Leonberg Ein Macher im Stillen mit hohem Anspruch

Von Wiebke Kahns 

Mister Spitalhof“ Heinz-Dieter Erbe geht nach 27 Jahren im Kulturamt in den Ruhestand.

Immer offen, kritisch, anspruchsvoll, engagiert: Heinz-Dieter Erbe lässt los. Foto: factum/Bach
Immer offen, kritisch, anspruchsvoll, engagiert: Heinz-Dieter Erbe lässt los. Foto: factum/Bach

Leonberg - Kultur heißt auch Pflege. Ich denke, dass ich etwas dazu beigetragen habe“, sagt Heinz-Dieter Erbe bescheiden. Er ist seit 27 Jahren im Leonberger Amt für Kultur vor allem für Veranstaltungen im Spitalhof-Theater und in den Altstadtkellern zuständig gewesen und hat jetzt am 30. September seinen letzten Arbeitstag. Dabei ist das Wort „etwas“ doch stark untertrieben. Blickt man mit ihm zurück und lässt die Jahre Revue passieren, zeigt sich schnell, dass man gar nicht alles aufzählen kann, was dieser Mann in dieser Stadt möglich gemacht hat, auch nicht alle Aufgaben, die er außerhalb wahrgenommen hat. Eines aber wirkt bis heute nach: Er hat schon früher als die meisten erkannt, dass Theater für die Sozialisation von Kindern eine immense Bedeutung hat.

Man sieht Heinz-Dieter Erbe die Freude an, wenn er in dem Band blättert, der zur Ausstellung mit Plakaten von Henning Krämer im Galerieverein aufgelegt worden ist und den dieser ihm jetzt zum Abschied geschenkt hat. Viele Plakate darin wecken Erinnerungen an die gute Zusammenarbeit mit Krämer und an Veranstaltungen, die Erbe initiiert oder organisiert hat. Da fallen auch die vielen Künstler auf, die er insbesondere in den Spitalhof geholt hat. Mit manchen dauert der Kontakt bis heute an.

Anstrengend und gleichzeitig schön

Natürlich kommen dann sofort Erinnerungen an das Altstadtspektakel hoch. Er schwärmt von der gut funktionierenden Zusammenarbeit mit der Werbegemeinschaft Faszination Altstadt, mit Dieter Schmauder und Joachim Heller. Rückblickend sagt er: „Es war anstrengend, aber es war eine schöne Zeit.“ Auch beim Altstadtspektakel hat er musikalische Experimente gewagt – ihm fallen da Namen wie Wolfgang Schmid, Franz Benton und die Banda Maracatú ein. Weil es zu Beginn zwei solche Veranstaltungen im Leonberger Untergrund gegeben hat – eines im Frühjahr und eines im September – konnte er auch ein wenig experimentieren. „Im Frühjahr konnte ich auch unbekannte Künstler ausprobieren. Ich habe mir da schon Gedanken gemacht, wer passt in welchen Keller“, sagt der 63-Jährige. Sofort fällt im Christof Stählin ein, der im Schelling-Keller aufgetreten ist. Oder Alice Hoffmann, die einen Striptease im Pfarrhaus-Keller hingelegt habe. Das Ambiente dort mit dem engen Kontakt zum Publikum habe vielen Künstlern gefallen. „Einige riefen bei mir an und flehten: ,Heinz, lass mich wieder in den Keller‘!“, sagt der Kulturmacher lachend.

In seinen Anfängen in Leonberg hat Heinz-Dieter Erbe eine Musikreihe im Spitalhof initiiert, die sehr Unterschiedliches bot. „Es ging um gute Musik. Da gab es Jazz, Rock, Pop, Klassik – ich wollte die ganze Vielfalt“, betont Erbe und fügt hinzu: „Da war Wagnis dabei.“

Auch die Gruppe „Fools Garden“ holte er nach Leonberg. Noch heute wurmt es ihn allerdings, dass sie hier auftraten, kurz bevor sie ihren Hit „Lemon Tree“ landeten. Die Liste der Künstler, die im Spitalhof zu Gast gewesen sind, ist lang und namhaft: Wolfgang Dauner, Teile des Teams der „Söhne Mannheims“, Anne Haigis, Grachmusikoff, Senta Berger und Wieland Backes sind darunter. Als der Theatersaal im Spital wegen Asbest geschlossen und saniert werden musste, war das für ihn ein harter Schlag. Heinz-Dieter Erbe bekennt: „Ich hab’ damals gedacht, ich geb’s auf!“

Viele Höhen und Tiefen hat es in seinem kulturell geprägten Arbeitsleben gegeben, sagt er. „Zufrieden bin ich auch nie“, outet sich der Leonberger als Perfektionist. Heute merkt man ihm jedoch die Freude darüber an, dass er engagiert dabei geblieben ist und es mit dem Spitalhof im Jahre 2001 einen Neuanfang gab – natürlich mit einem ganz besonderen Eröffnungsprogramm.

Klassik-Abo und Seebühnenkonzerte

Für das Klassik-Abo in der Stadthalle ist er ebenfalls verantwortlich gewesen. Aus Spargründen ist es jedoch eingestellt worden. „Das war schmerzhaft“, bekennt Hans-Dieter Erbe. Die drei jährlichen Konzerte des Sinfonieorchesters dort hat er jedoch weiter betreut. „Mit dem Dirigenten Dieter Scholl habe ich das Neujahrskonzert auf eine Erfolgsreise geschickt. Ich glaube, das war ab 1990“, erinnert sich Heinz-Dieter Erbe ein wenig stolz. Bei den Daten muss er immer wieder überlegen, ist sich nicht ganz sicher – kein Wunder, ist das Füllhorn an Veranstaltungen, die er auf den Weg gebracht hat, doch überquellend. Auch die Seebühnenkonzerte im Stadtpark hat er ins Leben gerufen.

Heinz-Dieter Erbe hat in Stuttgart das Theater im Zentrum mit aufgebaut hat, das heutige „Jess“. Dabei hat er nach eigenem Bekunden gelernt, wie man ernsthaft mit Kinder- und Jugendtheater umgeht. „Das war auch in Leonberg mein roter Faden.“ Und so hat er professionelle Gastspiele für junge Menschen hergeholt, ein theaterpädagogisches Angebot ausgearbeitet und den Jugendspielclub Bivak gegründet. Nicht zu vergessen die Schülertheatertage. „Theater muss man Kindern nahebringen“, davon ist er tief überzeugt. „Beim Theaterspielen lernen sie ihren Körper und Ausdruck kennen.“ So habe er Theaterpädagogen beschäftigt, mit den Schulen eng zusammengearbeitet und Kurse wie einen Clown-Workshop angeboten.

Was er sich für den Ruhestand vorgenommen habe? „Loslassen“, sagt Heinz-Dieter Erbe. Loslassen – das sei ihm als alleinerziehender Vater schon bei seiner Tochter ganz gut gelungen. „Beruflich war ich immer etwas verkrampft“, gibt er zu.