Leonberg Protest gegen ein „unpassendes“ Gewerbe

Von Florian Mader 

Eine Erotik-Kette will in der Römerstraße ein Fachgeschäft eröffnen. Dass sie ihr Geld mit Sex-Spielzeug verdient, stört die Anlieger. Im Haus sind eine Kinderarzt-Praxis, ein Nachhilfe-Institut und eine Musikschule. Die Stadt muss genehmigen.

Eröffnung Ende August: Die Umbauarbeiten laufen, alles sei im Zeitplan, sagt die Orion-Unternehmensleitung. Die Anlieger hoffen, dass es soweit nicht kommt. Foto: factum/Bach
Eröffnung Ende August: Die Umbauarbeiten laufen, alles sei im Zeitplan, sagt die Orion-Unternehmensleitung. Die Anlieger hoffen, dass es soweit nicht kommt. Foto: factum/Bach

Leonberg - Fast ein richtiges Zentrum für Kinder und Jugendliche hat sich in dem Gebäude mit den Nummern 31 und 33 in der Römerstraße angesiedelt. Eine Kinderarzt-Praxis befindet sich dort, ein Nachhilfe-Institut und eine Musikschule. Spielen ist also kein Fremdwort in der Römerstraße. Aber Spielen mit erotischen Ausstattungsgegenständen? So will es jedenfalls der Vermieter des Ladengeschäfts im Erdgeschoss des Hauses. Und so will es auch die Firma Orion Fachgeschäfte aus Biebertal bei Gießen, die für Ende August die Eröffnung einer Niederlassung in dem Römerstraßen-Haus in Leonberg plant.

Also gibt es dort bald Leder und Latex neben der Logarithmen-Nachhilfe und der Lungenentzündungs-Behandlung? Die übrigen Mieter in dem Haus hoffen, dass es nicht so weit kommt. „Wir müssten uns dann nach anderen Räumlichkeiten umschauen“, kündigt etwa Thomas Momotow vom Nachhilfe-Institut „Studienkreis“ an. Denn alle drei Jahre würden seine Einrichtungen vom Tüv-Rheinland überprüft. Und der allererste Punkt, den die Prüfer untersuchen, sei der Standort des Studienkreises.

Eltern machen sich Sorgen um ihre Kinder

Es dürften also keine „unseriösen Anbieter in der direkten Umgebung“ sein, was bei „Spielhallen, Erotikshops und Sekten im direkten Umfeld“ nicht erfüllt sei, zitiert Momotow aus dem Kriterienkatalog. Schließlich kämen die Kinder zur Nachhilfe meist allein. „Und da ist es den Eltern ganz und gar nicht egal, wo sie überall vorbeigehen müssen“, sagt Thomas Momotow, der Studienkreis-Pressesprecher.

Noch sind viele Kinder in der Gegend unterwegs, die zum Arzt oder zur Nachhilfe gehen. Aber nicht nur diese Einrichtungen protestieren gegen die geplante Geschäftsansiedlung. „Wir haben viele Japaner als Kunden“, erzählt auch Sabine Geisler, die in dem Haus eine Medizintechnik-Firma betreibt. „Die sind noch viel prüder als wir und kommen dann wahrscheinlich nicht mehr.“

Daher müsste auch sie sich nach anderen Räumlichkeiten umschauen, falls es bei dem geplanten Einzug der Erotik-Kette bleibt und die Eröffnung am 26. August stattfindet.

Denn der Umbau des Ladengeschäftes ist derzeit im Zeitplan, teilt Jens Seipp, der Pressesprecher von Orion, auf Anfrage unserer Zeitung mit. Die Anwohnerproteste hätten auch sein Unternehmen schon erreicht, aber: „Wenn wir dann erst mal eröffnet haben, löst sich das meist alles in Wohlgefallen auf“, ist er überzeugt. Und mit 153 Läden in ganz Deutschland hätte sein Unternehmen da genug Erfahrung.

Die Schaufensterfront werde komplett blickdicht verschlossen, kündigt Jens Seipp an: „Lediglich Stoffposter mit wechselnden Motiven hängen wir dann da auf.“

Von Außen könne man in den Shop nicht reinschauen, verspricht das Unternehmen

Darauf seien „ganz normale Dessous“ zu sehen. Und in den Laden reinkommen dürften nur Erwachsene ab 18 Jahren. „Das kontrollieren wir aufs Schärfste“, verspricht Orion-Sprecher Jens Seipp.

Ob das reicht? Sabine Geisler, die Medizintechnik-Geschäftsfrau regt sich auf. „Wir reden viel über Kinder- und Jugendschutz, setzen aber den Kindern hier die Pornografie vor die Nase“, sagt sie.

Auch die Stadtspitze ist mit der neuen Gewerbeansiedlung nicht glücklich. „Es ist in der Tat unsensibel, dass eine solche Vermietung ermöglicht wurde“, sagt der zuständige Baubürgermeister Klaus Brenner.

Der Vermieter habe zwar im städtischen Bauamt nachgefragt, ob der Bebauungsplan ein solches Gewerbe zulasse. „Wir mussten ihm mitteilen, dass sich auch diese Branche hier ansiedeln darf“, sagt Bürgermeister Brenner. „Wir bedauern das ausdrücklich, aber da sind uns leider die Hände gebunden.“

Denn auch ein Erotik-Shop sei aus Sicht des Gesetzes ein ganz normaler Einzelhandel. Und welches Sortiment verkauft wird, spielt rechtlich keine Rolle. Den Laden verhindern kann jetzt also nur noch der Vermieter. Der wollte sich gegenüber unserer Zeitung nicht äußern.