Stadthalle in Leonberg 780 000 Euro für die Sanierung

Von Thomas K. Slotwinski 

Neue Saalkühlung und bessere Technik sollen Attraktivität steigern. Doch die Zukunft bleibt umstritten.

Der Vorplatz birgt Stolperfallen, die Fassade ist unansehnlich. In der Stadthalle ist  innen wie  außen viel zu tun. Das wünschen sich auch die Restaurant-Betreiber. Foto: factum/Weise
Der Vorplatz birgt Stolperfallen, die Fassade ist unansehnlich. In der Stadthalle ist innen wie außen viel zu tun. Das wünschen sich auch die Restaurant-Betreiber. Foto: factum/Weise

Leonberg - Nicht nur Birgit Widmaier von den Grünen dürfte ein Déjà-vu gehabt haben, als am späten Donnerstagabend der städtische Finanzausschuss einmal mehr über die Zukunft der Stadthalle debattiert hat. Denn wirklich neue Erkenntnisse hat die intensive Diskussion nicht gebracht. Immerhin wurden am Ende mit sehr knapper Mehrheit Investitionen über 780 000 Euro beschlossen, um die gröbsten Mängel in der mehr als 30 Jahre alten Halle zu beseitigen.

Vorausgesetzt, der Gemeinderat bestätigt am Dienstag das Votum des Finanzausschusses, kann in den großen Ferien in den Veranstaltungssälen eine vernünftige Kühlung eingebaut werden. Das stickig-warme Raumklima während der Sommermonate ist einer der größten Kritikpunkte.

Zudem soll die veraltete Halogen-Bühnenbeleuchtung durch moderne und energiesparende LED-Strahler ausgetauscht werden. Das Wegweisesystem, im Moment wird auf die jeweiligen Veranstaltungen mit Papierzetteln hingewiesen, soll digitalisiert werden. Und die eher an eine Bierzeltausstattung erinnernden Theke und Stehtische im Foyer werden erneuert. Mit einer neuen Telefonanlage, die jene aus den Anfangsjahren ersetzt und diversen kleineren Verbesserungen kommt das Gerlinger Architekturbüro Nixdorf Consult, das den dringendsten Bedarf und die Kosten ermittelt hat, auf insgesamt 780 000 Euro.

Stadthalle kränkelt seit Jahren

Für die einen ein unumgängliches Vorhaben, um die seit Jahren kränkelnde Stadthalle endlich nach vorne zu bringen. Für die anderen schlicht Geldverschwendung. Während die CDU-Fraktionsvorsitzende Elke Staubach und ihr Kollege von den Freien Wählern, Axel Röckle, die Notwendigkeit einer funktionierenden Halle betonten, bekräftigte Klaus Wankmüller von den Grünen das grundsätzliche „Nein“.

Unerwartete Schützenhilfe bekam er von Jochen Flegl. „Kein vernünftiger Unternehmer würde in die Stadthalle investieren“, polterte der FDP-Mann. „Sollte die Sanierung abgelehnt werden, muss die Verwaltung einen Abriss prüfen.“

Solch markige Worte überraschten selbst die Grünen, die bisher das Recht der Abrissforderung für sich allein gepachtet hatten. Zumal Flegls altgedienter Parteifreund Dieter Maurmaier, er gehört nicht dem Finanzausschuss an, bei der Stadthalle einen moderaten Kurs fährt. Doch das Thema Abriss dürfte mit dem knappen Votum für die Sanierung vom Tisch sein. Andere Probleme bleiben allerdings.

„Es ist ungeschickt, die Halle drinnen auf Vordermann zu bringen, und draußen nichts zu machen“, sprach Elke Staubach den tristen Vorplatz an, der unattraktiv und angesichts der zahlreichen Unebenheiten gefährlich sei. In diesem Zustand sei es auch für die Restaurant-Betreiber unmöglich, vor der Halle Außengastronomie anzubieten. „Wenn wir nichts machen, gehen die Leute erst gar nicht in die Stadthalle rein.“

Baubürgermeister Klaus Brenner stellte in Aussicht, dass der Platz im Zuge der geplanten Sanierung der Römerstraße umgestaltet werden könne. Inwieweit die kritisierten Stolperfallen behoben werden können, vermochte Brenner nicht zu sagen: „Das ist zum Teil Kunst.“

Vorkonzept wird im September vorgestellt

Für Axel Röckle keine befriedigende Antwort: „Wenn wir beim Vorplatz zehn Jahre warten, können wir uns den Rest sparen“, meinte der Freie Wähler. „Das dauert maximal zwei bis drei Jahre“, beruhigte der Baubürgermeister. Zudem seien im Haushalt 50 000 Euro für die Platzplanung eingestellt. Ein Vorkonzept will er im September präsentieren.

Ottmar Pfitzenmaier vermisste in der ganzen Debatte die große Linie. „Wir müssen wissen, wo die Reise inhaltlich hingeht“, forderte der Sozialdemokrat, der seine persönliche Meinung nicht hinter dem Berg hielt. Die Zukunft sieht der frühere Banker im Kongress- und Seminargeschäft. Von unter städtischer Regie geführten Kulturabenden, die das Defizit nur vergrößern würden, hält Pfitzenmaier nichts.

Deshalb ist der SPD-Fraktionsvize auch gegen einen Hallenmanager, den die Stadtspitze gerne hätte: „Der kostet mindestens 100 000 Euro im Jahr. Ob er die wieder rein holt, ist sehr zweifelhaft.“

Pfitzenmaiers Bedenken scheinen von den anderen geteilt zu werden. Zwar wurde über das Thema Geschäftsführer aus rechtlichen Gründen unter Ausschluss der Öffentlichkeit diskutiert. Allerdings hat sich dem Vernehmen nach keine Mehrheit für eine Ausschreibung des Postens gefunden.

Was bleibt? Die Sanierung der Halle scheint gesichert. Die Neugestaltung des Vorplatzes ist auf dem Weg. Über das inhaltliche Profil der Stadthalle dürfte es aber noch etliche Diskussionen geben.