Leonberg Eltinger Apfelsaft für den grünen Landesvater

Von Ulrike Otto 

Der Ministerpräsident Winfried Kretschmann unterstützt den Grünen-Abgeordneten Bernd Murschel im Wahlkampf. Dabei gibt es neben der Landespolitik auch Gutes von den heimischen Streuobstwiesen und viel Lokalkolorit.

Einmarsch des Landesvaters: Winfried Kretschmann ist am Samstag in der Steinturnhalle zu Gast. Foto: factum/Bach
Einmarsch des Landesvaters: Winfried Kretschmann ist am Samstag in der Steinturnhalle zu Gast. Foto: factum/Bach

Leonberg - Die Kameraleute stapeln sich förmlich vor dem Eingang zur Steinturnhalle, drinnen haben bereits etwa 200 Menschen Platz genommen. Alle beschäftigt die gleiche Frage: Wo bleibt Kretschmann? Doch der grüne Landesvater lässt an diesem Samstagnachmittag auf sich warten. Die Fernsehkollegen von ARD und ZDF harren weiter frierend an der Tür.

Drinnen muss der Leonberger Grünen-Landtagsabgeordnete Bernd Murschel die Show derweil allein bestreiten und blickt auf seine zehn Jahre im Landesplenum sowie fünf Jahre grün-rote Koalition in Baden-Württemberg zurück. Von Vollbeschäftigung über die Gemeinschaftsschule, von Stuttgart 21 über den Nationalpark geht es zu den Technologien erneuerbarer Energie und der Vorbildfunktion, die das Ländle auf diesem Sektor übernehmen könnte. Auch das Wahlkampf-Pathos kommt nicht zu kurz: „Die Umfragen zeigen: die Menschen haben gemerkt, mit Grün-Rot ist das Land stabil, sie wollen, dass wir weitermachen. Und sie wollen, dass der Ministerpräsident weiter Winfried Kretschmann heißt“, souffliert Murschel, und wie aufs Stichwort betritt dieser den Saal.

Zwischen den Zuschauern in Öko-Baumwollshirts und Funktionskleidung wirkt Kretschmann noch staatsmännischer. Ob er sich in der Rolle des Landesvaters wohlfühlt, fragt die Moderatorin. „Anfangs nicht. So ein paternalistischer Begriff passt so gar nicht zu den Grünen“, antwortet Winfried Kretschmann. Er verrät, dass er am besten entspannen kann, wenn er seinen sechs Monate alten Enkel im Arm hat. Dass sein 30 Jahre jüngeres Ich ihn wohl dafür kritisieren würde, warum alles nicht schneller geht. Dass es noch nie einen populären Kultusminister gegeben habe, weil die Menschen immer Verbesserungen, aber selten Veränderungen im Bildungssektor wollten. Dass sich nach fast fünf Jahren und ein paar Wutausbrüchen seinerseits nun endlich was beim Thema Ausbau der Windenergie im Land bewege. Dass die Opposition wohl niemals einer größeren Bürgerbeteiligung zugestimmt hätte, wenn der Volksentscheid über das Bahnprojekt Stuttgart 21 anders ausgegangen wäre. Ein bisschen Persönliches, ein paar grüne Erfolge, etwas Selbsterkenntnis – vor den eigenen Parteianhängern braucht man so etwas ja nicht zu fürchten – und etwas Leonberger Lokalkolorit: das sind die Zutaten dieser Wahlkampfveranstaltung.

Wobei das Lokalkolorit vor allem aus Eltingen kommt. Wie etwa der Apfelsaft. Den schenken die Mitglieder des Obst-, Garten- und Weinbauvereins Eltingen-Leonberg aus. Und deren Vorsitzender Albert Kaspari darf sich am Ende noch mit dem Ministerpräsidenten streiten, wer oder was letztlich schuld ist an der Wildschweinplage, die auch die Eltinger belastet (wir berichteten). Denn zum Schluss dürfen vier Leonberger Vereine und Institutionen das Wort ergreifen und stellvertretend für die Bürger Fragen stellen. Heidi Fritz vom AK Asyl fragt nach schnelleren Deutschkursen für Flüchtlinge. Maria Zundel von der Lokalen Agenda nach Fair-Trade-Förderung. Und Klaus Hettler vom Bürgerverein Eltingen, wie die Verkehrsbelastung vor allem auf den Autobahnen um Leonberg reduziert werden kann. Kretschmann verspricht eine Antwort des Verkehrsministeriums. „Aber dass das Dreieck Leonberg eine der meistbefahrenen Strecken der Bundesrepublik ist, daran werden wir nichts ändern können“, sagt der Ministerpräsident.

Zum Schluss muss noch die obligato­rische Frage beantwortet werden, warum die eigene Partei bei der Landtagswahl am 13. März zu wählen ist: „Wir passen gut zu diesem Land. Wir sind bodenständig, aber nicht verhockt. Wir sind heimatverbunden und weltoffen. Wir hängen nicht nur an den Traditionen, sondern sind auch modern. Wir sind das ‚Und‘ in diesem Land“, philosophiert Kretschmann.

So entspannt, wie die Veranstaltung begonnen hat, endet sie auch. „Können Sie jetzt für mich das Geheimnis lüften? Ist Eltingen für Leonberg das, was Baden-Württemberg für Deutschland ist“, fragt Kretsch­mann und das Publikum lacht.