Leonberg OB-Kandidat Nummer 1: Ein Aufmischer

Von Thomas K. Slotwinski 

SPD-Bewerber Kaufmann wird als durchsetzungsstark beschrieben. Die anderen suchen noch.

In Rudersberg hat Martin Kaufmann (li.) das Verkehrskonzept „Shared Space“ durchgesetzt. Foto: Gottfried Stoppel
In Rudersberg hat Martin Kaufmann (li.) das Verkehrskonzept „Shared Space“ durchgesetzt. Foto: Gottfried Stoppel

Leonberg - Martin Kaufmann ist ein Aufmischer, Anpacker und Aufdecker“. Die klaren Worte, die der frühere Landrat des Rems-Murr-Kreises, Johannes Fuchs, für den Bürgermeister von Rudersberg bei einer Ehrung vor sechs Jahren gefunden hat, unterscheiden sich von der geschliffenen Prosa, mit der verdiente Kommunalpolitiker sonst bedacht werden.

Doch der Landrat wird gewusst haben, warum er dem Chef der 11 500 Einwohner großen Gemeinde zwischen Backnang und Schorndorf eine außergewöhnliche Streitbarkeit attestiert hat. Kaufmann gilt als besonders durchsetzungsfähig – auch und gerade im Umgang mit anderen Behörden.

Er sucht eine härtere Herausforderung

Nicht nur wegen den Debatten um die Positionierung des Leonberger Krankenhauses sind das Eigenschaften, die ein hiesiger Oberbürgermeister gut gebrauchen kann. Denn genau das will Martin Kaufmann werden, wenn sich der Amtsinhaber Bernhard Schuler im Dezember nach 24 Jahren an der Rathausspitze in den Ruhestand verabschiedet. Das beschauliche Rudersberg ist dem fast 51-Jährigen nach zehn Amtsjahren zu klein. Kaufmann sucht eine härtere Herausforderung. Das Verlangen nach dem Chefsessel im Leonberger Rathaus passt in den von Eigendisziplin und Strebsamkeit geprägten Lebenslauf des gebürtigen Sauerländers. Von der Hauptschule über die Abendrealschule zum Studium, höherer Beamter in Goslar im Harz. Schließlich Kämmerer im beschaulichen Schwarzwald-Ort Tuningen, um 2007 bei der Bürgermeister-Wahl in Rudersberg ganz vorne zu liegen.

Aufsehen erregte Kaufmann mit „Shared Space“, einem aus Holland stammenden Konzept, das alle Verkehrsteilnehmer – Fußgänger, Radler und Autofahrer – als gleichberechtigt ansieht und ihnen die Straße ohne räumliche Abtrennungen, etwa einen Bürgersteig, zur Verfügung stellt.

Gegen Widerstände aus dem Regierungspräsidium Stuttgart setzte Kaufmann die Neugestaltung der Ortsdurchfahrt nach diesen Prinzipien durch und errang damit den zweiten Platz beim Deutschen Verkehrsplanungspreis 2016 – hinter Kassel und gleichauf mit Hamburg.

Der Sozialdemokrat, der auch der SPD-Fraktion im Waiblinger Kreistag vorsitzt, hätte also gerade in Sachen Verkehrsmanagement im staugeplagten Leonberg ein breites Aufgabenfeld. Doch ob er wirklich Oberbürgermeister werden kann, hängt freilich nicht nur von ihm, der Leonberger SPD und vor allem den Wählern ab. Denn die anderen politischen Kräfte in der Stadt haben ihre eigenen Vorstellungen.

CDU nicht unter Zeitdruck

„Ich wundere mich, dass sich die SPD so schnell festlegt“, kommentiert Sabine Kurtz die Kandidatur Kaufmanns. „Wir haben keinen Zeitdruck.“

Für ihre Partei, so erklärt die Chefin des CDU-Stadtverbandes, seien kommunalpolitische Führungserfahrung, ein Bezug zum Ländle, Integrität und Durchsetzungsvermögen wichtig. „Es reicht nicht, die Wahl zu gewinnen“, sagt die Landtagsabgeordnete. „Man muss als Persönlichkeit dauerhaft überzeugen.“

Deshalb setzt die CDU nicht ausschließlich auf einen eigenen Kandidaten, sondern kann sich auch einen von mehreren Kräften getragenen Bewerber vorstellen. „Wir sind mit den Freien Wählern im intensiven Gespräch“, sagt Kurtz. „Wir sind noch nicht soweit.“ Das bestätigt Wolfgang Schaal. Der Stadtverbandschef der Freien Wähler verhehlt nicht, dass er den Ehrgeiz hat, einen Kandidaten aus den eigenen Reihen durchzusetzen. Doch die Suche gestaltet sich offensichtlich auf allen Seiten schwierig.

„Bernhard Schuler hat in den 24 Jahren seine Aufgaben sehr gut und mit äußerster Professionalität erfüllt“, lobt Schaal den OB, der am vergangenen Altjahrabend seinen Rückzug angekündigt hatte. „Er hinterlässt große Fußspuren.“

Vonderheid will sich bald entscheiden

Ob aber deshalb ein Nachfolger die gleichen Eigenschaften wie der Amtsinhaber besitzen muss, das stellt der Chef der Freien Wähler in Frage. „Vielleicht brauchen wir ja jetzt einen Gegenpol, jemanden der den anderen mehr Freiraum lässt.“

Mehr Freiraum wünscht sich gewiss auch Ulrich Vonderheid. Das Verhältnis des OB-Stellvertreters zu seinem Chef gilt als belastet, schon seit Monaten kokettiert der Christdemokrat mit einer eigenen Kandidatur. Klar geäußert hat sich Vonderheid bisher nicht. Das will er nun tun. „Ich werde meine Absichten Ende der Woche kundtun“, erklärte er auf Nachfrage unserer Zeitung. Es gibt nicht wenige im Rathaus-Umfeld, die erwarten, dass er antritt.




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