Leonberg: Eltinger fertigt Lederjacke für Bono Ein weltbekannter Schneider mit eigener Kollektion

Von Arnold Einholz 

Der Eltinger Designer und Modeschöpfer Thomas Wolfangel ist mit 83 Jahren in Irland verstorben.

Thomas Wolfangel hat Eltingen regelmäßig besucht. Foto: factum/Archiv
Thomas Wolfangel hat Eltingen regelmäßig besucht. Foto: factum/Archiv

Leonberg - Wenn Bono, der irische Musiker, Sänger und Frontmann der Rockband U2, auf Welttour geht, hat er häufig Lederjacken an, die in der ­Nähe seiner Geburtsstadt Dublin gefertigt wurden. Und zwar in Dun Laoghaire, der Geburtsstadt von Bob Geldof, eines anderen großen irischen Rockmusikers. Die exklusive Schneiderei liegt in der Mellifont Avenue und sie gehörte Thomas Wolfangel. Der Designer und weltbekannte Schneider ist im Alter von 83 Jahren verstorben.

Doch nicht nur Bono gehörte zu Wolfangels Kunden. Er hat auch Hosen für Katharine Hepburn geschneidert und Anzüge und sportliche Sakkos für Regierungschefs. Der Schneider und Modeschöpfer, der sowohl die deutsche als auch die irische Staatsbürgerschaft hatte, lebte rund 60 Jahre in Irland und hatte sich dort einen Namen gemacht.

In Dublin eine Leonbergerin geheiratet

„Ich bin doch Eltinger und kenne hier noch viele Leute“, hatte er bei einem ­Besuch in der alten Heimat erzählt. Wenn er vom Flughafen nach Leonberg in die Stuttgarter Straße eingefahren sei, habe er immer den Eindruck gehabt, nie weg gewesen zu sein, sagte der Eltinger, dessen Vater seinerzeit auch Schneider war.

Nach der Schule hatte Thomas Wolf­angel bei einem großen Stuttgarter Be­kleidungshaus seine Lehre zum Herrenschneider absolviert und hängte dort noch drei weitere Arbeitsjahre an. Danach ging er nach München, produzierte für einen Modemacher Schnitte. Lange blieb er nicht, denn sein ehemaliger Arbeitgeber machte ihm das Angebot, in Sligo, im Nordwesten Irlands, als Direktionsassistent in das Zeitmanagement einzusteigen. Sligo ist die größte Stadt im Nordwesten der Repu­blik Irland und ein Verkehrsknotenpunkt, unter anderem nach Nordirland. Der 21-Jährige zögerte nicht lange und packte seine Siebensachen.

Fünf Jahre blieb er in Sligo, schneiderte nebenbei am ­Wochenende Sakkos für eine Firma, die auf Reitsport­bekleidung spezialisiert war. Eine seiner Jacken bekam bei einem Wettbewerb in London eine Goldmedaille und weil dieses Geschäft boomte, wagte Wolfangel den Schritt in die Selbstständigkeit.

Zunächst kam er in Dublin bei einem Freund unter. In einer Ecke seiner Schneiderei hatte er einen Arbeitsplatz. Fünfmal ist er in Dublin umgezogen, bis er sich sein eigenes Haus und sein eigenes Firmen­gebäude kaufen konnte. In Dublin hat er auch seine Frau – die Leonbergerin Edelgard Schlumberger – geheiratet. Die drei Kinder wuchsen zweisprachig auf.

Die Kundschaft kam persönlich ins Haus

Der große Durchbruch als Modeschöpfer im Damenbereich gelang Thomas ­Wolf­angel Ende der 60er Jahre, nachdem er bei der Schneiderausstellung in London die Goldmedaille gewonnen hatte. Aber auch Genna McNabb wurde 1967 irische Schönheitskönigin in einer Garderobe von ­Thomas Wolfangel.

Werbung musste er seitdem nicht mehr machen. Die Kundschaft kam persönlich ins Haus und ließ sich Abendgarderobe, Kostüm und Mantel aus Wolle, Tweed oder edler Seide maßschneidern. Egal ob für den Auftritt bei einem Pferderennen oder für den täglichen Gebrauch. „Tragbare Sachen mit diversen Extras“, sagte Thomas Wolf­angel über seine Kreationen. Wer Wert auf Qualität legte, ließ bei Wolfangel schneidern, manche Kunden schon in der dritten Generation. Selbst im Reiseführer von ­Irland hat der Eltinger Eingang gefunden. Als ein Geheimtipp: Anfertigung in nur zwei Tagen. „Wer morgens anreist, kann die Bestellung am Tag darauf abholen.“




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