Leonberg Stuttgart 21-Bäume stiften gehörig Zwist

In Leonberg sollen die in Stuttgart gefällten Bäume zum Kunstwerk werden. Foto: Archiv/Kuhnle
In Leonberg sollen die in Stuttgart gefällten Bäume zum Kunstwerk werden. Foto: Archiv/Kuhnle

Der Künstler Michael Lange will Stämme, die für den neuen unterirdischen Bahnhof der Landeshauptstadt gefällt wurden, und alte Eisenbahnschienen in einem Gesamtwerk vereinen. Doch für einen festen Stand braucht es einen Sockel, der viel Geld kostet.

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Leonberg - Unter dem Motto „Krisenmanagement“ ist der letzte öffentliche Tagesordnungspunkt des Sozialausschusses am späten Mittwochabend diskutiert worden. Ausgelöst haben die Krise zehn Baumstämme, die seinerzeit wegen Stuttgart 21 abgesägt wurden und die Donnerstag vergangener Woche kurzerhand am Rande der Stuttgarter Straße abgeladen wurden (wir berichteten).

Die haben nicht nur im Leonberger Rathaus für Irritation gesorgt, sondern auch den Adressaten, den Künstler Michael Lange, überrascht. Der hatte die Fracht erst am Montag erwartet. Sie sollen Teile eines Kunstwerkes werden, das Lange als Dauerleihgabe für die Stadt auf dem Alten Golfplatz aufstellen will.

Weil ohne Abstimmung abgeladen, wurde prompt die Straßenmeisterei aktiv, die solche Hindernisse am Wegesrand nicht duldet: die Stämme müssten schnellstmöglich entfernt werden. „Die Straßenmeisterei hat einen Aufschub von einer Woche gewährt“, erläuterte der Oberbürgermeister Bernhard Schuler dem Ausschuss. Zudem wurde eine Tempolimit auf 50 Stundenkilometer in diesem Bereich „aus haftungsrechtlichen Gründen“ angeordnet und ausgeschildert.

Kein Geld im Haushalt

Aus Sicht der Stadt liegt derzeit keine statische Untersuchung vor, um das Fundament für das geplante Kunstwerk zu erstellen und die Kosten dafür zu kalkulieren. Was aber noch schwerer wiegt ist die Tatsache, dass im städtischen Haushalt kein Geld eingestellt ist, um den notwendigen Sockel zu finanzieren.

Doch gerade davon ist Michael Lange ausgegangen, nachdem er im Oktober 2014 in einer nichtöffentlichen Sitzung des Ausschusses das Projekt vorgestellt hatte. Bei dem neun auf zehn Meter großen Sockel muss von Kosten bis zu 25 000 Euro ausgegangen werden. Laut Verwaltung sei nur über den Standort diskutiert worden. Das hat in ihrem Diskussionsbeitrag auch die Freie-Wähler-Stadträtin Jutta Metz bestätigt.

Damals sei erklärt worden, wie bei anderen ähnlichen Projekten vorgegangen wurde, und welche Kosten die Stadt dort übernommen hat. „Ich bin schon verärgert, dass heute etwas anderes gesagt wird“, sagte die Stadträtin. Sie forderte, unterstützt von Frank Albrecht (Salz), dass sich die Bahn finanziell mehr engagieren sollte, und nicht nur die Baumstämme an den künftigen Ort ihrer Verwendung in Leonberg karren.

Kein Kettensägenmassaker

Wolfgang Röckle (CDU) hingegen signalisierte für seine Fraktion bereits Zustimmung: „Wir wollen es so haben und das Geld für den Sockel bereit stellen.“

Michael Lange schwebt vor, von den zehn Stämmen fünf stabile Bäume als Basis für das Kunstwerk zu verwenden. Aus den anderen Bäumen werden Segmente entnommen, die mit eingearbeitet und mit alten Eisenbahnschienen verbunden werden. „Wir gehen nicht hin wie andere und veranstalten ein Kettensägenmassaker“, so sein künstlerischer Kommentar.

Die Stämme muss er zunächst an einen Platz hieven lassen, der etwa 50 Meter vom geplanten Aufstellungsort entfernt liegt. Hier werden sie liegend bearbeitet. Mit einbeziehen will der Künstler auch Schüler.

Inzwischen hat Lange mit Andreas Herrmann einen Statiker gefunden, der bis Freitag, 26. Juni, den Standsicherheitsnachweis liefern will. Er hat sich auch bereit erklärt, über die Dauer von zehn Jahren die Standsicherheitsprüfung am Kunstwerk vorzunehmen.

Für das weitere Vorgehen unterbreitete OB Schuler dem Ausschuss zwei Lösungs varianten: „Wir tun es trotz kritischer Stimmen, oder die Straßenmeisterei ordnet den Abtransport der Stämme an.“ Doch als es zum Schwur kam und der Ausschuss das Geld für die Finanzierung des Sockels beschließen sollte, folgte der lieber dem Vorschlag von Matthias Bolay (Neue Liste): „Wir nehmen es mit in die Fraktionen, und der Gemeinderat soll entscheiden.“




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