Leonberg Steiners Lehre wird seit 30 Jahren praktiziert

Von Brunhilde Arnold 

Heute ist der Waldorf-Kindergarten fester Bestandteil des pädagogischen Vorschulangebots in der Stadt. Angefangen hat alles im Schützenhaus Höfingen.

30 Jahre Waldorf-Kindergarten in Leonberg: Da feiern auch die ganz Kleinen gerne mit. Foto: factum/Bach
30 Jahre Waldorf-Kindergarten in Leonberg: Da feiern auch die ganz Kleinen gerne mit. Foto: factum/Bach

Leonberg - Im Schützenhaus Höfingen fing alles an: Dort traf sich am 25. Juli 1984 eine Handvoll Eltern, die sich für die Waldorf-Pädagogik nach Rudolf Steiner interessierte. Sie gründeten den Verein zur Förderung der Waldorf-Pädagogik im Altkreis Leonberg.

In den folgenden Jahren bauten die Vereinsaktiven einen Kindergarten auf, den es bis heute gibt. Nach mehreren Ortswechseln, Querelen im Vorstand und neuen Erzieherinnen hat die Einrichtung seit 1997 ihr Domizil in der Rutesheimer Straße, nahe beim Krankenhaus – und seit nunmehr acht Jahren mit Aleksandra Muszer dieselbe Erzieherin. Sie und ihre Kollegin Anastasia Maien sowie eine Praktikantin betreuen die aktuell 22 Kinder im Vorschulalter.

Anfangs war die Einrichtung nicht erwünscht

Die Tochter der Mitbegründerin Gertrud Leippold ist heute 32 Jahre alt. Sie gehörte damals zu den ersten Kindern, die die neue Leonberger Einrichtung – die zunächst in Privaträumen in Eltingen untergebracht war – besuchte. „Wir haben dann in der Max-Eyth-Straße Büroräume gefunden, die umgebaut werden mussten“, erinnert sich Gertrud Leippold. Die neue Einrichtung sei zunächst von der Stadt gar nicht so gewünscht worden: es gebe ja genügend Kindergärten. Doch irgendwann kam der damalige Bürgermeister Wolfgang Rücker zu Besuch. Seither wird die Einrichtung anerkannt und aktuell mit 119 000 Euro im Jahr finanziell unterstützt.

Der Leonberger Waldorf-Kindergarten ist eingebettet in ein Netz von 14 ähnlichen Einrichtungen im „Regionalkreis Stuttgart und Umgebung“. In Baden-Württemberg sind es etwa 150, wie Gertrud Ringli, die Fachberaterin der Vereinigung Waldorf-Kindergärten, erläutert. Sie unterstützt die Erzieherinnen in konkreten pädagogischen Fragen. Der Rhythmus in allem, was man tut, ist ein wesentliches Element der anthroposophischen Erziehung nach Rudolf Steiner. Das gelte sowohl für jeden einzelnen Tag, als auch für einen Wochenablauf. Sogar auf die gemeinsam vorbereiteten Gerichte wirkt sich das aus. So gibt es in Leonberg montags immer Milchreis mit Apfelmus und Zimtzucker, dienstags ist Drei-Brot-Tag mit Obst und Gemüse. Die Kindergärtnerinnen kochen, die Kleinen können mitmachen. „Die Erzieherinnen sind zu jeder Zeit Vorbild, Kinder sollen alles nachahmen können“, sagt Ringli.

Eltern werden achtmal im Jahr informiert

Acht Mal jährlich gibt es einen Elternabend. „Aber“, so Gertrud Ringli, „wir sind kein Eltern-, sondern ein Kindergarten.“

Die Eltern allerdings sind die Träger der Vereinsarbeit. 48 Mitglieder hat die Gruppe – vieles wird ehrenamtlich gemanagt, auch die Finanzen. Zur Vorbereitung auf den Schulbesuch ist die Waldorfschule am Kräherwald in Stuttgart ebenso Kooperationspartner der Einrichtung wie die Leonberger Spitalschule, erklärt Vorstandsmitglied Kerstin Schwenk.