Neue Notunterkünfte in Sporthalle und in Böblingen. OB kritisiert Informationspolitik.

Leonberg - Eine der beiden Sporthallen des Berufsschulzentrums wird zu einer Notunterkunft umgebaut. Hintergrund: die Kreisverwaltung muss im August 349 Flüchtlinge unterbringen.

Das sind deutlich mehr als die noch vor wenigen Wochen angekündigten 250 Menschen. Deshalb will der Kreis nun neben der Halle in Leonberg auch jene der Mildred-Scheel-Schule in Böblingen für die Unterbringung von Flüchtlingen nutzen, wie in unserer Online-Ausgabe schon am Wochenende gemeldet wurde. Beide Hallen gehören dem Kreis. Wie bereits in der Sporthalle der Sindelfinger Daimler-Schule sollen in Leonberg und Böblingen zimmerähnliche Kabinen montiert werden, um den Bewohnern ein Mindestmaß an Privatsphäre zu garantieren.

„Da keine weiteren Reserven vorhanden sind, kommt der Landkreis nicht umhin, diese für den Schulbetrieb einschneidende Maßnahme zu ergreifen“, wendet sich Martin Wuttke, der Stellvertreter des Landrats, in einem Schreiben an die Schulleitungen. „Es tut uns für die Schüler leid, dass Sportunterricht ausfallen muss.“ Weil das Berufliche Schulzentrum in Leonberg eine zweite Halle besitzt und die Mildred-Scheel-Schule in der Nähe des Kaufmännischen Schulzentrums Böblingen liegt, gibt es laut dem Landratsamt für einen Teil des Sportunterrichts Ausweichmöglichkeiten. Um eine Unterbringung in Sporthallen zu vermeiden, hatte Landrat Roland Bernhard mehrfach die Kommunen im Kreis aufgefordert, Wohnraum für Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen. Die Resonanz sei jedoch zurückhaltend gewesen. In die Halle der Sindelfinger Daimler-Schule ziehen demnächst die ersten Flüchtlinge ein.

Zweifel, dass die Belegung der Leonberger Halle wirklich nötig ist, hat unterdessen Bernhard Schuler geäußert. In einem Brief, der unserer Zeitung vorliegt, fragt der Oberbürgermeister den Landrat, ob wirklich alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft wurden. In einem aktuellen Schreiben, das Bernhard an alle Bürgermeister im Kreis verschickt habe, findet Schuler „dafür keinen Beleg“. Vielmehr sei jetzt damit zu rechnen, dass demnächst etwa in Rutesheim oder anderen Orten Gemeinschaftsunterkünfte entstünden. „Aufgrund des Vorgehens und der aus meiner Sicht mangelhaften Kommunikation mache ich mir um die Stimmung vor Ort große Sorgen“, wirft der OB dem Landrat eine schlechte Informationspolitik vor.

Bevor die Turnhalle mit Flüchtlingen belegt würde, solle das Landratamt „dringend“ Thomas Koser-Fischer einbinden. Der Pfarrer der Gartenstadt, in der die Atmosphäre wegen der Unterkünfte am nahe gelegenen Krankenhaus und der geplanten Obdachlosensiedlung am Aldi-Kreisel ohnehin angespannt ist, engagiert sich in der Flüchtlingsfrage und hat einen Arbeitskreis gegründet. Es wäre „hilfreich“, wenn Bernhard eine weitere Stadt im Kreis benennen könnte, in der in der Nähe zu einer bestehenden Gemeinschaftsunterkunft eine Sporthalle mit Flüchtlingen belegt wird, verlangt Schuler. Um den Landkreis in seinen Gemeinschaftsunterkünften zu entlasten, hätte die durch „eine extrem hohe Kreisumlage geschwächte“ Stadt Leonberg im vergangenen Jahr weit mehr Personen aufgenommen, als es die Quote vorgeben hatte.