Leonberg Jeder Handgriff muss im Wettbewerb sitzen

Von Ulrike Otto 

Die THW-Jugend bricht heute zum Bundeswettkampf auf. Dort will der Nachwuchs den Titel holen.

Der THW-Nachwuchs probt den Ernstfall bei Foto: factum/Bach
Der THW-Nachwuchs probt den Ernstfall bei Foto: factum/Bach

Leonberg - Klopfen, hämmern, sägen – im Hof der THW-Unterkunft in der Mollenbachstraße wird fleißig gearbeitet. Zwei Jugendliche schneiden Holzbretter zu, setzen sie zusammen zu einem Tisch samt Sitzbänken. Die sind jedoch nicht für das nächste Picknick des Technischen Hilfswerks gedacht. Ein Ausflug der anderen Art steht der Jugendabteilung bevor: Sie macht sich heute auf den Weg ins schleswig-holsteinische Neumünster zum Bundesjugendlager des THW – um dort am Bundeswettbewerb als Vertreter Baden-Württembergs teilzunehmen.

Das Szenario: ein Erdbeben

Die Sitzgruppe zu bauen, ist dabei nur eine von zwölf Teilaufgaben während des Wettkampfes. „Das Szenario ist Folgendes: Es gab ein Erdbeben. Das THW wird zu Hilfe gerufen und muss zum einen im Schadensgebiet ran und zum anderen ein Camp für die Helfer aufbauen“, erklärt Daniel Reger, der Jugendleiter des Leonberger Ortsverbandes. So muss etwa ein Verletzter aus einem teilweise eingestürzten Haus gerettet werden, wobei ein THW-Helfer selbst in einem Tunnel verschüttet wird. Auch wenn der in der Übung nur aus einem Gitterkäfig besteht. Die Herausforderungen sind bereits bekannt – bis auf vier, die erst während des Jugendlagers mitgeteilt werden. „Da gibt es ein bestimmtes Spektrum, das wir mit üben“, sagt Reger. Seit mehreren Wochen trainieren die Jugendlichen im Alter von 13 bis 17 Jahren, zuletzt jeden Tag. So sind schon einige Sitzgruppen entstanden. „Jeder Handgriff muss im Wettkampf sitzen“, sagt der Jugendleiter – und zieht gleich einmal einen Punkt ab, weil seine Jungs den Verletzten, den sie eben geborgen haben, nicht gerade sanft am Boden absetzen. „Das sind die Dinge, die am Ende den Ausschlag geben“, erklärt Reger. Denn wie eine Campdusche aufgebaut oder ein Tunnel von Trümmern befreit wird, das beherrschen die Jugendlichen.

62 Seiten Aufgabenbeschreibung

Wobei die Anforderungen knallhart und detailreich ausgearbeitet sind. 62 Seiten im A4-Format umfasst die Ausschreibung der Wettkampfaufgaben. Selbst kleine Handgriffe sind genau vorgeschrieben, etwa wie bestimmte Werkzeuge zu handhaben und wo sie wieder abzulegen sind. „Das ist wie eine Choreografie“, meint der THW-Jugendleiter. Drei Kampfrichter werden jeweils ein Team beobachten und die geforderten Punkte im 30-seitigen Fehlerkatalog abhaken.

Gewertet werden außerdem die Zeit und in diesem Jahr erstmals auch das Durchschnittsalter der Teams. Bei beiden Punkten sieht der Jugendleiter Vorteile. „Das Durchschnittsalter unseres Teams ist 14,9 Jahre“, berichtet er. Es gehört damit wahrscheinlich zu den Jüngeren im Wettbewerb. Zudem gewann die Leonberger THW-Jugend im vergangenen Jahr den Landeswettbewerb mit der schnellsten Zeit. Landes- und Bundeswettbewerb finden immer im jährlichen Wechsel statt. „Zuletzt waren wir 2012 beim Bundeswettbewerb dabei und sind Vierter geworden“, erzählt Matthias Schultheiß, der THW-Ortsbeauftragte am Engelberg.

Am Samstag wird es ernst

Zwei Jugendliche aus dem aktuellen Team waren bereits damals dabei. Pro Mannschaft gibt es zehn Mitglieder. Insgesamt fahren aber 20 Jugendliche mit, für Ersatz ist also gesorgt. 35 Mitglieder hat die Jugendabteilung insgesamt. Auch für genügend Programm ist gesorgt. So stehen Ausflüge an, Besuche im Freibad oder bei Firmen, Spiele, aber auch kleine Workshops, in denen THW-spezifische Aufgaben erlernt und geübt werden können.

Am Samstag um 13.30 Uhr ist dann der Anpfiff zum Wettkampf. Zwei Stunden bleiben den Jugendlichen Zeit, die Aufgaben bestmöglich zu erfüllen, alle 15 Wettkampfteams arbeiten gleichzeitig. „Wir wollen einen Platz auf dem Treppchen“, sagt der Leonberger THW-Chef Schultheiß. Wenn nicht gar den Sieg.

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