Leonberg Klassiker oder lieber kitschiger Klamauk?

Von Florian Mader 

Jetzt fehlen wirklich nur noch eine Baguette-Tröte und die Baskenmütze. Dann kann die EM beginnen.

Bei so viel Auswahl dauert die Anprobe auch schon mal länger. Foto: factum/Bach
Bei so viel Auswahl dauert die Anprobe auch schon mal länger. Foto: factum/Bach

Leonberg - Wenn am Freitagabend endlich die Tröten und Trommeln mit viel Trara aus der Tiefe der Versenkung gekramt werden, dann bekommen es auch die knitzen, un- und unterbewanderten Ball-Ignoranten eingeblasen: Sie fangen an, les championnats d’Europe in Fronkreeiiisch.

Während die Elf der Grande Nation dann um 21 Uhr gegen Rumänien ihrer beruflichen Tätigkeit nachgeht, darf der Altkreisler von Welt auf keinen Fall oben und unten ohne dastehen.

Wobei er und sie dann schon fast ein bisschen spät dran ist. „Die Leute stürmen uns schon seit zwei Wochen die Bude“, berichtet Gabriele Post, die Geschäftsführerin der Leonberger Karstadt-Filiale. Denn wer meint, mit einem womöglich selbst genähten Trikot und der beantworteten Frage „Wie koche ich eigentlich Schnitzel-mit-Kartoffelsalat?“ sei man für die vier wilden Wochen gerüstet, der irrt.

Autofahnen und Spiegelüberzieher gehen immer noch

Denn ein Trikot und das Standardgericht verbucht der Fußballkenner allenfalls unter dem euphemistisch-lässigen Begriff des „Klassikers“. Wobei mittlerweile bereits noch ganz andere Ausstattungsgegenstände bei den Fachleuten unter dem Begriff des Klassikers gehandelt werden.

So drückt es jedenfalls Gabriele Post aus: „Die Leute kaufen natürlich immer noch Autofahnen und Überzieher für den Autospiegel – das sind eben die Klassiker.“ Denn wer wirklich Up-To-EM-Date sein will, der greift zu Bierdeckeln, EM-Schmuck und – wir Freunde sind zu Gast in Fronkreeiiisch – dem Tröten-Baguette und der Deutschland-Baskenmütze.

Wobei beim Thema Klassiker noch was fehlt, oder? Gibt’s die guten alten Panini-Sticker noch? „Klar, die kauft zurzeit Jeder“, berichtet Elke Strelow, die Wolsdorff-Filialleiterin. „Also Kinder und Jugendliche, aber auch Großeltern für ihre Enkel – und Männer.“ Aber die wahrscheinlich für sich. Ihre Frauen bevorzugen da ein abziehbares Tattoo. „Solche Tattoos sind seit dem vergangenen Sommer der absolute Renner“, erklärt Nadine Pflanz, die Douglas-Filialleiterin. Klar, dass sie jetzt im Deutschland-Look lieferbar sind.