THW Leonberg Eine neue Herausforderung für die Helfer

Von Brunhilde Arnold 

Der Ortsverband bekommt einen von Geze-Azubis speziell ausgebauten Anhänger. Am hiesigen Standort wird eine Fachgruppe zur Bekämpfung von Ölschäden eingerichtet.

Aufräumarbeiten nach einem Unfall auf der Autobahn. Auch das gehört zu den Aufgaben des THW. Foto: THW
Aufräumarbeiten nach einem Unfall auf der Autobahn. Auch das gehört zu den Aufgaben des THW. Foto: THW

Leonberg - Raus aus dem Alltag, rein in den THW“. Mit diesem Slogan begrüßt der Leonberger THW-Ortsbeauftragte Matthias Schultheiß die vielen ­Gäste. Wenn das Technische Hilfswerk, eine Einrichtung des Bundes, zum Jahresempfang lädt, kommen sie alle: die Vertreter der anderen „Blaulichtorganisationen“ wie Feuerwehr, Polizei, DRK oder DLRG, der Bundestagsabgeordnete Marc Biadacz, Leonbergs Erster Bürgermeister Ulrich Vonderheid, Kreis- und Stadträte.

Matthias Schultheiß betont, dass Gefahrenabwehr und Katastrophenschutz auch Spaß machen können. Man finde in dieser ehrenamtlichen Tätigkeit viel Abwechslung, Kameradschaft und einen Ausgleich zum Beruf. Neben den 60 Aktiven gibt es noch 22 Junghelfer, darunter fünf Mädchen, und acht Althelfer. „Wir sind ein ­gesunder Ortsverband mit einem hohen Helferbestand und einer geringen Fluktuation“, sagt Matthias Schultheiß.

23 651 Dienststunden

Gemeinsam haben die Helfer im vergangenen Jahr 23 651 Dienststunden geleistet. In 64 Einsätzen waren sie in Leonberg und der Region gefordert. So bargen sie beispielsweise bei einem Lkw-Unfall auf der A 81 verlorene Ladung, unterstützten die Feuerwehr bei einem Pkw-Brand im Engelbergtunnel, rückten mit dem Gefahrgutzug wegen eines beißenden Geruchs in einem Leonberger Supermarkt aus, waren beim Großbrand auf dem Falkenhof in Gebersheim zwei Tage lang gefordert, unterstützen bei einem durch ein Unwetter überfluteten Schweinemastbetrieb die Feuerwehr, pumpten einen mit Diesel gefüllten undichten Tank eines Lkws auf der Autobahn ab und beseitigten ausgelaufenen Kraftstoff, transportierten Sandsäcke nach starken Regenfällen und vieles mehr.

Einige Male mussten die THW-Kräfte auch ausrücken, um etwa durch Einbrüche beschädigte Fenster zu sichern. Eigentumssicherung nennt sich dieser Vorgang. Und wie zum Beweis geht prompt am Festabend bei einigen Helfern der Alarm los und sie müssen genau zu einem solchen Einsatz hinaus in die Nacht.

 

Geze übergibt den neuen Anhänger. Foto: THW
Begonnen hat der Abend mit einer „Premiere“, wie ­Simon Salin, stellvertretender Ortsbeauftragter, sagt. Das erste Fahrzeug, das nicht vom Bund oder vom Förderverein beschafft, sondern komplett gesponsert wurde, steht in der Halle. Dabei handelt es sich um einen Anhänger, der so ausgerüstet wurde, dass er Werkzeuge, Holz und anderes Material, etwa zur Eigentumssicherung, transportieren kann. Das Innenleben des Hängers entstand in der Lehrwerkstatt der Firma Geze. Bei der Suche nach einem Projekt für die Azubis kam man auf diesen Anhänger, sagt Simon Salin, selbst Geze-Mitarbeiter. Felix Pricker ist THW-Junghelfer und lernt bei Geze Industriemechaniker. Der 16-Jährige wurde zum Projektmanager ernannt. Das sei zwar stressig, am Ende aber doch ein ziemlich gutes Gefühl gewesen. Etwa 15 Jugendliche – Geze-Azubis und THW-Junghelfer – haben an dem Wagen mitgearbeitet. „Durch ein solches Projekt wollen wir Türen öffnen, um Auszubildende mit einer technischen Affinität zu finden“, erklärt Rolf Böhmler, Ausbildungsleiter bei Geze.

 

Und noch eine Premiere wird es in diesem Jahr geben: Weil der Ortsverband personell gut aufgestellt ist und ­relativ zentral im Land liegt, wird dort eine Fachgruppe Ölschaden eingerichtet, wie sie es in anderen Bundesländern auch gibt. Diese wird mit 18 Helfern doppelt so groß sein wie andere Gruppen. Sie muss für solche Spezialeinsätze mit entsprechendem Material ausgestattet werden, Führungskräfte und Helfer müssen geschult werden. „Das ist eine große Herausforderung, über die wir uns aber freuen“, sagt Alexander Mauch. Der 30-Jährige, im Hauptberuf Polizeibeamter, möchte sich als Gruppenführer bei dieser Einheit engagieren. Die Leonberger THWler werden dann landesweit unterwegs sein, wenn es gilt, Öl auf Gewässern zu beseitigen.

„Wir in Leonberg stellen uns diesen ­Herausforderungen“, sagt der Ortsbeauftragte Schultheiß. Er weist auf die erfolgreiche Jugendarbeit hin, die man seit Jahrzehnten mache. Ein Beleg dafür seien die ersten Plätze der Junghelfer an Landes- und Bundeswettkämpfen. Als Bundes­sieger 2016 und Landessieger 2018 wolle man den Titel beim Bundesjugendwettkampf in diesem Jahr verteidigen.

Ein halbes Jahrhundert THW

Der Ortsverband Leonberg besteht seit 52 Jahren. Seit 50 Jahren ist der ehemalige Ortsbeauftragte Otto Kretzschmar dabei. Er erhält aus der Hand des THW-Landessprechers Michael Hambsch eine Ehrenurkunde. Für 25 Jahre werden Daniel Reger geehrt, für 20 Jahre Craig Messner und Oliver Hermann. Zehn Jahre dabei sind Walter Reger, Ingo Hiersche und Marc Kuhnle. Das Helferzeichen in Gold für „außerordentliches Engagement“ erhalten Florian Böttcher, Fachhelfer im Zugtrupp und Vorstand des Fördervereins, der THW-Helfervereinigung, sowie Immanuel Munzinger. Er kümmert sich als Schirrmeister um die Ausstattung und ist Sprecher aller Helfer im Ortsverband.