Leonberg Seehaus: Erster Ausbrecher gibt auf

Von  

Der erste von vier geflohenen Häftlingen hat sich gestellt. Der 18-Jährige hat sich bei der Polizei in Ravensburg gemeldet.

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) bei ihrem  Besuch im Seehaus kurz nach der Flucht der vier Häftlinge. Foto: dpa
Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) bei ihrem Besuch im Seehaus kurz nach der Flucht der vier Häftlinge. Foto: dpa

Leonberg - Es ist der größte Ausbruch in der ­Geschichte des Seehauses. Vor gut zwei Wochen, genauer gesagt in der Nacht zum Montag, 19. August, sind gegen 1.15 Uhr gleich vier Häftlinge der offenen Vollzugsanstalt in Leonberg auf einen Schlag geflohen. Einer der vier jugendlichen Straftäter hat sich jetzt selbst der Polizei gestellt. Die drei weiteren ­Ausbrecher sind hingegen noch immer auf der Flucht.

„Einer der vier hat sich in Ravensburg gestellt“, bestätigt der Sprecher der Böblinger Polizei, Uwe Vincon, am Dienstag auf Anfrage dieser Zeitung. Der 18-Jährige hatte sich in der Nacht zum gestrigen Dienstag um 0.15 Uhr auf dem dortigen Revier ­gemeldet. „Der junge Mann war ursprünglich wegen Diebstahls zu ­seiner Haftstrafe verurteilt worden“, sagt Vincon weiter.

Die geflohenen Jugendlichen waren ­gemeinsam bei einer Familie im offenen Vollzug untergebracht. In den Tagen vor dem Ausbruch hatte es ­Streit gegeben. „Es war eine sehr schwache Gruppe. Einige der Jugendlichen dieser Wohngemeinschaft wurden in unserer Hierarchie zurückgestuft und haben dadurch Privilegien ­verloren“, erklärte der Leiter der Einrichtung, Tobias Merckle.

„Einer der Häftlinge wurde 2012 vom Amtsgericht in Nürtingen zu zwei ­Jahren Jugendstrafe wegen Raubes und Körperverletzung verurteilt. Es war seine erste Haftstrafe“, erklärte Claudia Krauth, die Sprecherin der Stuttgarter Staatsanwaltschaft, kurz nach dem Ausbruch. Die Polizei hatte zeitweise sogar mit ­Helikoptern nach den Ausbrechern gesucht. Die Ravensburger Polizei war in die Fahndung eingeschaltet worden, weil einer der Gesuchten einen Großteil seiner Taten nahe des Bodensees verübt hatte. Der Verdacht, dass sich zumindest einer der Flüchtigen dort aufhalten könnte, hat sich nun bestätigt.

Die Flucht hätte das Seehaus aus Sicht von Tobias Merckle zu keinem ungünstigeren Zeitpunkt treffen können. Nur wenige Tage nach dem nächtlichen Ausbruch hatte die Bundesjustizministerin, Sabine ­Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), die ­Einrichtung am Glemseck besucht. Die ­offene Vollzugsanstalt am Glemseck wurde von den Liberalen im Südwesten stets unterstützt – zu Beginn des Projekts vor zehn Jahren auch gegen entschiedenen ­Widerstand aus der Bevölkerung.

Der geflohene Straftäter, der sich in der Nacht zum Dienstag in Ravensburg gestellt hat, soll die Polizei auf die Spur seiner Komplizen führen. „Der Jugendliche wird von uns natürlich über die Flucht und den Aufenthaltsort der anderen Ausbrecher ­befragt“, erklärt Polizeisprecher Vincon.

Wie schnell die Befragung zum Erfolg führen wird, ist nicht sicher. Fest steht ­jedoch, dass keiner der geflohenen Häftlinge wieder nach Leonberg zurückkehren wird. „Wer einmal abgehauen ist, muss den Rest seiner Haftzeit im geschlossenen ­Vollzug absitzen“, hatte Tobias Merckle ­bereits kurz nach bekannt werden des ­Ausbruchs vor knapp zwei Wochen betont. „Die Jugendlichen haben ihre Chance ­vertan und dürfen nicht zurück ins ­Seehaus“, sagte Merckle, „sie haben damit auch ihre Chancen auf eine vorzeitige ­Entlassung verspielt.“