Die Mitglieder des RFV zeigen, dass „Tabaluga“ und „König der Löwen“ auch zu Pferd ein Genuss sind.
Leonberg - Es begab sich aber zu der Zeit – wer wie auf die reitsportliche Inszenierung der Geschichte von Jesu Geburt gesetzt hatte, erlebte beim traditionellen Weihnachtsreiten im Reiterzentrum am Tilgshäusle eine Überraschung. Diesmal mussten die Protagonisten der Weihnachtsgeschichte auf ihren Auftritt verzichten. „Mal was ganz anderes wollten die zumeist jugendlichen Reitsportler zeigen“, bereitete Jugendwartin und Moderatorin, Theresa Brendle, die Zuschauer auf die folgenden Musical-Klassiker vor.
Die Reithalle des Reit- und Fahrvereins (RFV) Leonberg glich am späten Samstagnachmittag dem Nullgradfach eines Kühlschranks, doch zum Titelsong von „Mamma Mia“ machten die Reitermädchen auch zu Fuß und teilweise nur mit einem sommerlichen Top bekleidet, eine gute Figur. Mit Takt, Losgelassenheit und Schwung zeigen sie eine beschwingte Tanzchoreografie, deren Gelingen nach den Worten des Vereinsvorsitzenden Dieter Berg bei der Generalprobe so noch gar nicht vorauszusehen war. „Der Programmpunkt ohne Pferd zeigt, wie vielseitig unsere Mitglieder und alle Jugendlichen sind“, sagte er begeistert. Theresa Brendle führte durch das Programm und bezog die Zuschauer mit Quizfragen zu den Musicals ein. Eifrig wurde für Gutscheine für Punsch oder Glühwein gerätselt.
„Der König der Löwen“ mit Lametta-Mähne
Zu flotten afrikanischen Rhythmen aus dem „König der Löwen“ zeigten je zwei Rappen und Schimmel mit ihren aufwendig verkleideten Reitern eine muntere Dressurquadrille. Die Kostüme dazu hatte Ute Hintermeyer mit viel Liebe zum Detail genäht. Lametta in Mähne und Schweif hinterließen dennoch Weihnachtsfeeling. Gute Unterhaltung und reiterliches Können boten im anschließenden Pas de Deux Jörg Beerhenke und Corinna Gutjahr. Deren Stute Sacrefleure gruselte sich mit jeder Runde mehr vor der bunten LED-Lichterkette um die nachgebaute Leonberger Stadtkulisse an der Hallenwand. Gelassen und souverän lenkte die Reiterin das ängstliche Pferd immer wieder zurück.
Sehr viel gelassener und nahezu perfekt gelang den Reitschulkindern die große Dressurquadrille mit zwölf Pferden zum Thema „Tanz der Vampire“, die sie im Vorgriff auf die Rückkehr des Musicals nach Stuttgart im nächsten Jahr mit ihrer Reitlehrerin Nicole Jeutter einstudiert hatten. Fledermäuse wippten lustig in Schweif und Mähnen der Schulpferde des Vereins. Beim Auftritt der Gruppe unter der nagelneuen, modernen LED-Beleuchtung in der Reithalle ging alles glatt. Noch bei der Generalprobe am Morgen hatte das anders ausgesehen. „Gestern sind die Pferde reihenweise durchgegangen und heute Morgen hat ständig der Lautsprecher geknackt und sie sind losgaloppiert“, erzählte Jeutter.
Akrobatik bei „Tarzan“
Mit dem Musical „Tarzan“ hatten die Voltigierer sich ein passendes Thema gewählt. Auf gewohnt hohem Niveau zeigten sie zuerst am Boden Elemente ihres Turn- und Akrobatiktrainings. Flickflack, Handstand, Hebefiguren und Würfe sind Alltag für die athletischen Pferdesportlerinnen. Auf dem Fasspferd und später auf dem Pferd präsentierten sie anspruchsvolle Ausschnitte einer Kür.
Die Ponygruppe thematisierte das Peter-Maffay-Musical „Tabaluga“. Rund um den kleinen Drachen kreierten die jüngsten Nachwuchsreiter auf den Ponys und zu Fuß ein buntes Schaubild, das sie mit der Reitlehrerin Silke Kaupp einstudiert hatten. Katrin Malchin sang live dazu. Eine außergewöhnliche musikalische Darbietung zeigte die Geigerin der Staatsoper Stuttgart, Bettina Penzel, die virtuos das Pas de Deux ihrer beiden Töchter mit dem Saiteninstrument begleitete. Doch ganz ohne weihnachtliche Hauptdarsteller kam auch das Weihnachtsprogramm des RFV nicht aus. Der Nikolaus flog zum Abschluss auf seinem Pony im fliegenden Galopp über das Hindernis, um die ungeduldigen Kinder zu bescheren. Zuvor erhielten die festen Mitarbeiter des Vereins noch ihr Dankeschön für ihre Arbeit für Mensch und Tier auf der Anlage.
Seit Oktober haben die Kinder und Jugendlichen in zahlreichen Extrastunden an den Wochenenden die Tanz- und Reitvorführungen geübt, erzählte Theresa Brendle. Noch am vergangenen Wochenende hätten zehn Mädchen in der Weil der Städter Bäckerei Diefenbach fünf Stunden lang Plätzchen aus sechs Kilogramm Teig gebacken, den die Bäckerei für die Veranstaltung gestiftet habe. Das Publikum hat das etwas andere Format des Weihnachtsreitens mit großem Applaus belohnt.