OB-Kandidaten zum Thema Verkehr Weniger Lastwagen und mehr Raum für Fußgänger

Von Henning Maak 

Die vier OB-Kandidaten haben unterschiedliche Ideen, wie das Verkehrsproblem gelöst werden kann.

Die Grabenstraße ist ein stetiger Stau-Schwerpunkt in Leonberg. Foto: Archiv/factum
Die Grabenstraße ist ein stetiger Stau-Schwerpunkt in Leonberg. Foto: Archiv/factum

Leonberg - Kurzfristige und langfristige Lösungen zum Leonberger Mega-Thema Verkehr wollte Moderator Thomas K. Slotwinski gleich zu Beginn der Diskussion von den OB-Kandidaten hören. Bau-bürgermeister Klaus Brenner kündigte an, zu Beginn des kommenden Jahres eine Verkehrszählung durchführen zu lassen, bevor die Sanierung des Engelbergtunnels beginne. Auch die Möglichkeit einer Umgehungsstraße würde er prüfen, „eventuell nördlich der Schiene, gebündelt mit der S-Bahn“. Die Idee des Altstadttunnels würde er auch nicht ganz abschreiben.

Kurzfristig würde Brenner die Themen Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) und Carsharing stärker angehen. „Man kann in Leonberg nicht flanieren, wir brauchen kürzere und attraktivere Wege für Fußgänger“, forderte Brenner.

Entlastung der Innenstadt

Auch Inge Horn würde als erste Amtshandlung die Verkehrszahlen in Leonberg erheben lassen. „Seinerzeit galt der Altstadttunnel als Lösung mit der höchsten Entlastungswirkung“, erinnerte sie die Zuhörer. Doch nach dem Bau der Umfahrungsstrecken Ditzingen/Hirschlanden einerseits und Rutesheim andererseits sei die Situation eine andere. „Die Innenstadt muss entlastet werden“, stellte Horn klar.

Kurzfristig setzt sie auf eine „intelligentere Verkehrssignalisierung“ und eine Verknüpfung der Verkehrsführung von Autobahn und Innenstadt. „Wir brauchen mehr Umleitungen um die Stadt herum, zum Teil auch auf Kosten der Nachbarkommunen“, erklärte die Kandidatin. Zudem wolle sie zusammen mit dem Regierungspräsidium ein LKW-Durchfahrtsverbot im Staufall durchsetzen. Und nicht zuletzt gelte es, die Stadtachse von Eltingen über das Leo-Center bis zum Marktplatz für Fußgänger und Radfahrer attraktiver zu gestalten.

Der Finanzbürgermeister Ulrich Vonderheid sieht kurzfristig zwei Möglichkeiten der Entlastung: Zum einen müsse man überlegen, ob man weiterhin Bussen bei der Ampelsteuerung Vorrang gewähren wolle. Zum anderen müsse man Regierungspräsidium und Polizei klarmachen, dass die Grabenstraße bei einem Stau auf der Autobahn nicht als Umleitungsstrecke herhalten könne, da sonst 30 000 statt der üblichen 17 000 Autos dort fahren würden.

Langfristig würde Vonderheid bei Bund und Land darauf drängen, auch nach den neuen Spuren auf der A 8 und der A 81 den Ausbau von Straßen nicht zu stoppen. „Dieses Problem ist beim Verband Region Stuttgart noch nicht angekommen, da stehen wir angesichts der Planungszeiträume noch vor der Startlinie“, meinte er.

Streit um Rudersberger Projekt

Der amtierende Rudersberger Bürgermeister Martin Kaufmann setzt auf intelligentere Verkehrsleitsysteme, für die der Bund eine Milliarde Euro bereitgestellt habe. „Wir dürfen nicht der Steigbügelhalter für Stuttgarts Lebensqualität sein“, rief er. Dank aktueller Gerichtsurteile sieht er zudem gute Chancen, die LKW-Umleitungsstrecke durch Leonberg zu kippen. Kaufmann nannte die von ihm umgesetzte neue Ortsdurchfahrt von Rudersberg als „Leuchtturm-Projekt“, mit dem er bewiesen habe, dass er beim Regierungspräsidium Druck aufbauen könne.

Dies provozierte den Widerspruch von Inge Horn, die daran erinnerte, dass das Projekt das Ergebnis eines abgelehnten Bürgerentscheids gewesen sei. Zudem könne man es nicht mit der Größe und Komplexität von Leonberg vergleichen, wo man auf Wirtschaft und Handel Rücksicht nehmen müsse. Dem entgegnete Kaufmann, es gehe nicht um die Größe, sondern darum, dass er ein zweigeteiltes Rudersberg geeint habe und dem Regierungspräsidium gegenüber Durchschlagskraft gezeigt habe.