empfangen werden sie von einer Sturmflut. Das zugesagte großzügige Haus ist nicht fertig renoviert, stattdessen wird eine heruntergekommene Drei-Zimmer-Wohnung zur ersten Bleibe.

Blick auf das damalige Zeitgeschehen

Doch die Familie arrangiert sich mit dem Leben auf der kleinen autofreien Insel, auf der gerade einmal 1300 Menschen leben, aber 10 000 Betten auf Gäste warten. Fahrrad und Bollerwagen werden zum neuen Fortbewegungsmittel des leidenschaftlichen Autofahrers Hermann. Der Schreck fährt ihm in die Glieder, als seine Tochter mit dem Fahrrad so schwer verunglückt, dass sie ausgeflogen werden muss, weil es auf der Insel nur eine begrenzte medizinische Versorgung gibt.

Der Roman bietet auch einen Blick auf das Zeitgeschehen von damals: Von den Anschlägen des 11. September erfährt Hermann beim Bügeln, er investiert Aktien in Geschäfte am Neuen Markt und Big Brother bietet eine neue Art der Fernsehunterhaltung. Der Protagonist wandelt aber auch auf den Pfaden von Heine und Fontane, die beide ihre Spuren auf der Insel hinterlassen haben. Und es bleibt Zeit für Urlaube von der Familie, die Hermann nach Weimar, die Kultur-Hauptstadt Europas von 1999, zur Expo nach Hannover und zum Klassentreffen nach Bayern führen.

Das Buch: Der autobiografische Roman „Insel der Auszeit“ umfasst 378 Seiten und kostet 17,50 Euro. Grafisch gestaltet und illustriert wurde das Buch von Frank Albrecht, dem Gemeinderat der Salz-Fraktion. Erhältlich ist es in Buchhandlungen, über Amazon oder im INternet unter www.bod.de