Leonberg: Die Geschichte der Täufer-Johannes-Kirche Erbaut mit Frondiensten und schwäbischer Sparsamkeit

So hat die Kirche im Jahr 1950 ausgesehen. Foto: Evangelische Kirchengemeinde Warmbronn
So hat die Kirche im Jahr 1950 ausgesehen. Foto: Evangelische Kirchengemeinde Warmbronn

Die Täufer-Johannes-Kirche aus dem Jahr 1784 hat einen berühmten Baumeister: Wilhelm Friedrich Goez.

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Leonberg - Rund 300 Jahre hatte das Vorgängermodell der Täufer-Johannes-Kirche, die unter dem Namen St. Johann Baptist in Warmbronn bekannt war, auf dem Buckel, als der Baumeister des württembergischen Kirchenrats, Friedrich Goez, im Jahr 1772 anordnete, dass der Turm wegen Einsturzgefahr abgebrochen werden müsse. Zwei Jahre später überbrachte Goez die noch größere Hiobsbotschaft, dass nunmehr die ganze Kirche abgerissen werden müsse.

Dies stellte die Bürgerschaft und die Räte vor ein Dilemma, denn wegen der Armut im Ort konnten die Warmbronner ohne Zuschüsse nicht bauen. Auch ausschließlich Fronarbeit für den Kirchenbau wäre nicht möglich gewesen, denn dann hätten die Bürger nebenher keine Zeit mehr gehabt, Geld für den Kirchenbau zu verdienen. Schließlich wurde ein Finanzierungsplan aufgestellt im Vertrauen darauf, dass „der liebe Gott gutte Zeiten schicke“ wie es in den Beiträgen zur Stadtgeschichte heißt.

Das letzte Problem ist die Orgel

1700 Gulden brachte die Gemeinde damals auf, unter anderem aus den Kollekten vergangener Jahre und dem Verkauf des Widdumhofes. Der Finanzplan überzeugte die weltliche und geistliche Obrigkeit, es konnte gebaut werden. Allerdings musste zunächst der Friedhof verlegt werden, der rund um die Kirche angelegt war. Ein neuer Friedhof wurde an der Straße nach Leonberg nahe dem Maisgraben angelegt, dann konnte das Fundament gelegt werden.

Am Ende kostete der Neubau summa summarum 5004 Gulden, über die der Schultheiß Johann Georg Weiß in seiner Funktion als Kirchenbauaufseher auf Heller und Kreuzer genau Rechenschaft ablegte. Der Arbeitslohn für die Maurer und Steinhauer betrug rund 930 Gulden. Die Steine wurden zum Teil aus einem 1783 neu in Fronarbeit erschlossenen Steinbruch geholt. Als dieser im Sommer 1784 nicht mehr ausreichte, waren die Warmbronner gezwungen, große Mauersteine im Wald brechen zu lassen und auf 900 Wagen ins Dorf zu schaffen.

Zeugnis hoher Zimmermannskunst

Die Arbeit der Zimmerer schlug mit rund 620 Gulden zu Buche, deutlich teurer waren die Materialien mit knapp 980 Gulden. Das schlechte Holz der abgebrochenen Kirche war als Bauholz nicht zu verwenden, wurde jedoch als Abfallholz versteigert. Neu verarbeitet wurden 86 Eichen und 18 Tannen, die zum Teil von Nachbarorten gespendet wurden. Dennoch musste für 600 Gulden Tannenholz hinzugekauft werden.

Als größeres Hindernis erwies sich zuletzt noch die alte Orgel. Eine Untersuchung ergab, dass sie in der neuen Kirche sehr schwach klingen würde. Zwei neue Register hätten jedoch 200 Gulden gekostet und damit den Voranschlag für die Orgelreparatur weit überschritten.

Es war ein glücklicher Zufall, dass der Orgelmacher Jacob Weinmar 1784 für die Mundelsheimer Kirche eine neue Orgel baute und die alte dort entbehrlich war. Die Warmbronner bekamen sie für etwas mehr als 100 Gulden. Schultheiß Weiß vermerkte in seinem Schlussbericht, dass der Bau „unter dem Beystand Gottes und ohne einiges Unglück und Schaden vollkommen hergestellt“ worden sei und die Bürgerschaft wegen dieses Bauwesens im Schnitt 153 Tage unter Frondiensten gestanden sei.

Einer der Gründe für die ärmlichen Verhältnisse zu der Zeit in Warmbronn war die despotische Regentschaft von Herzog Carl Eugen, der zum einen ein Luxusleben mit Opern, Hofjagden, Feuerwerken und Maskenfesten führte und sich zum anderen ein prachtvolles Bauprogramm – unter anderem mit dem Neuen Schloss in Stuttgart, Schloss Monrepos und Schloss Solitude – auf die Fahnen geschrieben hatte. So musste Warmbronn unter anderem Wein und Früchte nach Stuttgart abgeben, Brennholz für das Leonberger Schloss liefern und diverse „Wiesen in Büsnau und beim Eltinger Seehaus“ bewirtschaften.

Glück hatten die Warmbronner hingegen mit dem Kirchenrats-Baumeister Wilhelm Friedrich Goez, der zur damaligen Zeit zehn sogenannte Predigtsaalkirchen für evangelische Gottesdienste in Württemberg baute und sich den örtlichen Gegebenheiten oft anpasste. Neben der Täufer-Johannes-Kirche in Warmbronn schuf er auch die Peter-und-Paul-Kirche in Heimerdingen und die Johanneskirche in Rutesheim. Darüber hinaus sind die Pfarrhäuser in Eltingen (1773) und Rutesheim (1769) sowie in Kornwestheim (1771) seine Werke. Jürgen Ziegler von der gleichnamigen Zimmerei, der die Bausubstanz der Täufer-Johannes-Kirche untersucht hat, bescheinigt in einer Mail an Pfarrer Martin Trugenberger, dass der Dachstuhl „ein Zeugnis hoher Zimmermannskunst“ ist.




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