Leonberg Eine Koreanerin hat ihre Elf noch nicht abgeschrieben

Von Thomas K. Slotwinski 

Hawjin Karisch-Lee ist im Fußball-Fieber. In den meisten Betrieben gibt es an diesem Mittwoch WM-Pausen.

Die Koreanerin Hawjin Karisch-Lee drückt ihrer Elf die Daumen. Foto: slo
Die Koreanerin Hawjin Karisch-Lee drückt ihrer Elf die Daumen. Foto: slo

Leonberg - Eine Chance gibt es immer!“ Hawjin Karisch-Lee lässt sich ihren Optimismus nicht nehmen. Die Koreanerin hat beide WM-Spiele ihres Teams verfolgt und die Leistung der Fußballer für gut befunden: „Gegen Schweden haben wir unglücklich durch den Elfmeter verloren.“

Das Match gegen Jogis Jungs hat für Karisch-Lee einen ganz besonderen Stellenwert. Seit 17 Jahren lebt sie in Deutschland. Der Liebe wegen hatte sie ihre Heimat an der Südküste der Halbinsel verlassen.

Sie fühlt sich in Leonberg zuhause

Sie fühlt sich wohl und zuhause in Leonberg, spricht die Sprache gut, hat Freunde hier. Doch bei der WM schlägt ihr Herz für Südkorea: „Die werden kämpfen.“ Die Chancen aber, dass ihrer Mannschaft ein Coup gelingt, schätzt sie äußerst gering ein. „Ein Prozent“, sagt sie und lacht.

Hawjin Karisch-Lee betreibt ein kleines Restaurant mit Spezialitäten aus ihrer Heimat an der Ecke Gerhard-Hauptmann-Straße/Römerstraße. Benannt hat sie es nach dem koreanischen Nationalgericht Bibimbab. Das besteht aus Gemüse, Reis und Ei und wird erst bei Tisch gerührt.

Gemüselastige Küche

„Die koreanische Küche ist gemüselastig“, erzählt sie. „Aber es gibt natürlich Fleisch, auf Wunsch sehr scharf.“ Ihre Gäste schätzen die asiatische Vielfalt, am Mittag füllt es sich schnell. Der Anstoß um 16 Uhr liegt für Karisch-Lee optimal zwischen den Essenszeiten: Genügend Zeit, um mit der koreanischen Elf mitzufiebern.

Auch in vielen anderen Betrieben müssen die Fußballfans auf das entscheidende Spiel um den Einzug ins Achtelfinale nicht verzichten. „Bei uns endet die Kernzeit um 16 Uhr“, berichtet die städtische Pressesprecherin Undine Thiel. „Wer nichts verpassen will, kann das Spiel direkt nach Feierabend in der Kantine verfolgen.“

Monitore in der Fabrikhalle

Ähnlich handhaben es andere Firmenchefs. „Für unsere Mitarbeiter der Spätschicht stellen wir Monitore auf“, berichtet Martin Fiedler, Vorstandsmitglied beim Pumpenhersteller Lewa. Fürs Fußballschauen müssen die Beschäftigten freilich ausstempeln. Bei Geze werden fußballbedingte Ausnahmesituationen schon seit Jahren per Gleitzeit geregelt.

Wer um 16 Uhr feststellt, dass er noch Salzstangen und Bier benötigt, steht beim Kaufland in Leonberg nicht vor verschlossenen Türen. „Die meisten Mitarbeiter sind zwar sehr an der WM interessiert“, berichtet die Unternehmenssprecherin Andrea Kübler. „Wir haben aber auch Personal, das der WM eher entspannt begegnet. Daher finden wir eine Balance zwischen der Sicherstellung des Betriebsablaufes und den Interessen unserer Mitarbeiter.“

Der Chef lädt nach Hause ein

Je familiärer der Betrieb, desto persönlicher die Lösungen. Beim Höfinger Heizungsspezialisten Brenner & Käfer steht eine Leinwand in der Kantine. „Wir schauen alle zusammen“, sagt Eberhard Brenner.

Beim Modehaus Wibbel lädt der Chef sogar nach Hause ein. „Zwei Mitarbeiter, die keine Fans sind, halten im Laden die Stellung“, verrät Wolfgang Schmidt. „Alle anderen kommen zu mir.“ Sollte es nach 16 Uhr einen Kundenansturm geben, müsste das Personal wieder ins Geschäft. „Aber das ist sehr unwahrscheinlich“, meint Schmidt.




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