Am Dienstag wird mit den Bauarbeiten für die Schwitzkabinen im Hallenbad begonnen. Aus diesem Anlass blickt die LKZ noch einmal zurück auf die vielen Irrungen und Wirrungen, bis das Projekt politisch aufs Gleis gekommen ist.
Leonberg - Ohne großes Aufsehen oder gar einem ersten Spatenstich startet die Stadt mit einem Projekt, über das mehr als anderthalb Jahre diskutiert wurde. Am Dienstag nach Ostern rückt ein Bautrupp am Hallenbad an. Die Männer beginnen mit dem Bau einer neuen Sauna, die nach den Sommerferien eröffnen soll.
Geplant ist eine schöne Anlage, ein Mittelweg zwischen den großdimensionierten Mineralthermen in Böblingen und der kompakten Schwitzanlage in Ditzingen. Buchstäblich herausragend in der künftigen Sauna ist eine Kabine auf Stelzen, die im Volksmund schon jetzt Baumhaus-Sauna heißt. Sie steht im künftigen Garten jenseits der Eltinger Straße. Durch ein Panoramafenster haben die Gäste beim Schwitzen einen schönen Ausblick auf die Altstadt. Vier Regenduschen direkt unter dem Baumhaus sollen einen Hauch von Dschungelatmosphäre erzeugen.
Die Erfahrung anderer Anlagen lehrt: Draußen Schwitzen ist angesagt. Deshalb wird es in Leonberg eine weitere Außensauna für die Aufgüsse geben. Im Garten können sich die Gäste hier auf Liegen von den schweißtreibenden Kabinenbesuchen erholen. Im Innern sind ein Bio-Sauna, ein Dampfbad und ein speziell ausgewiesener Ruhebereich geplant. Eine richtige Gastronomie ist nicht vorgesehen. Doch eine Caféteria wird es geben. Der Zugang zur Sauna erfolgt durchs Hallenbad.
Das klingt alles eher unspektakulär. Selbst bauliche Gimmicks wie die Baumhaus-Sauna sind in der heutigen Freizeitarchitektur durchaus gängig. Doch es hätte nicht viel gefehlt, und das ganze Projekt wäre doch noch gescheitert. Wegen permanent gestiegener Kosten, nicht zuletzt verursacht durch deutliche Planungsfehler. Aber auch durch unterschiedliche Ansichten im Gemeinderat, ob es zu den Aufgaben einer Kommune gehört, eine Sauna zu betreiben. Ein Rückblick.
Anfang 2013
Nach dem Beschluss zur Sanierung des Hallenbades taucht die Frage auf, ob es künftig auch eine Sauna geben soll. Im bisherigen Hallenbad war eine Mini-Sauna mit nur einer Kabine, die angesichts der boomenden Wellness-Tempel in der Region kaum marktfähig war. Sehr schnell profiliert sich der im Januar 2013 gerade gewählte Baubürgermeister Klaus Brenner als Verfechter einer zeitgemäßeren Sauna. Auch der Stadtrat Wolfgang Schaal (FWV), als Gründer eines Bad-Design-Handels von Berufs wegen mit der Thematik gut vertraut, plädiert mit Nachdruck für Schwitzen in Leonberg.
Ein auf Sauna und Bäder spezialisiertes Architektenbüro aus Stuttgart wird beauftragt, mehrere Vorschläge zu machen.
Sommer 2013: Drei Varianten
Im Gemeinderat stellen die Planer Lösungen vor: den bisherigen Zustand, sprich eine Kabine und einige Liegen. Die mittlere Variante sieht zwei Saunakabinen, ein Dampfbad und einen Garten vor. Das Ganze wäre ebenerdig. Die qualitativ hochwertigste Variante ist eine Sauna auf zwei Etagen mit vier Kabinen, Dampfbad und eine Sonnenterrasse im Obergeschoss.
Da der Ist-Zustand wegen der nicht vorhandenen Marktfähigkeit von allen sofort ausgeschlossen wird, bewegt sich die Diskussion zwischen den beiden letzteren Varianten. In Geld ausgedrückt: zwischen 1,5 Millionen zwei Millionen Euro. Die zweigeschossige Lösung stößt zwar auf allgemeines Wohlwollen, doch die Mehrheit des Gemeinderates schreckt vor den Kosten zurück. Die mittlere Version für 1,5 Millionen Euro wird beschlossen.
Dezember 2013: Verzögerungen
Just zu Nikolaus gibt es Schreckensmeldungen rund ums Hallenbad. Aufgrund baulicher Probleme muss die für an Weihnachten geplante Eröffnung der Schwimmhalle um ein Vierteljahr verschoben werden. Und auch in Sachen Sauna kommt ein Schocker: Zwei Millionen Euro soll selbst die mittlere Variante jetzt kosten – 500 000 Euro teurer als ursprünglich geplant.
Die Architekten machen zwei Stahlbetonplatten im Erdreich dafür verantwortlich. Von deren Existenz hätte angeblich niemand etwas gewusst. Die Arbeiten würden somit deutlich schwieriger und auch teurer. Die Reaktionen bewegen sich zwischen Erstaunen, Ernüchterung und Ärger.
Januar 2014
Um die Kosten im Griff zu halten, präsentiert die Stadt neue Pläne. Statt drei soll es nur noch zwei Schwitzkabinen plus Dampfbad geben. Doch die Stadträte reagieren verärgert. Solch eine Minimalversion ist keinesfalls marktfähig, heißt es fraktionsübergreifend. Zumal der geplante Eintrittspreis mit 13 Euro angegeben wird. Zu viel für so wenig Leistung, befinden die Kommunalpolitiker. Die Planer müssen noch einmal ran.
Februar 2014: Die Baumhaus-Sauna
Die Architekten haben ihre Hausaufgaben gemacht. Sie präsentieren dem Gemeinderat ein Konzept mit drei Saunen, Dampfbad, Garten, Warmwasserbecken, Tauchbecken und ausreichenden Ruhezonen. Die Krönung des Ganzen ist die eingangs erwähnte Stelzensauna. Trotz der höheren Kosten von 2,5 Millionen Euro wird diese Variante im März mit einer übergroßen Mehrheit beschlossen.
Sommer 2014: Sorgen im Rat
Es gibt erste Anzeichen, dass sich die bis dahin gute Haushaltslage der Stadt verschlechtert. Außerdem ist von einer weiteren Kostensteigerung die Rede. In Ratskreisen werden Stimmen laut, die Pläne zu beerdigen oder zurückzustellen.
Oktober 2014: Sondersitzung
Die Kosten werden mittlerweile mit 2,7 Millionen Euro angegeben. Der Oberbürgermeister will es genau wissen. Trotz des bereits erfolgten Ratsbeschlusses lässt Bernhard Schuler erneut abstimmen. Diesmal hinter verschlossen Türen. Damit will der OB öffentliche Attacken gegen die Architekten vermeiden. Werden die doch vornehmlich für die stetig steigenden Kosten verantwortlich gemacht. Doch auch in der nichtöffentlichen Sitzung setzen sich die Anhänger der Sauna durch, die sie für eine große Chance halten. Der Plan einschließlich Baumhaus-Sauna bekommt eine klare Mehrheit. Das Projekt ist nun endgültig beschlossen.
Ostern 2015: Baubeginn
Nach den Feiertagen beginnt die Arbeit. Die Eröffnung der Saunalandschaft ist für den Herbst vorgesehen.