Nach halbjährigem Leerstand wollen zwei alte Bekannte für kulinarische Höhenflüge mit Blick auf den Stadtpark sorgen. Laki und Theo, einst im Eltinger Ochsen, dann im Weissacher Strudelbachhof, bitten ab dem 30. Januar ins Corfu-Palace.
Leonberg - Der Lärm von Bohrern und Hammerschlägen schreckt nicht jeden ab. Bis in die im Untergeschoss liegende Küche kämpft sich ein älterer Herr vor. Er will einen Tisch reservieren. Für die kommende Woche. Doch Theodorus Antoniou muss ihn um Geduld bitten. Das Corfu Palace, das neue Restaurant in der Stadthalle, eröffnet erst am 30. Januar.
„So geht das jeden Tag“, sagt der Restaurantleiter, der seit seit drei Monaten tagsüber das weiße Jackett gegen einen Maleranzug eintauscht. „Die Leute wissen, dass wir bald eröffnen. Und viele wollen rechtzeitig reservieren.“
In der Tat geht Ende Januar eine mehr als halbjährige Vakanz zu Ende. Musste doch im Juli 2014 das bisherige Stadthallen-Restaurant „Vernissage“ schließen. Der Betreiber hatte Insolvenz angemeldet. Seitdem ist in der „guten Stube“ Leonbergs in der Römerstraße die Küche kalt.
Gehobene Küche aus der griechischen Heimat
Doch nicht mehr lange. Der Oberbürgermeister persönlich hatte sich im vergangenen Sommer daran erinnert, dass sich die Leonberger Restaurantfachleute Theodoros Gogas und Vassilios Memmos schon einmal für die Stadthalle interessiert hatten. Die beiden betreiben seit siebeneinhalb Jahren den Strudelbachhof in Weissach. Dort bieten sie gehobene Küche aus ihrer griechischen Heimat.
Die kommt nicht nur bei den Gästen in Weissach an. Ein Großteil des Publikums kommt seit eh und je aus Leonberg. Denn auch dort haben Memmos, den seine Gäste liebevoll „Laki“ nennen, und Gogas, der „Theo“, einen guten Ruf. Mehr als 25 Jahre hatten sie den Eltinger Ochsen betrieben. Bei Gyros und Rostbraten, Retsina und Pils, trafen sich dort Alteingesessene und Neulinge, Stadträte und Landwirte.
2007 hatten die beiden Griechen die Chance, ihre Vorstellungen von gehobener mediterraner Küche in größerem Rahmen zu realisieren. Ihnen wurde das Restaurant der Strudelbachhalle in Weissach angeboten. Sie griffen zu. Seither zeigen Laki und die beiden Theos im Corfu Palace, das sie nach ihrer Heimatinsel benannt haben, dass griechische Küche aus mehr besteht als Zeus-Platte, Souvlaki oder Bifteki. Sie servieren Spezialitäten, die der Kenner nur in hellenischen Tavernen fernab der Touristenrouten entdeckt. Dazu gibt es Weine innovativer Winzer aus Nordgriechenland, die internationales Niveau haben.
Endlich Kontinuität
Dieses kulinarische Konzept überzeugte den Gemeinderat. Im Herbst sprachen sich sich die Politiker für die Griechen als Betreiber aus. Viele der Ratsmitglieder hatten sich zuvor persönlich von der Qualität des Restaurant-Teams überzeugt.
Soll doch endlich Kontinuität in der Stadthallen-Restauration einziehen, nachdem es in den Vergangenheit immer wieder Probleme gegeben hatte, Seit Oktober sind Gogas, Memmos und Antoniou mit Umbauten beschäftigt. Die Küche wurde aufwendig renoviert, die Gasträume haben eine neue Verkleidung. Magentafarbene Wände, unterbrochen von Marmorstreben und Glaselementen, die die Farbe wechseln. Dazu ein modernes Mobiliar. Das Restaurant ist kaum wieder zu erkennen. Die Toiletten werden komplett erneuert. Der Thekenbereich bekommt hohe Tische und Barhocker.
„Die Besucher der Stadthalle können nach der Veranstaltung in Ruhe ein Glas Wein und einen kleinen Imbiss genießen“, verspricht Vassilios Memmos. „Niemand wird vor verschlossenen Türen stehen.“
Ihre Feuertaufe hat die neue Restaurant-Mannschaft bereits bestanden. Kurz vor Weihnachten, beim Unternehmerempfang der Stadt, hatten sie ein mediterranes Büffet serviert. Die Gäste waren von den Leckereien durchweg begeistert.
Seither haben sie bei zahlreichen Tagungen den Hunger der Konferenzteilnehmer gestillt. Jetzt aber brennen die Inhaber auf den 30. Januar, um endlich den Leonbergern ihre kulinarische Kreationen nahebringen zu können. Wer es mit mediterranen Speisen nicht so hat, muss sich nicht grämen. Im neuen „Corfu Palace“ gibt es natürlich auch Rostbraten oder Schnitzel.
Auch in Weissach wird kein kulinarischer Notstand ausbrechen. Ein neuer Pächter für den Strudelbachhof ist bereits gefunden: ein Grieche natürlich.