Leonberg Krankheit führt häufig auch noch zu Geldproblemen

Von Arnold Einholz 

Die LKZ-Aktion „Lichtblicke“ gibt unverschuldet in Not geratenen Menschen einen Funken Hoffnung.

„Lichtblicke“ will Hoffnung schenken. Foto: Archiv
„Lichtblicke“ will Hoffnung schenken. Foto: Archiv

Leonberg - Eine Erkrankung kann das Leben von einem Tag auf den anderen auf den Kopf stellen. Und was heute als selbstverständlich gilt, kann morgen schon ein Ding der Unmöglichkeit sein. Handelt es sich noch dazu um eine schwere Krankheit, bringt sie nicht selten die gesamte Familie in eine finanzielle Schieflage. Soziale Netze sind zwar da, um die Menschen abzufangen, aber auch die können nicht alles wieder ins Lot bringen.

„Einen so schnellen Verlauf einer demenziellen Erkrankung habe ich noch nie erlebt“, sagt Jürgen Rein, der Leiter der Sozialen Dienste der Stadt. Dabei hat er in den drei Jahrzehnten, die er in Leonberg tätig ist, in seinem Amt viel Leid gesehen.

Das Ehepaar, sie 63, er 60, habe bis vor Kurzem noch ein beschauliches Leben geführt. Das Einkommen war durchschnittlich, man konnte sich so manches leisten. Begonnen hat es damit, dass der Mann vor einigen Monaten häufig etwas vergas und Sachen machte, die dann beide irgendwie komisch fanden, doch das Leben ging weiter. Er ging seiner Arbeit nach, sie kümmerte sich als Rentnerin um den Haushalt. Bis eines morgens der 60-Jährige seine Ehefrau anschaute und fragte „Wer sind Sie?“ Doch weil sich dieser Zustand schnell legte, maßen die beiden dem Aussetzer keine große Beachtung bei. Der Mann ging weiter zur Arbeit – alles war anscheinend wieder ganz normal. Bis auf den Morgen, der sich wie mit Feuer in das Gedächtnis der Frau eingeprägt hat.

Als sie morgens aufwachte, lag ihr Ehemann neben dem Bett, blickte sie mit leeren Augen an und winkte ihr zu. Von da an war seine ganze Persönlichkeit wie weggewischt. Die geistige Umnachtung ist derart akut, dass der Mann zum völligen Pflegefall wurde. Weil er aber körperlich noch sehr fit ist, versucht er immer wieder wegzugehen, was seine Pflege zusätzlich erschwert.

Nun ist das Einkommen des Mannes weggebrochen, die Lebensversicherung muss aufgelöst werden, um die Pflegekosten bezahlen zu können. Weil keine Vorsorgevollmacht vorliegt, gestaltet sich alles sehr langwierig. Bis ein Gutachten vorliegt und die gesetzliche Betreuung des Mannes geregelt ist, vergehen in der Regel mehrere Monate. Und so muss die Frau, bis alles voraussichtlich Ende Februar in geregelten Bahnen verläuft, alle Ausgaben mit ihrer kleinen Rente bezahlen. Insbesondere die Miete ist ein Problem, doch die Frau will nicht in Rückstand geraten oder riskieren, dass ihr womöglich gekündigt wird.

Auch junge Menschen sind betroffen

Eine Krankheit kann aber auch junge Menschen in finanzielle Not bringen, wie der Fall eines 36-jährigen Mannes aus Leonberg zeigt. Bis vor etwa anderthalb Jahren hat er noch als Lagerist und Fahrer gearbeitet. Bis ihn dann die Diagnose Leukämie wie ein Blitz aus heiterem Himmel traf. Er wird seitdem behandelt und er war auch immer wieder im Krankenhaus.

Im Moment geht es ihm einigermaßen gut und er möchte sich wieder Arbeit in Teilzeit suchen. Auch wenn er eigentlich noch zu schwach ist, möchte er finanziell wieder auf die Beine kommen und ein einigermaßen normales Leben führen.

Derzeit lebt er lediglich von Arbeitslosengeld II – und das bedeutet ein Leben am Existenzminimum. Der junge Mann leidet auch sehr unter dem sozialen Abstieg, der nur wegen der Krankheit kam. Er hat früher zwar nie viel verdient, aber es hat für ihn und ein einfaches Leben ausgereicht. Zum Glück hat er gute Freunde, die ihn psychisch unterstützen und ihm beistehen. Jetzt in der kalten Jahreszeit fehlt es dem jungen Mann an entsprechender Kleidung, sodass „Lichtblicke“ ihn unterstützen wird.

Kosten für die Beerdigung sind eine zu große Hürde

Welche Auswirkungen ein Unfall und Krankheit haben können, zeigt ein weiterer Fall. Der Mann ist 62, seine Frau 56 Jahre alt. Wegen eines Arbeitsunfalls vor zehn Jahren bezieht der 62-Jährige nur eine kleine Erwerbsminderungsrente. Seine Frau, die keinen Beruf erlernt hat, arbeitet auf 450-Euro-Basis als Reinigungskraft. Dazu erhält sie aufstockende Leistungen vom Jobcenter. Die Miete der Familie beträgt 600 Euro und liegt damit über der Mietobergrenze, die vom Amt bezuschusst wird, sodass das Ehepaar jeden Monat einen Teil der zum Leben vorgesehenen Mittel für die Wohnkosten aufbringen muss. Der Vater der Frau ist vor Kurzem verstorben. Durch die Kosten der Beerdigung konnten sie für einen Monat keine Miete bezahlen. „Lichtblicke“ hilft nun, damit die Familie nicht noch mehr in die Schulden rutscht.