Leonberg Der kleine Mann gibt nicht auf

Neben dem Galileo trägt der kleine Junge spezielle orthopädische Schuhe und muss einmal in der Woche zur Physio- und Ergotherapie, um seine Beweglichkeit zu erhalten. Außerdem muss er seit September Kortison einnehmen. „Das Kortison hat natürlich seine Nebenwirkungen. So hat Emil dadurch zum Beispiel stark im Gesicht zugenommen. Aber das Medikament hat auf jeden Fall dazu geführt, dass er mobiler geworden ist und kaum noch hinfällt“, sagt seine Mutter. „Im Moment befindet sich er in einer Plateauphase, in der immer noch alles gut ist. Doch danach geht es schnell bergab. Wir können nur hoffen, dass die Plateauphase möglichst lange anhält.“

Am Wochenende unternimmt die Familie sehr viel und fährt meistens in den Freizeitpark. „Emil liebt den Europapark. Er findet es toll, sich Shows anzugucken und Karussell zu fahren. Mit seinem Behindertenausweis darf er immer gleich fahren und kann einfach an den langen Schlangen vorbeigehen. Das findet er toll“, sagt Emils Mutter lachend. „Wir nennen seinen Behindertenausweis deshalb immer die Zauberkarte.“ Neben den Freizeitparkbesuchen stehen für Emil immer wieder neue Erlebnisse auf dem Programm. Ob eine Flughafenführung, eine Fahrt mit dem Porsche oder eine Reise auf der Aida zum Nordkap – Emils Eltern lassen sich immer wieder etwas Neues einfallen. So erzählt der Junge ganz stolz: „Wenn man fünf Jahre alt ist, darf man alleine fliegen. Und ich habe mich das getraut.“

Er soll sich wehren können

Damit Emil sich unter der Woche nicht langweilt, geht er zum Kids Wing Tsun. Es handelt sich dabei um einen Selbstverteidigungskurs, bei dem er lernt, wie er sich wehren kann. „Wenn etwas passiert, kann Emil nicht wegrennen. Deshalb war es mir wichtig, dass er lernt, wie er sich verteidigen kann“, sagt seine Mutter. Außerdem geht Emil jeden Donnerstag zum Turnen. „Wir werden dabei toll vom Kinder- und Jugendhospizdienst unterstützt“, sagt Ellen Lieckfeldt lächelnd. „Darauf freut Emil sich immer sehr.“

Wenn alles nach Plan läuft, soll Emil im September in die Grundschule kommen. Das gestaltet sich allerdings nicht so einfach, denn kaum eine Schule ist rollstuhlgerecht. „Ich hoffe sehr, dass Emil mit seinen Freunden in die Mörikeschule gehen kann. Aber ich weiß noch nicht, ob es klappt. Denn es gibt ganz viele Treppen, die Toiletten befinden sich im Keller und es gibt keinen Aufzug. Das kann Emil kaum schaffen“, sagt Ellen Lieckfeldt nachdenklich. Trotz allem gibt Emils Mutter nicht auf und füllt einen Stapel an Papieren nach dem anderen aus, um Emil zu ermöglichen, in eine ganz normale Grundschule zu kommen. „Eine Körperbehindertenschule ist für mich keine Option. Emil ist teilweise sogar kognitiv weiter als andere Kinder und sollte nicht als eingeschränkt abgestempelt werden.“

Alles dreht sich um das Kind

Bald geht es für die ganze Familie für drei bis vier Wochen nach Boltenhagen zur Familienrehabilitation. Sie soll die Zeit dafür schaffen, alles was passiert ist psychologisch verarbeiten zu können. „Ich habe fast nie die Zeit, mich mit meinem Mann in Ruhe hinzusetzen und darüber zu reden. Wir machen alles, um Emil alles Mögliche zu zeigen. Dabei bleibt die Zeit einfach auf der Strecke“, sagt Emils Mutter nachdenklich.

Doch kurz darauf erhellt sich ihr Gesicht wieder. „Wir sind den Leuten sehr dankbar, die uns unterstützen. Man merkt, dass viele Dinge nicht selbstverständlich sind und dass man für Vieles kämpfen muss. Wir wissen nicht, was mit Emil passieren wird. Aber wir können versuchen, ihm alles zu ermöglich, was er sich erträumt. Und jedes Mal, wenn ich sein Lächeln sehe, weiß ich, dass wir das Richtige tun.“




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