Leonberg Neues Flüchtlingsheim wird massiv und billiger

Von Ulrike Otto 

Die Unterkunft neben der Strohgäuhalle in Höfingen wird günstiger als veranschlagt. Rund 260 000 Euro können gespart werden. Mit dem Bau der zwei Häuser soll es im März losgehen. Dann entstehen bis September acht Wohnungen für bis zu 64 Menschen.

Zwischen Strohgäuhalle und Friedhof wird von März an die Flüchtlingsunterkunft gebaut. Foto: factum/Granville
Zwischen Strohgäuhalle und Friedhof wird von März an die Flüchtlingsunterkunft gebaut. Foto: factum/Granville

Leonberg - Es geht doch!“, sagt Dirk Jeutter erfreut und spricht damit aus, was auch die anderen Ortschaftsräte von Höfingen denken. Denn soeben hat ihnen im Ortschaftsrat der Leiter des Gebäudemanagements der Stadt, Dieter Häberle, den besten Preis genannt für die geplante Flüchtlingsunterkunft neben der Strohgäuhalle. Dieser liegt 262 000 Euro unter dem Wert, den die Verwaltung ursprünglich veranschlagt hat. Mit insgesamt 1,77 Millionen Euro hatte die Stadt für das gesamte Projekt gerechnet. 1,53 Millionen Euro davon entfielen auf die zwei geplanten Gebäude mit je vier Wohnungen, in denen am Ende bis zu 64 Menschen untergebracht werden können. Das Angebot der Firma Selg aus Riedlingen, für das sich der Ortschaftsrat einstimmig aussprach, liegt bei 1,26 Millionen Euro für beide Häuser.

Wie das kommt? Da gebe es mehrere Gründe. „Man muss den Zeitpunkt sehen. Jetzt, gegen Ende des Jahres, wollen die Firmen ihre Auftragsbücher für das kommende Jahr füllen. Deshalb hatten wir ja auch auf diesen Termin gedrängt“, erklärt der Leiter des Gebäudemanagements der Stadt. Der Architekt Cliff Rohrbach, der die Unterkunft im Auftrag der Stadt geplant hat, nennt weitere Gründe. „Die Firma Selg kommt von der Schwäbischen Alb. Dort herrschen anscheinend noch moderatere Preise als hier“, meint er. Zudem sei das Unternehmen auf Trockenbau spezialisiert, der in den beiden Häusern großflächig zum Einsatz komme.

Modulbauweise nun doch teurer

War ursprünglich eine Modulbauweise als vermeintlich kostengünstigste Variante für die Flüchtlingsunterkunft vorgesehen, so war die Ausschreibung auf Vorschlag des Gemeinderates auf alle Bauweisen ausgeweitet worden. Eine gute Entscheidung, wie sich nun zeigt. Denn das favorisierte Angebot wurde für eine Massivbauweise eingereicht – die ursprünglich als teurer galt. Laut dem Architekten Rohrbach werden die Außenwände und Treppenaufgänge gemauert. Die restlichen Wände würden als Trockenwände eingezogen, was sich günstig auf den Preis auswirke. Bei einer späteren Umgestaltung sei man damit auch viel flexibler. „Wir können mit dem Angebot hochzufrieden sein“, meint Cliff Rohrbach. Zudem habe die Firma zugesichert, die Gebäude bis zum 30. September nächstes Jahr schlüsselfertig zu übergeben.

Einzig der Grünen-Ortschaftsrat Eberhard Grözinger traut dem Angebot nicht so ganz. „Warum kann die Firma das so viel günstiger anbieten? Die Preise der anderen Interessenten lagen näher bei dem, was ursprünglich angenommen worden war.“ Dieter Häberle versichert, die Stadt habe die Referenzen geprüft. Andere Kommunen wie Renningen hätten gute Erfahrungen mit dem Bauunternehmen gemacht.

Mehr als ein Dutzend Angebote

Insgesamt sind 13 Angebote auf die Ausschreibung eingegangen. Die günstigste Offerte liegt knapp 25 000 Euro unter dem nun favorisierten Unternehmen. „Dabei handelt es sich jedoch um eine Holzständerbauweise. Ein Massivhaus ist dagegen viel langlebiger und hochwertiger. Die 24 000 Euro mehr sind da durchaus vertretbar“, erklärt der Leiter des Gebäudemanagements.

In der Notunterkunft in Höfingen sollen vor allem Familien untergebracht werden – sowohl Flüchtlinge als auch heimische Wohnungslose. Wobei der Schwerpunkt vor allem am Anfang sicher auf den Asylsuchenden liegen wird. Über die Unterkunft hatte es zahlreiche Debatten gegeben, unter anderem über die 1,77 Millionen Euro, die die Stadt für den Bau samt Erschließung und aller Nebenkosten vorgesehen hatte. Vielen Kommunalpolitikern erschien das zu teuer angesichts der Tatsache, dass es sich um keinen gehobenen Wohnraum handelte. Weitere Erleichterung bei der Finanzierung könnte ein Förderprogramm bringen, das die Landesregierung auflegen will. Bis zu 25 Prozent der Investitionskosten könnten zugeschossen werden. „Anträge können jedoch erst ab Februar gestellt werden. Ob eine rückwirkende Förderung möglich ist, wissen wir noch nicht“, erklärt Gebäudemanager Dieter Häberle. Auf Vorschlag von Klaus Wankmüller (Grüne) will die Verwaltung nun schon früher Geld beantragen.