Im Sommer 2025 soll die Brache im Leonberger Zentrum vorübergehend zu einer Experimentierfläche der Bürger werden.
Ein bunter Querschnitt aus den rund 150 Leonberger Vereinen und Initiativen ist an diesem Abend bei dem Workshop zur Zwischennutzung des bis zum Baubeginn brachliegenden Postareals mit etwa 50 Teilnehmern vertreten. Das Seehaus ist bei dem Event im Leonberger Rathaus mit dabei, die Volkshochschule, der Jazzclub, das Strohländle, die griechische Gemeinde, der internationale Rat, das Lokal Zweitwohnung, die mobile Jugendarbeit, das Jugendhaus, der Stadtseniorenrat und zahlreiche andere. Eingeladen haben die Strabag als Projektentwickler des neuen Wohn- und Geschäftsquartiers und die mit der Organisation der Zwischennutzung beauftragte Agentur „Planbar hochdrei“ aus Stuttgart.
Von Mai bis September 2025 und eventuell auch darüber hinaus kann das Gelände der ehemaligen Hauptpost bis zum Beginn der Bauarbeiten, die 2026 starten werden, von „kreativen Machern“, wie es in der Ausschreibung heißt, genutzt werden. Damit soll das Gebiet belebt und die Nachbarschaft gestärkt werden. Im Workshop wurden jetzt erste Ideen und Bedarfe der Bürgerinnen und Bürger gesammelt.
Keine Sportvereine dabei
Man sitzt ganz modern auf Hockern aus Pappkarton, bis es an die fünf Thementische zur Ideenfindung geht. Nur Sportvereine sind keine dem Aufruf zum Workshop gefolgt. Das mag an dem Bodenbelag liegen, der auf dem Gelände zur Verfügung stehen wird: Sand, Kies und Schotter auf über 3000 Quadratmetern und im hinteren Bereich rund 700 Quadratmeter gewachsener Boden mit Gefälle. Der Asphalt wird Stand heute abgetragen.
Vor allem die Infrastruktur auf dem Gelände interessiert die Teilnehmer, der entsprechende Thementisch, moderiert von Dörte Meinerling, der Geschäftsführerin von „Planbar hochdrei“, steht in allen drei Talk-Runden im Mittelpunkt. Viele Ideen und vor allem Fragen werden formuliert: Eine Bühne wird gewünscht, der Boden sollte zumindest in Teilbereichen asphaltiert und damit barrierefrei sein, auf dem Gelände sollten ausreichend Toiletten, Wickelmöglichkeiten und eine Beschattung vorhanden sein. Auch wird nach einer Absicherung zur Straße hin gefragt, ob es für längerfristige Projekte die Möglichkeit gibt Mobiliar zu einzuschließen, ob es einen Sicherheits- und Wachdienst in der Nacht geben wird, wie es mit Fluchtwegen und Rettungszufahrten aussieht, und letztendlich wichtig schien den Teilnehmern die Frage, wer für diese grundlegenden praktischen Fragen den Hut aufhat.
Stadt bleibt wirkt nur im Hintergrund
Die Organisatoren des Abends betonen, dass in Sachen Infrastruktur noch alles offen sei, und davon abhänge, was für Ideen eingereicht würden. Klar ist nur, es wird Strom und Wasser geben. Beschattung und Mobiliar könnten in gemeinsamen Workshops vor Ort gebaut werden. Die Idee kommt auf, dass sich ein Gremium aus dem Kreis der Nutzer bilden könnte, das sich um grundlegende Fragen der Infrastruktur kümmert.
Baubürgermeister Klaus Brenner macht deutlich, dass es organisatorisch ein Projekt der Strabag und der Bürger ist und nicht der Stadtverwaltung, die aber im Hintergrund wirken wird, wenn es beispielsweise um Wasseranschlüsse geht.
Inhaltlich stehen Ideen für Veranstaltungen, Konzerte und Workshops im Mittelpunkt. Ein Vorschlag ist, dass es einen zentralen Marktplatz als Treffpunkt geben sollte, der für alle niederschwellig zugänglich ist. Foodtrucks könnten die Verpflegung sicherstellen und auch an eine Wasserstelle für Hunde hat eine Teilnehmerin gedacht. Jugendliche hätten gerne einen abgetrennten Bereich, eine eigene „Chill-Area“ zum Verweilen ohne Konsumzwang, mit Sichtschutz zu den anderen Besuchern, wo sie möglichst bis in die Nacht hinein „abhängen“ könnten. Ein Flohmarkt, Radreparatur-Workshops, Urban-Gardening, ein Pflanzenflohmarkt und ein Repaircafé sind weitere erste Ideen. Nun bleibt es abzuwarten, welche Projekte tatsächlich eingereicht und dann umgesetzt werden.
Maximilian Schuster von der Strabag ruft alle Interessenten auf, zunächst ganz unabhängig von den noch offenen Fragen zur Infrastruktur ihre Projektvorschläge einzureichen und dabei die Anforderungen zu formulieren, die für die jeweilige Aktion nötig wären. Die Organisatoren entscheiden dann, welche Vorschläge machbar sind.
Kurze Projektbeschreibungen können bis zum 15. Februar eingereicht werden. Sowohl eine Bespielung von Teilflächen über den gesamten Sommer als auch einzelne Events sind willkommen. Informationen und Formulare gibt es unter: www.postareal-leonberg.de. Ansprechpartnerin bei „Planbar hochdrei“ ist Lara Rist, Telefon: 0711 / 62 07 17 23. Die offizielle Eröffnung der Zwischennutzung des Postareals findet am 10. Mai 2025 statt, dem deutschlandweiten Tag der Städtebauförderung.