Leonberg: Homosexuelles Paar heiratet „Wir wollten endlich gleichberechtigt sein“

Verliebt, verlobt – und jetzt auch verheiratet: Harald Langer (links) und sein Ehemann Daniel Alba Agullo im Standesamt im Alten Rathaus. Foto: factum/Granville
Verliebt, verlobt – und jetzt auch verheiratet: Harald Langer (links) und sein Ehemann Daniel Alba Agullo im Standesamt im Alten Rathaus. Foto: factum/Granville

Vor Jahren noch undenkbar, jetzt Normalität: Eine Ehe zwischen Mann und Mann oder Frau und Frau – am Beispiel von Harald Langer und Daniel Alba Agullo.

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Leonberg - Seit Oktober 2017 gilt in Deutschland das Recht auf Ehe für jeden Menschen gleich – unabhängig von seiner sexuellen Orientierung. 24 Jahre nach der Abschaffung des Paragrafen 175 Strafgesetzbuch (StGB), der Beziehungen unter Männern noch unter Strafe stellte. Damit ist der gesellschaftliche und rechtliche Wandel der vergangenen zwei Jahrzehnte vorläufig am Ziel – könnte man meinen.

Doch wie sehen das Menschen, die diese gesamte Entwicklung am eigenen Leib miterlebt haben? Die wegen ihrer Sexualität viele Ängste durchgestanden haben und nun offiziell von einem Standesamt zu Mann und Mann erklärt wurden. Wie sehen das Harald Langer und Daniel Alba Agullo aus Leonberg?

Gute Beziehungen zum Bürgermeister helfen bei der Ausreise

Daniel Alba Agulllo wurde im Jahr 1944 in dem für seine alljährliche Tomatenschlacht berühmten Dorf Buñol nahe Valencia geboren. Mit 17 gelang ihm im Jahr 1961 die Ausreise aus der damaligen Diktatur Spanien nach Deutschland. „Wir hatten gute Beziehungen zum Bürgermeister damals, da wird man im Pass schnell mal ein Jahr älter“, sagt er und zwinkert. Er kam mit seinem Bruder nach Deutschland, um hier zu arbeiten.

Seine ersten Erfahrungen in Sachen Liebe machte er einige Jahre später. Er fuhr Kunstfahrrad in Villingen, sein Trainer dort war nur etwa zwei Jahre älter und „ein hübscher Kerl“, erinnert sich Alba Agullo. „Ich war bei ihm zum Abendessen, und als ich mich verabschieden wollte, ist es dann passiert.“ Für Alba Agullo brachen wilde Zeiten an, er verbrachte viel Zeit im Kreise des Stuttgarter Balletts und seines berühmten Direktors John Cranko. Er hatte noch längere Zeit Verhältnisse mit Männern und Frauen. „Aber die Frauen waren irgendwie nie so aufregend wie die Männer“, sagt er.

Gäste vom Bürgermeister bis zum Junkie

Einige Jahre später betrieb Daniel Alba Agullo in Singen ein spanisch-italienisches Restaurant. „Der Bürgermeister aß bei uns genauso wie die Junkies und der örtliche Seniorenclub“, weiß er noch gut. Toleranz war in seiner Familie immer ein wichtiger Wert. Alba Agullo ging schon früh offen mit seiner Homosexualität um.




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