Leonberg KategorischerImperativ

Von Michael Schmidt 

Über das neue Führungstrio an der Leonberger Rathausspitze sinniert heute unser Redaktionsleiter Michael Schmidt. OB Bernhard Schuler bekommt mit seinem neuen Vize Ulrich Vonderheid und dem Baubürgermeister Klaus Brenner spannende Begleitung.

Der Blickwinkel diskutiert heute Leonberger Personalia Foto: LKZ
Der Blickwinkel diskutiert heute Leonberger Personalia Foto: LKZ

Leonberg - Nein, es war ausnahmsweise nicht der Hegel. Nicht einmal der Schelling oder der Hölderlin. Immanuel Kant hat den Wendepunkt in der moderneren Philosophie-Wissenschaft eingeläutet. Weil er an die Vernunft des Menschen glaubte, und damit für die Eigenverantwortung des Einzelnen innerhalb einer Gemeinschaft die Grundlagen schuf.

Ein kleiner Ausflug ins philosophische Seminar zu Tübingen, als kleiner Gruß an unsere zahlreichen Erstsemester? Keine Bange. Kant und sein „kategorischer Imperativ“ lassen sich auf Leonberg anwenden. Mehr denn je sogar. Denn ein Gemeinderat, der mit sieben Gruppierungen so heterogen wie noch nie ist, konfiguriert nun eine ebenbürtige Verwaltungsspitze. Der Begründer der theoretisch noch gültigen abendländischen Ethik setzt auf vernunftbegabte Menschen. Das ist die Voraussetzung dafür, dass man seinen Willen und damit auch sein Handeln an der Vernunft und nicht an anderen Niederungen der Seele ausrichtet – stark vereinfacht gesagt.

Die Bürgermeisterrunden werden spannend

Man braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass die künftige Dezernentenrunde sehr spannend werden dürften. Da steht der zumindest in der Vergangenheit offen ausgetragenen Konflikt zwischen dem Oberbürgermeister und seinem neuen Vize. Und dann kommt einer, der eben wenig belastet ist von den Grabenkriegen einer Großverwaltung. Dessen Grundansätze grüne Signaturen tragen könnten, der aber auch Investoren die Hand reichen will, sie in die Entwicklungsziele der Stadt gar „integrieren“ möchte.

Vom Datenblatt her könnte sich das neue Trio perfekt ergänzen, weil neben dem Einser-Juristen ein promovierter Betriebswirt und ein echter Baufachmann zusammen arbeiten . . . müssen! Leonberg kann es sich gar nicht leisten, künftig in einem Hochleistungslandkreis nicht zumindest die zweite oder dritte Geige zu spielen. Der Mangel an Geld bei gleichzeitigem Willen, den Standard zu erhalten, ist die Herausforderung. Die Vorlage, die Bernhard Schuler und Ulrich Vonderheid am Dienstag im Gemeinderat vorgestellt haben, strotzt vor gutem Willen zur Tat. Nur hat Leonberg keinen freundlichen Großsteuerzahler auf seiner Gemarkung, so wie es in Weissach, Sindelfingen, Gerlingen und demnächst Renningen der Fall ist.

Keine Zeit für Experimente

Diese Randbeobachtung sei gestattet: Genau genommen sind es genau vier große Top-Player, die den Wohlstand der Region befeuern: Porsche, Bosch, Daimler – und der Mittelstand, die via Gewerbe- und Lohnsteuer die Kommunen finanzieren. Ist jemand als Repräsentant der Autohauptstadt geeignet, der in Berlin als Fraktionschef der Grünen noch vor fünf Jahren gegen großvolumige Autos zu Felde zog? Zumal er vor seinem Ruhestand politisch nichts mehr zu verlieren hat.

Keine Zeit und kein Geld für Experimente wird jedenfalls das neue Führungstrio im Leonberger Rathaus haben. Es besteht begründete Hoffnung, dass sich deshalb die Herren mit der nötigen Portion Vernunftbegabung begegnen. Sie sind allesamt Profis und können auf berufliche Erfolge verweisen. Und noch eine Randnotiz: Sie sind allesamt Familienväter. Kompromissbereitschaft ist ihnen also nicht fremd.




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