Leonberg Fachkräfte sind wichtiger als das große Defizit

Von  

Klinikverbund-Chef Jörg Noetzel über die Nöte beim Personal.

Personal ist im Leonberger Krankenhaus gefragt. Foto: privat
Personal ist im Leonberger Krankenhaus gefragt. Foto: privat

Leonberg - Dass die Boomregion Stuttgart Fluch und Segen gleichermaßen ist, wird nicht nur an den exorbitant hohen Immobilienpreisen und Lebenshaltungskosten deutlich. Auch der Klinikverbund Südwest, zu dem die Krankenhäuser in den Kreisen Böblingen und Calw gehören, bekommt das anspruchsvolle Preisniveau beim Personal deutlich zu spüren.

„Für eine Krankenschwester zahlen wir im Schnitt 60 000 Euro im Jahr“, berichtete jetzt der Medizinische Geschäftsführer Jörg Noetzel vor den Mitgliedern des Fördervereins für das Krankenhaus Leonberg. „In Brandenburg belaufen sich die Kosten auf rund 40 000 Euro.“ Das mag angemessen erscheinen, weil im Nordosten Deutschlands das Leben wesentlich preisgünstiger ist als im reichen Südwesten. Doch dem Klinikverbund nutzt das wenig. „Das Geld, das für eine Behandlung erstattet wird, ist überall gleich.“ Dennoch hofft Noetzel auf bessere Zeiten, werden doch vom Jahr 2020 Pflegeleistungen gesondert vergütet.

Unabhängig vom Geld ist der Fachkräftemangel nach den Worten des Geschäftsführers das größte Problem im Klinikverbund, sogar noch vor dem jährlichen Gesamtdefizit von rund 30 Millionen Euro.

Vorschriften erschweren die Arbeit

Künftige Vorschriften, etwa Untergrenzen bei der Personalstärke oder Mindestmengen bei Operationen, mache den Managern die Arbeit nicht leichter. Noetzel warb daher vor den Unterstützern des Leonberger Krankenhauses für eine Zentralklinik auf dem Flugfeld bei Sindelfingen: „Bei speziellen Krankheitsbildern brauchen wir 20 bis 30 Operationen im Jahr, um sie überhaupt machen zu dürfen.“ Dies solle entsprechend des vom Kreistag vor vier Jahren beschlossenen Medizinkonzeptes in der geplanten Großklinik geschehen, die nach jetzigem Stand weit mehr als eine halbe Milliarde Euro kosten wird.

Der Chef des Klinikverbundes wies darauf hin, dass auch in Leonberg stark investiert werde. Ursprünglich war von knapp 60 Millionen Euro die Rede, mittlerweile geht das Management angesichts allgemein gestiegener Baukosten von rund 70 Millionen Euro aus. Dafür, so kündigte Noetzel an, würden die OP-Säle saniert, zudem die Notaufnahme, die Radiologie und die Cafeteria, die sich guten Zuspruchs erfreue. Die Notfallpraxis werde an den Haupteingang verlegt. Um die Zahlen in Leonberg zu verbessern, setzt der Geschäftsführer auf eine Fortsetzung des Aufwärtstrends in der Geburtshilfe und auf die Spezialisierung auf die Behandlung entzündlicher Darmerkrankungen durch den neuen Chefarzt der Bauchchirurgie, Wolfgang Steurer.

Altersmedizin wichtiger Baustein

Für den Ärztlichen Direktor des Kreiskrankenhauses, Michael Sarkar, ist darüber hinaus das Thema Altersmedizin ein wichtiger Baustein zur Profilierung der Klinik. Hier werde der ohnehin große Bedarf noch weiter ansteigen. Verbesserungen im Pflegedienst, die bei der Diskussion des Fördervereins eine Zuhörerin anmahnte, wollte Jörg Noetzel nicht konkret zusagen. „Wir werden uns die Situation aber noch einmal sehr genau ansehen“, versprach der Chef des Klinikverbundes. Auf jeden Fall müsse der immense Dokumentationsaufwand verringert werden, um mehr Zeit für die Pflege selbst zu schaffen.