Leonberg: Kochen im Seehaus Gesunde Ernährung mit allen Sinnen

Von Henning Maak 

Nachwuchsführungskräfte von Bosch opfern einen Teil ihres Urlaubs und engagieren sich für jugendliche Straftäter aus dem Seehaus.

Nachwuchsführungskraft Rana Stoll (Zweite von links) bespricht mit ihrer Gruppe, wie es weitergeht. Foto: factum/Weise
Nachwuchsführungskraft Rana Stoll (Zweite von links) bespricht mit ihrer Gruppe, wie es weitergeht. Foto: factum/Weise

Leonberg - Tobias Faulhaber und Rana Stoll sitzen im Kreis von 15 jugendlichen Straftätern im Schickhardt-Forum des Seehauses. Tobias Faulhaber lässt einen Karton mit einem Loch herumgehen, in den die Jungen im Alter von 18 bis 21 Jahren hineingreifen sollen und sich merken, was sie erfühlen. Als der Karton einmal die Runde gemacht hat, kommen die Antworten wie aus der Pistole geschossen: Karotten, Zucchini, Ingwer, Knoblauch, Zitrone, Linsen und schließlich auch Sellerie.

Anschließend erklärt Tobias Faulhaber, der ebenso wie seine Kollegin Rana Stoll zum Talentpool für Nachwuchsführungskräfte bei der Firma Bosch gehört, welche Vorzüge die einzelnen Gemüsearten haben: „Zitronen sind echte Vitamin-C-Bomben und stets preiswert zu haben, weil sie viermal im Jahr geerntet werden“, sagt er zum Beispiel. Und er hat sogar einen Tipp gegen Kater nach heftigem Alkoholgenuss: „Einfach eine Zehe Knoblauch essen, bevor man ins Bett geht.“ Rana Stoll ergänzt, dass in Südkorea ganze Knoblauchzehen auf den Grill gelegt würden.

Schokopudding mit Chiasamen

Dann verraten die beiden Bosch-Nachwuchsführungskräfte, was sie zusammen mit den Jugendlichen mit diesen gesunden Zutaten kochen wollen: Linsensalat, Hähnchen- und vegetarische Spieße. Einen besonderen Clou hat sich Tobias Faulhaber für den Nachtisch einfallen lassen: Der Wirtschaftsingenieur hat ein Rezept für einen Schokopudding aufgetrieben, in den Chiasamen hineinkommen. Als er eine Tüte mit dem viel gelobten Superfood in die Runde gibt, öffnen die Jugendlichen interessiert die Verpackung und lassen einige Samen von Hand zu Hand gehen.

Anschließend verteilen sich die 15 Jungs auf zwei Gruppen, wobei darauf geachtet wird, dass die leidenschaftlichen Hobbyköche auf beide Teams gerecht verteilt werden. Dann erklärt Tobias Faulhaber die Spielregeln: „Jede Gruppe kocht das Essen für die andere Gruppe und versucht sie von ihrem Ergebnis zu überzeugen“, sagt er. Wer Unsinn mache und Tomatenketchup in den Schokopudding mische, müsse diesen selbst essen.

Improvisieren ist erlaubt

Er verteilt die Rezepte und gibt noch ein paar Tipps: „ Fangt mit den Sachen an, die am längsten brauchen und legt einen Chef fest, der den Überblick behält, aber auch einen Rüffel kriegt, wenn es nicht schmeckt“, rät er. Und auch wenn es Rezepte gebe, dürften beide Gruppen dennoch gerne improvisieren. Dann gehen in den beiden Wohngemeinschaftsküchen im ersten und zweiten Stock im Seehaus die Radios an, und die Jugendlichen machen sich an die Arbeit. „Essenszeit ist 12 Uhr“, schlägt Tobias Faulhaber vor.

Je zwei Tage über einen Zeitraum von acht Wochen gestalten er und Rana Stoll das Ferienprogramm für die Seehaus-Jugendlichen. „Wir haben Bewerbungstrainings gemacht, eine Werkführung, haben einen neuen Seehaus-Film gedreht und waren zusammen klettern“, zählt Tobias Faulhaber einige der Aktivitäten auf. Soziales Engagement werde bei Bosch von den Nachwuchsführungskräften gefordert, erzählt er. „Aber es macht auch riesig Spaß, wenn man in strahlende Gesichter sieht und so ein Feedback kriegt“, ergänzt er.

Auf das Kochprojekt sei er gekommen, weil er selbst gern koche, eine Leidenschaft, die er von seinem Vater geerbt hat. „Der hat sogar mal ein Praktikum bei Paul Bocuse gemacht“, erzählt er.




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