Leonberg/Rutesheim Jahrhundertregen binnen einer Stunde

Von Ulrike Otto 

Das Unwetter am Sonntag hat nicht nur Keller und Straßen überflutet, sondern auch Produktionshallen von Bosch und Geze getroffen.

Land unter auch am Längenbühl: Dort, wo das Gewerbegebiet Leo-West erschlossen wird, sammelt sich das Regenwasser. Der Wasserbach ist hier über die Ufer getreten. Foto: SDMG 37 Bilder
Land unter auch am Längenbühl: Dort, wo das Gewerbegebiet Leo-West erschlossen wird, sammelt sich das Regenwasser. Der Wasserbach ist hier über die Ufer getreten. Foto: SDMG

Leonberg/Rutesheim - Ein brauner Bach rinnt die Rutesheimer Straße hinunter. Auf einem Parkplatz stehen Autos bis zur Oberkante der Räder unter Wasser. Schlimmer trifft es die Sozialstation. Dort sind mehrere Dienstfahrzeuge bis zum Fenster überflutet. An der neuralgischen Kreuzung Bahnhof-/Linden- und Rutesheimer Straße hat sich wieder ein See gebildet, die Keller des Diakonieladens und eines Friseurs stehen bis zu einer Höhe von 1,5 Metern unter Wasser.

Innerhalb einer Stunde hat das Unwetter mit Starkregen am Sonntagnachmittag Leonberg und Umgebung in eine Seenlandschaft verwandelt. „An unserer Regenmessstelle im Gewerbegebiet am Autobahndreieck wurden am Sonntag innerhalb von 15 Minuten drei Zentimeter Regenwasser pro Quadratmeter gemessen. Das entspricht im Umfang einem Jahrhundertregen“, erklärt Undine Thiel, die Sprecherin der Leonberger Stadtverwaltung. Der Regen konzentrierte sich dabei nahezu ausschließlich auf die Leonberger Kernstadt.

57 Einsätze für die Feuerwehr

Denn nach dem ersten heftigen Regenfall mit Hagel zog die Gewitterzelle zunächst Richtung Stuttgart weiter. Doch dann drehte der Wind und das Unwetter kam zurück – mit mehr Regen und noch mehr Hagelschlag. „Immer, wenn das Gewitter zurückkommt, wird es schlimm“, resümiert der Leonberger Kommandant Wolfgang Zimmermann, dessen freiwillige Feuerwehr 57 Einsätze wegen des Unwetters zählte. „Wir waren von 14 bis 24 Uhr ohne Unterbrechung unterwegs“, sagt Zimmermann. Und das nach dem ereignisreichen Samstag mit dem Werksbrand bei Porsche in Weissach und einem weiteren Großbrand in Holzgerlingen. Zum Glück seien wegen des Wochenendes genügend Helfer verfügbar gewesen. „Wir sind zu jeder Einsatzstelle gefahren, um sie zu begutachten. Dann haben wir sie nach Priorität abgearbeitet“, berichtet der Kommandant. Unterstützung erhielten die Leonberger von den Kameraden aus Rutesheim sowie durch das Technische Hilfswerk (THW).

Schäden bei Bosch und Geze

Zu den größeren Einsätzen gehörten sicher die Schäden an den Werkshallen bei Bosch und Geze in Leonberg. Beim Spezialisten für Tür- und Schließsystem etwa war eine Produktions- und Lagerhalle betroffen. „Wir untersuchen derzeit den Schaden, und wie er entstehen konnte“, erklärt die Unternehmenssprecherin von Geze, Gabi Bauer. Die Produktion sei jedoch von dem Schaden nicht betroffen. Der Betrieb ruhe außerdem an Wochenenden.

Die Glems trat durch den Starkregen an einigen Stellen über die Ufer, etwa an der Clausenmühle bei der Sozialstation oder auch im Höfinger Täle. Dort traf es erneut die im Bau befindliche Renaturierungsmaßnahme. „Wir können die Schaden noch nicht begutachten, da die Wasserstände noch immer erhöht und auch deutlich höher als noch beim Starkregen im Mai sind“, erklärt Katja Lumpp, die Sprecherin des zuständigen Regierungspräsidiums Stuttgart. Die Schäden seien diesmal zwar geringer als noch im Mai, das Projekt verzögere sich aber weiter.

Wasser fließt nicht in neue Kanäle

Besonders die Überflutung der Bahnhofstraße im Bereich Diakonieladen sorgt bei vielen Leonbergern für Unverständnis. Bereits bei einem ähnlichen Jahrhundertregen vor zwei Jahren hatte der Bereich komplett unter Wasser gestanden, woraufhin die Stadt die Kanäle dort vergrößert hatte. „Die Kanäle, auch die neuen in der Bahnhofstraße, waren nicht überlastet, es ist kein Kanaldeckel nach oben gedrückt worden“, erklärt die Stadtsprecherin Undine Thiel. Vielmehr sei das Regenwasser mit so viel Druck abwärts geschossen, dass es schlicht nicht über die Gullydeckel in die Kanäle abgeflossen sei.

Weniger heftig fielen die Schäden in Rutesheim aus. Die Feuerwehr meldet drei vollgelaufene Keller. Das Regenrückhaltebecken am Eisengriffgraben habe die Wassermassen gut bewältigt, teilt die Stadtverwaltung mit. Weniger Glück hatten die Bewohner des Seniorenheims am Marktplatz. „Das Dach hat die Regenmenge nicht verpackt, und es lief Wasser ins oberste Stockwerk“, erklärt Markus Sattler vom Bauamt. Auch in die Realschule und den Kindergarten Robert-Bosch-Straße regnete es hinein.