Leonberg Rückschlag beim Korn – Plus beim Gras

Von Bartek Langer 

Joachim Rukwied, der Präsident des Landesbauernverbandes, spricht in Gebersheim mit Blick auf die zurückliegenden Monate von einem enttäuschenden Anbaujahr für die Ackerbauern.

In den vergangenen Wochen war die Ernte in vollem Gang. So auch zwischen  dem Ihinger Hof  und Döffingen. Foto: factum/Granville
In den vergangenen Wochen war die Ernte in vollem Gang. So auch zwischen dem Ihinger Hof und Döffingen. Foto: factum/Granville

Leonberg - Wenn Hans-Georg Schwarz das vergangene Anbaujahr Revue passieren lässt, so fällt sein Resümee ziemlich ernüchternd aus. „Der Hagelschaden Ende Juni führte dazu, dass wir bei Weizen Einbußen von bis zu 20 Prozent hatten, bei der Wintergerste waren es sogar 50 Prozent“, berichtete der Landwirt, der auf dem Falkenhof zwischen Gebersheim und Leonberg einen der größten Milchviehbetriebe in der Region führt und rund 112 Hektar Nutzfläche bewirtschaftet.

Die magere Ausbeute des Gebersheimers ist bezeichnend für die Lage der Landwirte rund um Leonberg, aber auch im gesamten Baden-Württemberg. „Die Getreide- und Rapserträge sind enttäuschend“, konstatierte Joachim Rukwied, Präsident des Landesbauernverbandes (LBV), beim gestrigen Erntegespräch auf dem Falkenhof. In Zahlen ausgedrückt heißt das: Die Getreideerträge in Leonberg und Umgebung, wo vor allem Weizen, Raps, aber auch Gemüse angebaut wird, liegen in diesem Jahr rund 15 Prozent unter dem Vorjahr. Manche Betriebe verlieren sogar bis zu 50 Prozent ihrer Erträge.

Viel Regen, wenig Sonne

Das schlechte Ergebnis ist vor allem der nassen Witterung geschuldet. „Wir hatten längere Regenperioden und hohe Niederschlagsmengen, regionale Unwetter und wenig Sonnenstunden“, erklärte Rukwied. Dabei habe das Anbaujahr durchaus vielversprechend angefangen. „Die Getreide- und Rapsbestände kamen sehr gut aus dem Winter und entwickelten sich im Frühjahr gut“, berichtete der LBV-Präsident. Noch bis Ende April hätten die Bestände einen guten Eindruck gemacht. Mit dem Mai habe dann aber der Regen eingesetzt. „Die Pflanzen standen buchstäblich im Wasser, die Wurzelausbildung war unzureichend und die Kornfüllung schlecht“, so Rukwied.

Als wäre das nicht genug, sei wegen der ständig feuchten Bestände auch noch ein „hoher Krankheitsdruck“ dazu gekommen. „Viele Ackerbauern konnten nicht immer rechtzeitig die Krankheiten durch Pflanzenschutzmaßnahmen bekämpfen, weil der nasse Boden nicht befahrbar war“, erklärte Rukwied, der in diesem Zusammenhang aber nicht umhin kam, auf den Nutzen des chemischen Pflanzenschutzes bei der Qualitäts- und Ertragssicherung von Lebensmittelrohstoffen hinzuweisen. „Dieser wird in der häufig kritischen Betrachtung des modernen Ackerbaus oftmals zu wenig gesehen“, monierte er.