Leonberg Ein Künstler kämpft bis zuletzt um zehn dicke Bäume

Viele alte Bäume mussten wegen S 21 weichen. Foto: dapd
Viele alte Bäume mussten wegen S 21 weichen. Foto: dapd

Michael Lange kämpft um ein Projekt, das ihm besonders am Herzen liegt: ein Kunstwerk, das aus zehn Bäumen besteht, die vor fünf Jahren für Stuttgart 21 gefällt wurden. Ob er es realisieren kann, entscheidet sich am heutigen Dienstag.

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Leonberg - Kontakte mit Verwaltungsleuten und Politikern sind für Künstler eher die Ausnahme. Michael Lange hatte in den vergangenen Wochen besonders viele davon. Kämpft doch der Bildhauer um ein Projekt, das ihm, wie er sagt, besonders am Herzen liegt: ein Kunstwerk, das aus zehn Bäumen besteht, die vor fünf Jahren für den Tiefbahnhof Stuttgart 21 gefällt wurden. Ob er es realisieren kann, entscheidet sich am heutigen Dienstag.

Das Problem ist nicht das Werk als solches. „Damit habe ich im Rathaus offene Türen eingerannt“, erinnert sich Lange an seine Gespräche mit Oberbürgermeister Bernhard Schuler, der Kulturamtsleiterin Christina Ossowski und allerlei Ratsmitgliedern unterschiedlicher Couleur.

Wie so oft, dreht es sich auch hier ums Geld. Die schweren Baumstämme sollen auf einen massiven Betonsockel gestellt und mit einer Schiene verbunden werden. Das zehn mal neun Meter große Fundament würde rund 25 000 Euro kosten.

Und damit beginnen die Schwierigkeiten. Die Stadt hat dafür im Haushalt kein Geld eingeplant. Doch die Zeiten, in denen solch ein Betrag mal eben locker gemacht werden konnten, sind vorbei.

Michael Lange wiederum beruft sich auf eine Mail des Kulturamtes vom vergangenen Oktober, in der ihm eine Finanzierung zugesagt wurde. Allerdings hatte die Stadt zur Bedingung gemacht, dass „der Bildhauer Konstruktionsskizzen für zwei Sockeltypen stellt, die statisch sicher sein müssen“.

Michael Lange sagt, er habe die Entwürfe eines Statikers im Rathaus eingereicht, einschließlich nachgebesserter Versionen. Doch die waren offenbar nicht technisch genug. Streng genommen hat er also eine Genehmigungsauflage nicht erfüllt. Die Stadt sieht sich daher nicht in der Pflicht, die Finanzierung des Sockels zu übernehmen.

Dass deshalb das ganze Projekt sterben könnte, das geht dem Leonberger Bildhauer erkennbar nahe. „Ich mache alles, damit wir eine Lösung hinbekommen“, erklärt er. So könne man die Kosten drücken, indem das Fundament verkleinert werde. Auch sei er dauerhaft auf der Suche nach Sponsoren. „Ich verdiene nichts dabei“, versichert er. „Mir geht es um das Projekt.“ Zumal er bei der Umsetzung gerne Schüler mit einbinden würden.

Zusätzliche Probleme hat eine verfrühte Anlieferung der Bäume gemacht. Die vier Meter dicken Stämme sollen auf dem Alten Golfplatz aufgebaut werden. Doch jetzt liegen sie am Rande der Stuttgarter Straße und sind damit nach behördlicher Lesart verkehrsgefährdend. Die Straßenmeisterei hat deshalb die Geschwindigkeit dort auf 50 Stundenkilometer reduziert. In einigen Tagen müssen die Stämme verschwinden.

Die Stadträte haben also viele Aspekte zu bedenken, wenn sie am heutigen Dienstag (19 Uhr, Stadthalle) darüber entscheiden, ob das Geld für das Kunstprojekt freigegeben wird. Die CDU hat signalisiert, dass sie Langes Position versteht. Der Künstler hofft, dass auch die anderen Politiker so denken: „Es wäre wirklich schön, wenn wir es gemeinsam schaffen.“




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