Leonberg Neben der Römergalerie kann gebaut werden

Von Thomas K. Slotwinski 

Ein weiteres wichtiges Element für die Stadtachse ist auf dem Weg. Der Gemeinderat gibt grünes Licht für einen Neubau mit 32 kleinen Wohnungen und womöglich einem Pflegeheim. Der heimische Investor Mörk will bis 2019 fertig sein.

So soll es hier 2019 ausschauen. Foto: ARP-Architekten
So soll es hier 2019 ausschauen. Foto: ARP-Architekten

Leonberg - Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. So gibt es unterschiedliche Äußerungen, als sich der Gemeinderat mit einem Projekt beschäftigt, mittels dessen der unansehnliche Bereich zwischen dem Rathaus-Neubau und der Römer-Galerie verschönert werden soll.

Doch was ist schöner? Bernd Murschel erinnert das geplante Gebäude eher an ein Römerkastell. „In der Mitte ist der Sammelplatz für die Garnison“, spöttelt der Fraktionschef der Grünen. Er befürchtet gar, dass das Gebäude die benachbarte Schelling-Schule förmlich zustellen könnte: „Das muss doch verträglich zur Schule sein.“

Seine Kollegen von der politischen Konkurrenz sind auf das Bauvorhaben, in dem 32 kleine Wohnungen und womöglich ein Pflegeheim mit 75 Plätzen geplant sind, deutlich besser zu sprechen. „Wir begrüßen es sehr, dass sich dort etwas tut“, sagt Christa Weiß. Murschels Befürchtungen, dass der Neubau noch massiver als die Römergalerie werden könnte, teilt die Vorsitzende der SPD-Fraktion nicht. Im Gegenteil: „Das Stadtbild wird verbessert.“ So weit will Axel Röckle zwar nicht gehen. „Aber wir sind hier im Kerngebiet“, erklärt der Fraktionschef der Freien Wähler. „Da ist eine dichtere Bebauung vorgesehen.“

Pflegeheim und Wohnungen unter einem Dach

4500 Quadratmeter soll das Haus groß werden und vier Etagen oberhalb des Erdgeschosses haben. Zwei davon sind für das Pflegeheim vorgesehen, zwei für Wohnungen. Die wiederum haben maximal zwei bis drei Zimmer, sind also für Einzelpersonen oder Paare geeignet. Das oberste Stockwerk ist aus optischen Gründen zurückgesetzt. Eventuell könnte auch die Sozialstation hier ihr Domizil finden.

Ein städtebaulicher Aspekt ist den Kommunalpolitikern besonders wichtig: Das neue Rathaus, das zum Jahreswechsel bezogen werden soll, bleibt das dominierende Gebäude der zukünftigen Stadtachse. „Der geplante Komplex ist ein Stockwerk niedriger als das künftige Rathaus“, stellt Wolfgang Schaal (Freie Wähler) zufrieden fest.

Auch die Nutzung des Erdgeschosses, hier sind ein Eckcafé mit Außengastronomie und weitere Lokale vorgesehen, betrachten die Ratsmitglieder mit Wohlwollen. Und ein breiter Bürgersteig, der Baubürgermeister Klaus Brenner besonders am Herzen liegt, stößt auf große Zustimmung. Einziger Wermutstropfen: „Ich fürchte, wir haben zu wenig Besucherparkplätze“, warnt die CDU-Fraktionschefin Elke Staubach.

Kommt es zu einem Parkproblem?

Tatsächlich sind 44 Stellplätze in einer Tiefgarage vorgesehen. Darüber hinaus soll es weitere Plätze in der kleinen Stichstraße geben, die das Gelände vom Rathaus trennt. Zumindest Kurzparkplätze könnten noch direkt an der Eltinger Straße entstehen. Doch bei dieser Perspektive sorgt sich Birgit Suckut (Grüne) um die Qualität des verbreiterten Bürgersteigs im Besonderen und die Stadtachse im Allgemeinen. Doch Bürgermeister Brenner beruhigt: „Die Stadtachse verträgt kurzes Anhalten.“ Eine Reihe für Längsparker halten die Stadträte schließlich für vertretbar.

Fazit der Kommunalpolitiker: die Pläne für das neue Wohn- und Geschäftshaus stellen eine deutliche Verbesserung des Ist-Zustandes dar. Also votieren sie einstimmig bei zwei Enthaltungen dafür, dass die Stadt auf ihr Vorkaufsrecht verzichtet.

Damit ist der Weg frei für das heimische Bauunternehmen Mörk, das das Gebäude gerne realisieren möchte. Die Leonberger Traditionsfirma kehrt damit buchstäblich zu ihren eigenen Wurzeln zurück. Hier hatten der Gründervater Georg Mörk und sein Nachfolger Julius Mörk vor gut 100 Jahren ihr erstes Betriebsgelände. Noch heute heißt der Bereich zwischen Rathaus und Römergalerie im Volksmund Brezger-Areal und erinnert an den Mörk-Schwiegersohn Dietrich Brezger, der 1967 die Geschäftsführung übernommen hatte.

Im Herbst 2017 könnte es los gehen

Bevor aber an der Eltinger Straße die Bagger rollen, dauert es noch ein Jahr. „Wenn alles gut läuft, können wir im Herbst 2017 beginnen“, prognostiziert Ute Kühn, die Geschäftsführerin der Mörk Immobilien GmbH. Die Bauzeit taxiert sie auf 18 bis 20 Monate.

Jetzt muss der 20 Jahre alte Bebauungsplan geändert werden. Auch ist noch nicht ganz klar, ob der Neubau tatsächlich ein Pflegeheim beherbergen wird. Das Unternehmen verhandelt derzeit mit potenziellen Interessenten. Dass sich aber auf dem unschönen Gelände etwas ändern wird, ist jetzt beschlossene Sache.