"Schwätz raus" in Leonberg Solche Dialoge gibt es nur im Schwäbischen

Die „Schwätz-raus“-Mimen sprühen  nur so vor Spielfreude. Foto: factum/Bach
Die „Schwätz-raus“-Mimen sprühen nur so vor Spielfreude. Foto: factum/Bach

Volkstheater „Schwätz raus“ setzt verschrobene Charakterköpfe pfiffig in Szene. Weitere Aufführen stehen noch an.

Leonberg - Die Steinturnhalle ist bis auf den letzten Platz besetzt, als sich das gut gelaunte Publikum bei deftigen Speisen schon mal auf einen amüsanten Theaterabend einstimmt – die Bewirtung hat wie immer der Handball-Förderverein der SKV Rutesheim übernommen. Viele sind Stammgäste des schwäbischen Volkstheaters „Schwätz raus“, das im vergangenen Jahr sein 25-Jähriges feierte.

Die Teller sind geleert und der rote Vorhang in der Schulturnhalle geht auf: Wohnung von Familie Walter, der unerwartet Besuch ins Haus steht. Trudi, ehemals Frau von Rosi Walters Bruder, hat wieder geheiratet und kommt nach mehr als 20 Jahren erstmals zu Besuch. Zum Entsetzen der Familie entpuppt sie sich als richtige „Nervasäg“ – so auch der Titel des Einakters von Fritz Klein. Die Hausfrau Rosi (Elke Klau) bringt mit Staubsauger und schwarz-rot-goldenem Putzwedel die Wohnung schon mal auf Hochglanz, während Tochter Babsi (Nadine Eger) gelangweilt ihre Nägel lackiert und Vater Kurt (Steffen Keller) die Benzinkutsche poliert.

Woher kommen die Blumen?

Die schrullige Trudi mit raffiniert faltbarem Hütchen (Inge Nährich-Radocaj), im Schlepptau ihren trotteligen Ehemann Heini (Joachim Mundinger), besetzt mit Sack und Pack samt überdimensionalem Vogelkäfig die Wohnung von Familie Walter für geplante drei Wochen. Die Blumen der Gäste kommen Kurt gleich bekannt vor: „Solche ham mir au em Garda“ – was Heini trocken kommentiert: „Jetzt nemme!“.

Kaum über der Türschwelle, übernimmt Trudi das forsche Regiment im Hause, beschlagnahmt die Garage, bestimmt den Speisezettel und macht auch vor dem Schlafzimmer der überforderten Gastgeber nicht Halt. Als Hausdrachen ist sie bald der Schrecken des Familienvaters.

Als Trudi einmal das Zimmer verlässt, wird Heini von Kurt mit Ramazotti abgefüllt, was ihn neu aufleben lässt.

Der aufdringliche Besuch provoziert schließlich einen saftigen Ehekrach im Hause Walter. Inzwischen macht Freund Peter (Marco Rommel) der Tochter des Hauses mal eben nebenbei den Vorschlag, sich zu verloben, was den Hausvater empört, die Mutter aber nur kommentiert: „Frieher hosch mr vorna ond henda da Hof g’macht – heid machsch mr ned amol ’s Treppahaus!“

Als die Situation eskaliert, stellt sich heraus, dass der Besuch bei der falschen Familie gelandet ist und eigentlich zur Familie Walter mit „h“ gehört.

Spielfreude und Witz

Auch im zweiten Einakter „D’ Schwäbische Buddha“ von Regina Harlander sprühen die Mimen vor Spielfreude und Witz. Constanze von Heilstein (Nadine Eger) hat sich als Heilpraktikerin im Ort niedergelassen, was dem Physiotherapeuten Ernst Gsund (Steffen Keller) ein Dorn im Auge ist, da sie ihm „mit diesem „Hokuspokus“ zunehmend Patienten abspenstig macht. Zusammen mit Alois (Joachim Mundinger), dem leidgeprüften Ehemann der zahlungsfreudigen Maria Weißkraut (Anne Brekle-Funk), schmiedet er ein Komplott, um ihr endgültig das Handwerk zu legen.

Saukomisch, wie Maria auf dem großen Gymnastikball sitzend mühsam das Gleichgewicht zu halten versucht („a wacklige Sach’“), die „schamanische Essenz“ bewundert, die einfach nur Regenwasser aus der Gießkanne enthält, und jede noch so abgefahrene „Therapie“ begeistert mitmacht. Ganz andere Erfahrungen hat da Ehemann Alois gemacht, der vom „Oasenquellwasser“ sogar „15 Liter gsoffa“ hat – „aber ´s hot sich nix potenziert!“ Auch bissig-ironische Seitenhiebe auf das Gesundheitswesen werden ausgeteilt: „Wenn ebber moind, er sei gsond, hot er sich bloß ned gnug ondersucha lassa!“ Aber Ernst Gsund und Alois Weißkraut bringen die „Neue“ schließlich doch noch zu Fall.

Das begeisterte Publikum fordert eine Zugabe, und der Theaterabend, in dessen schrulligen Charakterköpfen sich mancher selbst oder auch seine Nachbarn erkannt hat, endet mit einem drolligen Sketch über ein Ehepaar und seine entlaufene Katze „Peterle“. Ein ausgelassener, spritziger Theaterabend, spielfreudige, urkomisch agierende Schauspieler und witzige Dialoge – und „man hört mal wieder den heimatlichen Dialekt“, wie eine Zuschauerin anmerkt, der inzwischen aus Schule und Öffentlichkeit weitgehend verbannt ist.

Termine

Weitere Aufführungen sind:

7. und 8. April in der Steinturnhalle Leonberg

5. und 6. Mai in der Steinturnhalle Leonberg

12. und 13. Mai in der Alten Festhalle Rutesheim. Los gehts jeweils um 20 Uhr.




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