Leonberg Der Wettergott steht auf Weiß

Etwa 100 Bewohner des Samariterstifts lassen sich im Hof bei Wein und Musik verwöhnen. Auch für die Mitarbeiter und Gäste ist es ein tolles Fest. Foto:  
Etwa 100 Bewohner des Samariterstifts lassen sich im Hof bei Wein und Musik verwöhnen. Auch für die Mitarbeiter und Gäste ist es ein tolles Fest. Foto:  

180 Bewohner, Mitarbeiter und Nachbarn des Samariterstifts feiern beim ersten White Dinner der Stadt. Bei Musik, Tanz, gutem Essen und Wein bietet sich den Senioren eine ganz neue Möglichkeit, mit anderen in Kontakt zu kommen.

Leonberg - Der Wettergott scheint eine Farbe besonders zu mögen: Weiß. Anders ist es nicht zu erklären, dass allein am Samstag, dem Tag des White Dinner im Samariterstift und der Kunstparty in Weiß in der Galerie 116, die Sonne schien und die Regenwolken von dannen gezogen waren. „Bei der heutigen Sintflut kann man sehr dankbar sein für das Wetterglück des ges­trigen Abends“, resümiert die Leiterin des Samariterstifts in der Seestraße, Irmgard Vogel, am Sonntag. „Unsere Bewohnerinnen sind heute früh noch ganz im Glück.“

Die Premiere des Dinners in Weiß in Leonberg ist geglückt. Daran haben Vogel und ihre Mitarbeiter hart gearbeitet. Der Hof des Pflegeheims ist am Samstagabend ist ein sanftes Licht getaucht. Lichtschläuche sind um die Geländer gewickelt, Windlichter zwischen den Pflanzen und kleine Kerzen auf den Tischen verteilt. Über die Tische sind weiße Tischdecken gebreitet. Die rund 100 Bewohner des Samariterstifts, ihre Pfleger und die etwa 80 Gäste haben sich dem Motto gemäß fast gänzlich in die Farbe des Tages gehüllt: Hosen, Blusen und Hemden, Kleider und Röcke, ja sogar Hüte in Weiß.

Was jedoch nicht immer ganz einfach zu bewerkstelligen ist. „Ich hatte keine einzige weiße Hose. Aber ich kenne jemanden, der beim Arzt arbeitet, und habe da eine bekommen“, erzählt Brigitte Schallon. Wäre da nicht der natürliche Feind heller Kleidung: der Rotwein. „Meine Freundin Renate hat einen Witz gemacht, und ich musste einfach lachen“, sagt die Leonbergerin und deutet auf die roten Flecken – auf ihrer Hose und der Tischdecke.

Nicht ganz mit einem Paukenschlag, dafür aber mit einer rhythmischen Einlage der Trommlergruppe Weissach beginnt das erste White Dinner in Leonberg. „Die Idee kommt aus Frankreich. Wo auch sonst sollte so was erfunden werden“, meint Hausleiterin Irmgard Vogel. „So ein Picknick im Garten an den schönen weißen Tischen mit der Familie, mit Freunden und Nachbarn und den Menschen aus der Stadt Leonberg schafft ganz neue Begegnungsmöglichkeiten“, fügt sie freudig hinzu.

Einige Nachbarn sind samt Kind und Kegel gekommen, andere nutzen die Gelegenheit, einen schönen Abend mit ihren Verwandten zu verbringen, die im Pflegeheim oder dem betreuten Wohnen leben. Und die Senioren selbst? Die genießen es sehr. Die Lieder, die das Duo FL² spielt, werden mitgesungen, mehr und mehr Paare nutzen den Gehweg als Tanzfläche. „Ich war zwar erst skeptisch, aber es hat mir sehr gut gefallen“, meint Helmut Bader, ein Bewohner. Evelyn Rüder hat den Abend mit ihrer Mutter Annerose verbracht.

„Ich finde es richtig toll. Das Wetter und die Musik tragen auch viel dazu bei“, meint sie. Natürlich auch das Essen. Für die Bewohner gibt es unter anderem Zwiebel­kuchen, Schinkenhörnchen, Obstspieße oder einen Trollinger. Die Gäste von „außerhalb“ dagegen bringen ihre Verpflegung selbst mit. Die frühere Erste Bürgermeisterin Inge Horn etwa hat gleich einen großen Picknickkorb gepackt. „Es gibt italienische Antipasti, Landbrot und natürlich Prosecco“, zählt sie auf. Sie ist für die Stiftung „Zeit für Menschen“ hier, die die Veranstaltung unterstützt: „Es ist schön zu sehen, wie viel Spaß die Bewohner haben. Sie haben alle so gestrahlt.“

So etwas wie das White Dinner könne man gern wieder machen. „Eine Premiere ist immer schwierig. Aber das Wort besagt ja schon, dass es eben nur der Auftakt war“, meint Horn. Gegen 21 Uhr klingt der Abend dann langsam aus. „Sie können gern noch bleiben, aber wir müssen etwas leiser sein“, sagt Irmgard Vogel. Einige Bewohner wollten jetzt schon schlafen. Weiße Schäfchen müssen sie nach diesem ereignisreichen Tag aber wohl nicht mehr zählen . . .




Unsere Empfehlung für Sie