Leonberg Eine Kult-Autorin plaudert aus dem Nähkästchen

Von Doris Caumanns 

Elisabeth Kabatek spricht bei der Lesung ihres neuen Romans in der Bücherei über die Schwaben.

Elisabeth Kabatek Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Elisabeth Kabatek Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Leonberg - „Laugenweckle zum Frühstück“, „Brezeltango“ oder „Spätzleblues“: die Trilogie um die chaotische Pipeline Praetorius der Autorin Elisabeth Kabatek ist in den Buchhandlungen der Region ein Renner. Die Schauplätze in und um Stuttgart, das besondere Lokalkolorit, in dem die Leser vertraute Plätze und Straßennamen wiedererkennen können, und natürlich die liebevoll ironische Beschreibung schwäbischer Eigenheiten sorgen dafür.

Und immer erzählt die schwäbische Kult-Schriftstellerin mit dem frechen Pixie-Haarschnitt mit einem Augenzwinkern: „Gell, so isch’s doch bei ons?“ Sie selber sei sehr „schaffig“, und so haut sie jedes Jahr einen neuen Titel raus, was sie selbst mit der „schrumpfenden Halbwertzeit bei der Beachtung neuer Titel“ und dem kürzeren Gedächtnis der Leser erklärt.

Und schon wieder auf der Bestsellerliste

Ihr neuer Roman „Kleine Verbrechen erhalten die Freundschaft“ ist zwei Wochen nach Erscheinen schon auf der „Spiegel“-Bestsellerliste. Daraus hat die Autorin jetzt in der Stadtbücherei gelesen – in brauner Lederjacke, schmalen Jeans, Stiefeln und einem T-Shirt mit Motiven des Romans: Handtasche, Tablettenpackung und Pistole. Musikalisch begleitet wird sie von der Sängerin und Gitarristin Susanne Schempp. Aber Kabatek singt auch selber: witzig ist der „Halbhöhentango“ über die oberen Zehntausend, die brausend am Killesberg leben.

Im Roman, der aus mehreren Perspektiven erzählt wird, gibt es drei Figuren: Da ist die reiche Witwe Luise von der Stuttgarter Halbhöhe, die gerade erfahren hat, dass ihr Mann sie jahrelang mit ihrer besten Freundin betrogen hat (so viele „Geschäftsessen“ hat es dann doch nicht gegeben!), der muffelige Jan in der Midlife-Crisis und die durchgeknallte Sabrina aus dem Uni-Milieu. Die drei haben ein gemeinsames Ziel: „weg von hier“. Und sie sind wie in einem Roadmovie quer durch Deutschland unterwegs, bis nach Hamburg und zur Hallig-Hooge – eine Art „Tschick“ für Mittfünfziger. Dem ungewöhnlichen Trio geht bald das Geld aus, das sie dann mit unkonventionellen, ja kriminellen Mitteln dringend beschaffen müssen.

Immer mehr vom Glück

Das Motto des Romans stammt von Charles de Montesquieu: „Man will nicht nur glücklich sein, sondern glücklicher als die anderen. Und das ist deshalb so schwer, weil wir die anderen für glücklicher halten, als sie sind.“ Die Autorin fordert das Publikum auf, zum Thema „Glück“ einen Zweizeiler zu reimen. „Schokotorte wär’ mein Glück, und davon ein recht großes Stück“ macht das Rennen und wird mit einem handsignierten Glücksschwein prämiert.

Im bis auf den letzten Platz besetzten Saal der Stadtbücherei gibt es sieben „Quotenmänner“, der Rest ist weiblich. Besonders gespannt verfolgt das Publikum den Blick hinter die Kulissen der Seele einer Autorin, den Elisabeth Kabatek erlaubt. Da ist vom zermürbenden Brüten über den Figuren zu hören: „Die Figuren waren nicht greifbar, sie hatten keine Konturen.“ Da wird ausprobiert und rumgesucht, Schauplätze werden ausgewählt und wieder verworfen, es wird um Form und Sprache gerungen, bis schließlich die Recherchen vor Ort beginnen: an einer videoüberwachten Tankstelle in Heslach, einem Luxushotel in Düsseldorf und in der Lutherstadt Eisenach. Und schließlich hilft ausgerechnet „Die Sendung mit der Maus“ dabei zu klären, wie denn nun ein Geldautomat aufgebaut ist. Und kann man im Schalterraum einer Bank einfach sagen: „Ich recherchiere für einen Banküberfall?“

Handsignierte Exemplare

Nach der Lesung des „Run-away“-Romans signiert Kabatek die Bücher. Dabei erfährt man, was das Publikum an ihr besonders schätzt: dass die Romane in der realen Gesellschaft des Hier und Jetzt spielen, an Schauplätzen in der Region und dass die Figuren treffsicher, humorvoll und mit einem gewissen Charme charakterisiert werden. Viele outen sich als begeisterte Fans der ersten Stunde.

Ganz vereinzelt ist Kritik zu hören: die Handlung sei nun doch etwas zu konstruiert mit einer unrealistischen Häufung skurriler Zufälle. Aber die meisten tragen ihr handsigniertes Exemplar hoch zufrieden nach Hause.




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