Leonberg Stehen die Hauptschulen vor dem Aus?

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Die Lage ist dramatisch für die Hauptschulen. Die Schüler laufen in großem Stil davon. „In Leonberg wurden 84 Empfehlungen für die Werkrealschule ausgesprochen“, sagt Dieter Bölz-Hohrkamp, Rektor der Schellingschule, „nur 30 haben sich angemeldet.“

Den Hauptschulen laufen die Schüler davon. Foto: dapd
Den Hauptschulen laufen die Schüler davon. Foto: dapd

Leonberg - Die Lage ist dramatisch für die Hauptschulen. Die Schüler laufen in großem Stil davon. „In Leonberg wurden 84 Empfehlungen für die Werkrealschule ausgesprochen“, sagt Dieter Bölz-Hohrkamp, Rektor der Schellingschule, „wir haben aber nur 30 neue Anmeldungen für diese Schulform.“ Die beiden ehemaligen Hauptschulen, die Schellingschule und die August-Lämmle-Schule, waren in der Vergangenheit stets zweizügig. Es gab genug Fünftklässler, um an beiden Schulen jeweils zwei Klassen zu bilden. „Jetzt haben wir an unserer Schule lediglich eine fünfte Klasse mit elf Schülern“, erklärt der Rektor.

An der August-Lämmle-Schule ist die Lage ähnlich: So wird es ebenfalls nur eine Klasse geben, hier mit 19 Fünftklässlern. Das hat mit der neuen Gesetzeslage zu tun. Noch im vergangenen Schuljahr galt: Wenn der Grundschullehrer der Meinung war, ein Kind solle auf die Hauptschule, dann besuchte der Spross nach den Sommerferien auch die Haupt- oder Werkrealschule. Doch das ist nicht mehr der Normalfall. Von diesem Schuljahr an ist die sogenannte Grundschulempfehlung nicht mehr verpflichtend. Jetzt haben die Eltern das letzte Wort bei der Schulwahl.

„Den Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung spüren wir ganz massiv“, sagt Rektor Dieter Bölz-Hohrkamp, „dadurch werden 54 Kinder in Leonberg am falschen Lernort sitzen.“ Den meisten hätte es gut getan, auf die Werkrealschule zu gehen, ist der Schulleiter überzeugt: „Doch bei den Eltern entscheidet oft das Image einer Schule über den Bildungsweg ihrer Kinder.“

Die Realschulen haben mehr Schüler

Ganz anders sieht die Lage bei den höheren Schulen aus. Für Christiane Schwellinger, die Rektorin der Gerhart-Hauptmann-Realschule, ist die Entwicklung erfreulich. „Wir hatten im vergangenen Jahr 78 neue Schüler. Das waren drei Klassen“, sagt sie. In diesem Jahr wurden 91 Kinder angemeldet. Vier fünfte Klassen sind nötig, um den Ansturm zu bewältigen. Schwellinger glaubt nicht, dass Eltern ihre Kinder am falschen Ort angemeldet haben: „Entweder müssen sich die Schüler der Schule anpassen, oder ich versuche, die Schule an die Schüler anzupassen.“ Dass Unterrichtsniveau, will die Schulleiterin nicht senken, nur weil Kinder in den Klassen sitzen, die eine Hauptschul-Empfehlung erhalten haben. „Wir müssen nicht die besten herausfiltern“, sagt sie, „sondern wir müssen jeden Schüler individuell fördern.“

Für die Realschulen gibt es eine weitere Quelle, aus der sie neue Schüler gewinnen wird. „Wir nehmen in Klasse sieben, acht und neun immer mehr Kinder vom Gymnasium auf“, sagt Schwellinger, „es gibt einfach eine Menge Schüler, die mit den Anforderungen von G8, dem Abitur nach Klasse zwölf, nicht klar kommen.“

Klassen mit zehn Schülern an der Werkrealschule

Doch zurück zu den gebeutelten Hauptschulen, und zu Dieter Bölz-Hohrkamp. Er ist die vielen Experimente in der Bildungspolitik mittlerweile leid. „Die ständigen Veränderungen sind verantwortungslos“, schimpft er mit Blick auf das Kultusministerium in Stuttgart. Von Seiten der Stadt fällt das Urteil über die Entwicklung bei den Schülerzahlen verhaltener aus: „Wir werden erst einmal abwarten, was von der Landespolitik noch so kommt“, sagt ­Susanne Widmaier, die persönliche Referentin von OB Bernhard Schuler, „da sind noch viele Baustellen offen.“ Auch in Stuttgart ist man sich der Entwicklung bewusst.

„Der Schwund der Hauptschulen setzt sich fort. Wir beobachten diesen Trend bereits seit zehn Jahren“, sagt Brigitte Kieser, die Sprecherin des Kultusministeriums. Sie erklärt dies mit dem Anspruch der Eltern: „Sie wollen für ihre Kinder in den meisten Fällen mindestens die Mittlere Reife als Schulabschluss.“