Leonberg Eine Fahrt, die man nicht so schnell vergisst

Von Ulrike Otto 

Die LKZ testet die neue Expressbuslinie zum Flughafen. Genutzt wird sie vor allem von Studenten.

Die leuchtend blauen Busse der neuen Expresslinien fallen auf, egal ob in Leonberg, Esslingen oder Waiblingen. Foto: Gottfried Stoppel
Die leuchtend blauen Busse der neuen Expresslinien fallen auf, egal ob in Leonberg, Esslingen oder Waiblingen. Foto: Gottfried Stoppel

Leonberg - Einmal falsch abgebogen, und es gibt eine Stadttour der besonderen Art. Der besonders rasanten Art. Im dank herbstlichen Schmuddelwetters nicht mehr ganz so strahlend blauen Relex-Bus der neuen Expresslinie X60 zum Flughafen sitzen zehn Studenten. Der Busfahrer ist anscheinend auch neu. Am Bahnhof nimmt er den Weg nach rechts. Nicht Richtung Grabenstraße, sondern Richtung Römerstraße. Dass er sich verfahren hat, merkt er gleich und lässt sich vom Navi nun am Leo-Center und dem Stadtpark vorbei auf die Neue Ramtelstraße Richtung Waldfriedhof lenken. Rasant geht es den Berg hinauf und hinein in die Spitzkehren. Der Magen der Fahrgäste freut sich.

Am ersten Stopp bei Bosch in Gerlingen steigen drei Studenten ein. Studi-Ticket vorzeigen reicht. Ohne Verbundpass oder eine Ermäßigung kostet die einfache Fahrt zum Flughafen dagegen 5,10 Euro. Günstiger als ein Taxi ist es aber allemal. „Ab morgen ist wieder Feinstaubalarm. Da kostet es nur die Hälfte“, merkt der Fahrer an.

Deutliche Verbesserung für Studenten

Es ist kurz nach 9 Uhr, Seminare und Vorlesungen der Studenten beginnen um 9.45 Uhr in Stuttgart-Vaihingen. Die neue Verbindung braucht vom Leonberger Bahnhof bis zur Uni laut Plan 17 Minuten. Die Linie 92, die durch das Mahdental und durch Büsnau fährt, ist fünf Minuten zu spät in Vaihingen, Studenten müssten deshalb bereits um 8.17 Uhr starten. Gegenüber der S-Bahn spart der neue Expressbus knapp zehn Minuten und einmal Umsteigen – sofern die Linien S 6 und 3 pünktlich sind.

An der Universität leert sich der X 60 schlagartig. Mit Schwung geht es zurück auf die B 14 Richtung Stuttgarter Kreuz. In Richtung Singen staut es sich, auf der A 8 in Richtung Leonberg auch. Zum Glück geht die Tour in die entgegengesetzte Richtung. Obwohl der Verkehr Richtung Flughafen fließt, drückt der Fahrer aufs Gaspedal – und wird prompt geblitzt. Der Magen revoltiert noch immer, als der blaue Bus schließlich zwischen quietschgrünen, gelben und roten Bussen an der Fernbus-Station ankommt.

Zurück zum Engelberg geht es dann zum Glück mit einem neuen Fahrer. Ali Girit steuert seit 22 Jahren Busse. Freundlich weist er darauf hin, dass Anschnallpflicht herrscht. Ohne Hektik und mit Feingefühl steuert er das tonnenschwere Gefährt auf die Autobahn – ohne Ansage des Navi. „Das zeigt mir, wo Stau ist. Aber dann fahre ich nach Gefühl“, sagt Ali Girit, der zuvor die Linie X 10 aus Wendlingen zum Flughafen gesteuert hat. Zumeist genutzt von Pendlern. „Aber es waren auch ein paar mit Gepäck dabei, die zum Flughafen wollten“, berichtet er. Ein Bus starte immer in Wendlingen als X 10 und fahre vom Flughafen als X 60 weiter nach Leonberg. Das passe dann besser mit den Warte- und Pausenzeiten.

Der Expressbus ist schnell, hat aber mit Stau zu kämpfen

Am Autobahnkreuz Stuttgart ist noch immer Stau Richtung Leonberg. Deshalb geht es auf der Abbiegespur nur gemächlich voran. Dennoch ist die Expresslinie an der Uni nur eine Minute zu spät dran. Drei Studenten steigen ein. Ist die Vorlesung etwa ausgefallen?

Etwas Puffer sei mit eingerechnet, berichtet Busfahrer Ali. „Und derzeit arbeiten wir morgens immer mit zwei Reservebussen, die am Flughafen stehen. Die fahren, wenn einer spät ist“, erklärt er. Das sei heute Morgen bereits einmal der Fall gewesen. Gemütlich steuert Ali Girit seinen blauen Bus den Engelberg hinunter auf der vorgesehenen Route. Der Magen hat sich beruhigt, der Fahrgast nimmt auch endlich den Komfort der Flughafenlinie zur Kenntnis. Bequem sind die Sitze, der Bus scheint neu und bietet allerlei wie W-Lan, Leselampen, USB-Steckdosen und Gepäckfächer. Die Ansagen der Haltestellen krächzen noch etwas. „Das ist heute ja auch erst der zweite Tag“, sagt der Busfahrer und verabschiedet sich mit einem festen Handschlag.